Ist ein Grüner Star dasselbe wie ein Glaukom?

Ja und nein. Heute werden die Begriffe zwar weitgehend gleichbedeutend verwendet. Dass es dazu kam, beruht aber auf einem Übersetzungsfehler. Ursprünglich steht „Star“ in der deutschsprachigen Augenheilkunde seit dem 8. Jahrhundert für Linsentrübungen, während „Glaukom“ eigentlich eine Erkrankung des Sehnerven bezeichnet.

Übersetzungsfehler und Bedeutungswandel wirken bis heute nach

Geprägt hat den Glaukom-Begriff schon Aristoteles, der ihn von der blaugrauen, meerähnlichen Verfärbung der Regenbogenhaut bei chronischen Entzündungen ableitete. Im Frankreich des 16. Jahrhunderts wandelte sich die Farbzuschreibung angesichts der Nordatlantik-Tönung in grün. Der Übersetzungs-Lapsus eines schlesischen Arztes im 18. Jahrhundert ließ dann daraus den Grünen Star werden.

Das fiel dem ersten deutschen Augenarzt aber erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf. Zu einer Zeit, als die deutschen Lexika die unterschiedlichen Krankheitsbezeichnungen aus sprachpolitischen Gründen längst gleichgesetzt hatten. Noch weit bis ins 20. Jahrhundert hinein entsprach die vorherrschende ärztliche Begriffsdeutung des Grünen Stars der Linsentrübung beim Glaukom.  Erst in jüngerer Zeit hat die breite medizinische Front den eigentlich falschen, aber populären Bedeutungswandel übernommen und auch in ihren Lehrbüchern den Grünen Star mit dem Glaukom gleichgesetzt.

Sehnverv-Schädigung immer, erhöhter Augeninndruck nicht immer

Noch ein weiterer Bedeutungswandel ist für die heutige Sprachmisere relevant, nämlich der des Glaukom-Begriffs. Seit dem 19. Jahrhundert wird darunter ein erhöhter Augeninnendruck verstanden. Auch das fälschlicherweise, denn nicht bei jeder Schädigung des Sehnervens wird ein erhöhter Augeninnendruck gemessen. So gibt es heute zwei sprachliche Hürden, die für Verwirrung und Fehlannahmen beim Grünen Star sorgen:

  • 1. Der Grüne Star (Sehnervschädigung) hat nichts mit dem Grauen Star (Linsentrübung) zu tun.
  • 2. Beim Grünen Star bzw. Glaukom muss kein erhöhter Augeninnendruck vorliegen.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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