Wie häufig kommen Blasenentzündungen eigentlich vor?

Das ist gar nicht so einfach abzuschätzen, weil viele Frauen mit Blasenentzündungen gar nicht erst zum Arzt gehen. Männer schon eher, weil sie mit dieser Infektion weniger vertraut sind. Womit wir bei dem ersten Fakt sind: Frauen bekommen sehr viel häufiger eine Blasenentzündung als Männer. Der Grund: Ihre Harnröhre ist kürzer. Der Weg von der Scheide zur Blase ist mit 3-4 cm für Bakterien wesentlich einfacher zu überwinden als die rund 20 cm beim Mann.

Jede zweite Frau betroffen

Zurück zu den Zahlen: Man schätzt, dass etwa jede zweite Frau im Laufe ihres Lebens mindestens einmal einen Harnwegsinfekt bekommt. Viele von ihnen quälen sich sogar mehrmals damit herum. Bei jeder dritten Frau mit einer ersten Blasenentzündung war das nicht der letzte.

Die auslösenden Keime stammen dabei fast immer aus dem Darm und wurden unbemerkt vom After nach vorn zur Scheide befördert. So verwundert es auch nicht, dass vor allem bei häufigem Geschlechtsverkehr das Risiko von Blasenentzündungen zunimmt.

Zunahme in höherem Alter

Männer sind aus genannten Gründen deutlich seltener von Harnwegsinfekten betroffen – zumindest in jüngeren Jahren. In höherem Alter gleicht sich das an. Denn dann bekommen es viele Männer mit der Prostata zu tun. Und eine vergrößerte Prostata beeinträchtigt den Harnfluss, was wiederum Bakterien den Aufstieg zur Blase erleichtert.

Grundsätzlich nimmt die Häufigkeit von Harnwegsinfekten in höherem Alter zu. Bei Frauen liegt das vor allem am sinkenden Östrogenspiegel in den Wecsheljahren, der die Schleimhaut der unteren Harnwege poröser und damit anfälliger für Bakterien macht. Man schätzt, dass etwa 25% aller Frauen ab dem 65. Lebensjahr mindestens einmal mit einer Blasenentzündung zu kämpfen haben. Bei Männern liegt diese Quote bei rund 10% (und damit deutlich höher als im jungen und mittleren Erwachsenenalter).

Autor: Dr. med. Jörg Zorn