Wie wird der Augeninnendruck gemessen?

Zur Messung des Augeninnendrucks gibt es verschiedene Verfahren mit unterschiedlichen Gerätschaften. Im Normalfall erfolgt die Messung von außen. Dabei unterscheidet man Untersuchungen mit oder ohne Berührung der Hornhaut. Nur in Einzelfällen und zu Forschungszwecken wird dafür eine Sonde in die vordere Augenkammer eingebracht.

Was wichtig ist: Alle Untersuchungen haben schreckliche Namen und wenn man liest, was dabei passiert, wird es einem noch mulmiger. Aber in der Regel spürt man davon fast nichts, unter anderem auch deshalb, weil die Augen vorher mit Tropfen betäubt werden. Es ist also alles gar nicht so schrecklich.

Traditioneller Standard: Methode nach Goldmann

Achtung, jetzt wird es sehr medizinisch. Die gängigsten Verfahren zur Messung des Augeninnendrucks sind:

  • Applanationstonometrie nach Goldmann: Abflachung der Hornhaut mit Messzylinder
  • Impressionstonometrie: Eindrücken der Hornhaut mit Stift bzw. Stempel
  • Non-Contact-Tonometrie: Abplattung der Hornhaut mit Luftstoß
  • Non-Contact-Tono-Pachymetrie: zusätzlich Hornhautdickenmessung mit Ultraschall oder Kamera
  • dynamische Konturtonometrie (PASCAL®): elektronische Abtastung der Hornhautoberfläche mit Piezokristall als Drucksensor

Die traditionelle Applanationstonometrie nach Goldmann hält sich immer noch als Standardverfahren in den deutschen Augenarztpraxen. Sie gilt als relativ genau, allerdings ist die Korrektheit der Werte von der Hornhautdicke abhängig. Der direkte Hornhautkontakt birgt für den Patienten ein paar Nachteile.

Es gibt auch Handapplanationstonometer, die beim liegenden Patienten eingesetzt werden können, etwa bei Tag-Nacht-Messungen. Bei modernen Handgeräten kann sogar auf eine Betäubung mit Augentropfen verzichtet werden. Sie werden für orientierende Druckkontrollen vom medizinischem Personal angewandt, können aber teilweise auch zur Selbstkontrolle verwandt werden.

Moderne Verfahren: genauer und berührungsfrei

Moderne Verfahren wie die Non-Contact-Tono- Pachymetrie messen den Augeninnendruck und die Hornhautdicke in einem Aufwasch und berührungsfrei. Den damit einhergehenden Luftstoß empfinden allerdings viele Patienten als unangenehm.

Die dynamische Konturtonometrie hat den besonderen Vorteil, den Augeninnenendruck nicht nur punktuell, sondern über eine gewisse Zeitperiode messen zu können. Das ergibt wie bei der Blutdruckmessung einen systolischen und einen diastolischen Wert. Aus der Differenz wird die – Achtung: Mediziner-Kauderwelsch – "okuläre Amplitude" berechnet, die indirekt Rückschlüsse auf die Durchblutung im Auge und die Versorgung des Sehnerven zulässt.

Händische Prüfung

In früheren, noch nicht so technologischen Zeiten prüfte der erfahrene Arzt mit seinen Fingern den Augendruck. Dieses Handanlegen, medizinisch Palpation genannt, ist in bestimmten Situationen auch heute noch ein probates Mittel zur groben Orientierung. Zum Beispiel bei einem Glaukom-Anfall, wenn es schnell gehen muss. Oder wenn sich die Gerätemessung aus anderen Gründen verbietet, wie bei einem infektiösen Hornhautgeschwür.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser & Dr. med. Jörg Zorn

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