Ist die Borderline-Störung immer schwer zu behandeln?

Persönlichkeitsstörungen gelten allgemein als schwer zu behandeln und stellen auch an Therapeuten hohe Ansprüche. Das liegt zum einen an der komplexen Erkrankung selbst. Daneben erschweren weitere Begleiterkrankungen die Behandlung oft zusätzlich.

Eine Persönlichkeit entwickelt sich über einen langen Zeitraum und ist im Grunde das ganze Leben über im Wandel. Sie unterliegt zahlreichen Einflüssen und wird insbesondere im Kindes- und Jugendalter geprägt.

Es ist daher wohl einleuchtend, dass eine Therapie und das Arbeiten an einer Persönlichkeit kein vergleichsweise einfaches "Reparieren" ist wie beispielsweise das Verschrauben eines Bruches mit einer Titanplatte.

Was soll eigentlich behandelt werden?

Abgesehen davon, dass auch in Fachkreisen umstritten ist, was überhaupt als Störung gelten kann und welche Persönlichkeitszüge durchaus noch angemessen sind, müssen zunächst einmal die Ziele einer Therapie individuell geklärt werden.

Hier können die eigene Sicht der Betroffenen und die Fremdperspektive von außen grundlegend voneinander abweichen. Der Betroffene leidet z.B. hauptsächlich an der Brüchigkeit seiner Beziehungen, erkennt aber womöglich sein unstetes und unberechenbares Verhalten nicht, das immer wieder zu dramatischen Trennungserfahrungen führt.

Es erfordert schon von Menschen ohne Persönlichkeitsstörung ein hohes Maß an Einsicht und Selbstreflexion, um an sich und seinen Beziehungen etwas zu ändern. Wie viel schwerer fällt dies erst einem "Borderliner", der so viele Probleme zu bewältigen hat und ständig von seinen Gefühlen zerrissen wird!

Oft Teil des Problems: Die Beziehung zum Therapeuten

Problematische Beziehungen sind ein Kernmerkmal der Borderline-Störung. Und natürlich machen sie auch vor dem Verhältnis zum Therapeuten nicht Halt. Das erschwert die Therapie zusätzlich. Denn eine tragfähige Beziehung zwischen Patient und Therapeut ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung.

Außerdem ist meist eine jahrelange therapeutische Begleitung erforderlich, um neue Verhaltensweisen zu erlernen und zu stabilisieren. So lange muss die Beziehung zum Therapeuten erst einmal halten.

Schwere Verläufe und Begleiterkrankungen

Auch starke Krankheitsausprägungen wie selbst- und fremdaggressives Verhalten oder gar eine drohende Suizidalität können die Behandlung erschweren. Hinzu treten oft weitere schwere Erkrankungen wie Abhängigkeit und Sucht, Essstörungen oder eine Posttraumatische Belastungsstörung, die ebenfalls dringend behandelt werden müssen.

Trotz allem: Es gibt gute Therapien

Die Auflistung der Probleme zeigt, welche Schwierigkeiten in der Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung bestehen und erklärt, wie wichtig ein kompetenter und erfahrener Therapeut ist. In guten Händen ist eine Therapie jedoch durchaus erfolgversprechend. Und natürlich gibt es große individuelle Unterschiede in der Krankheitsentstehung und -ausprägung, weshalb nicht alle Menschen mit Borderline-Störung gleich schwer zu behandeln sind.

Gerade für Borderline gibt es zudem wirksame therapeutische Ansätze, die sich in der Praxis bewährt haben. Voraussetzung ist allerdings stets eine hohe Motivation und aktive Mitarbeit der Betroffenen. Außerdem sollte man sich selbst nicht überfordern und sich machbare Ziele setzen. Letztlich geht es nicht darum, die Persönlichkeitsstörung "wegzutherapieren", sondern bestmöglich mit ihr zu leben.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann, Eva Bauer (Ärztin)

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