Was erhöht die Gefahr für eine Blasenentzündung?

In Kurzform: Am häufigsten an einer Blasenentzündung leiden jüngere Frauen mit regelmäßigem Geschlechtsverkehr. Bei den sehr viel seltener betroffenen Männern treten Harnwegsinfekte vor allem in höherem Alter und bei vergrößerter Prostata auf. Bei etwas näherer Betrachtung wird klar, warum das so ist.

Warum Frauen grundsätzlich gefährdeter sind

Eine Blasenentzündung wird in den meisten Fällen von Bakterien verursacht. Und zwar von solchen, die ursprünglich den Darm bevölkerten, sich dann vom Darmausgang nach vorne bewegt haben und danach die Harnwege hinaufgewandert sind. Diese Bakterien (meist handelt es sich E. coli) haben bei Frauen grundsätzlich sehr viel leichteres Spiel. Denn erstens ist der räumliche Abstand zwischen After und Scheide sehr viel geringer als bei Männern vom After bis zur Penisspitze. Zweitens, und das ist noch entscheidender, ist die Harnröhre bei Frauen sehr viel kürzer. Der Weg von außen bis zur Blase bemisst sich bei Frauen auf 3-4 cm, bei Männern sind es um die 20 cm.

Die unerwünschte Wanderung der Bakterien wird außerdem durch Geschlechtsverkehr begünstigt. Deshalb haben oft vor allem sexuell aktive Frauen mit wiederholten Harnwegsinfekten zu kämpfen. Und wenn dann in höherem Alter die sexuelle Lust etwas nachlässt, kommt ein anderes Problem hinzu: Nach den Wechseljahren wird die Schleimhaut der Harnröhre nicht mehr so gut durchfeuchtet und damit anfälliger für das Anheften von Bakterien.

Vergrößerte Prostata erhöht Risiko bei Männern

Bei Männern ist häufiger Sex hingegen kein Risiko für vermehrte Blasenentzündungen. Aufgrund des langen Weges bis zur Blase haben die Keime hier in der Regel nur eine Chance, wenn andere infektionsfördernde Faktoren hinzukommen. Zum Beispiel ein beeinträchtigtes Wasserlassen wegen einer vergrößerten Prostata. Da dies in höherem Alter eine sehr häufige Erscheinung ist, verflüchtigt sich die ungleiche Geschlechterverteilung zunehmend im Seniorenalter.

Daneben gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Faktoren, die das Risiko für eine Blasenentzündung erhöhen:

  • Unterkühlung (zu dünne Kleidung im Beckenbereich, vor allem im Winter)
  • "falsches" Po-Abwischen (von hinten nach vorn statt von vorn nach hinten)
  • Schwangerschaft (unter anderem wegen des langsamer abfließenden Harns)
  • Blasensteine oder andere Erkrankungen mit gestörtem Harnfluss
  • Diabetes (wegen der damit einhergehenden Abwehrschwäche und des "zu süßen" Urins)
  • andere Erkrankungen mit resultierender Abwehrschwäche
  • Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (z.B. Kortison)
  • eingeführte Katheter oder andere medizinische Geräte
  • Verhütung mit Diaphragma oder Spermiziden (Sperma-abtötenden Substanzen)


Autor: Dr. med. Jörg Zorn