Was ist ein Normaldruck-Glaukom?

Wie der Name sagt, besteht beim Normaldruck-Glaukom überwiegend kein erhöhter Augeninnendruck. Also bei der Augendruckmessung kein Wert über 21 mmHg. Dennoch kommt es auch bei dieser Form des Grünen Stars zur fortschreitenden Schädigung des Sehnervens. Warum und wie, ist noch keineswegs befriedigend erforscht. Mehrere Faktoren und Erklärungsmöglichkeiten sind aber bekannt bzw. werden diskutiert.

Individuelle Druckempfindlichkeit

So ist die Druckempfindlichkeit der Sehnervenfasern eine individuelle Angelegenheit. Im Fachjargon spricht man von der Tensionstoleranz. Gemeint ist die Widerstandskraft des Sehnervens gegenüber dem Augeninnendruck. Sie ist bei manchen Menschen offenbar so niedrig, dass es schon bei vermeintlich normalen  Druckwerten zu einer mechanischen Schädigung kommen kann.

Durchblutungsstörungen des Sehnervs

Eine weitere Schadensquelle sind Durchblutungsstörungen des Sehnervs. Gründe dafür können ein zu niedriger Blutdruck, verengte zuführende Gefäße (z.B. bei Gefäßkrämpfen oder Arteriosklerose) sowie Blutdruckschwankungen sein. Besonders gefährlich sind nächtliche Blutdruckabfälle. Aber auch ein zu hoher Blutdruck kann sich über eine Schädigung der nervenversorgenden Gefäße schädigend auswirken.  Oder im Gefolge seiner medikamentösen Behandlung.

Demzufolge erfordert die Behandlung des Normaldruck-Glaukoms häufig eine fachgruppenübergreifende ärztliche  Zusammenarbeit, etwa von Augenarzt und Internist.

Normaldruck bei bis zu 40% aller Glaukome

Dabei ist das Normaldruck-Glaukom keine Seltenheit. Man schätzt seine Häufigkeit auf bis zu 40% aller Fälle des Grünen Stars. Allerdings steckt in manchen Fällen auch ein fälschlicherweise zu niedrig gemessener Augeninnendruckwert dahinter. Bei sehr dünner Hornhaut können sich Abweichungen um mehrere Einheiten (mmHg) ergeben. Deshalb gehört zur Augeninnendruckmessung (Tonometrie) immer auch die Messung der Hornhautdicke (Pachymetrie).

Das Normaldruck-Glaukom ist eine spezielle Form des sogenannten primären chronischen Offenwinkel-Glaukoms. Manchmal wird es auch als Niedrigdruck-Glaukom bezeichnet, was eher irreführend ist.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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