Was sind normale Werte für den Augeninnendruck?

Die Maßeinheit für den Augeninnendruck ist Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). Mit dieser Maßeinheit wird zum Beispiel auch der Blutdruck gemessen. Ein gesunder Augeninnendruck liegt üblicherweise zwischen 10 und 21 mmHg. Der Normwert beträgt etwa 15,5 mmHg. Bei Kindern und Jugendlichen sind 10 bis 12 mmHg normal.

Optimaler Augeninnendruck variiert von Mensch zu Mensch

Der Druck im Auge ergibt sich aus der Menge des Kammerwassers. Das ist eine natürliche Augenflüssigkeit, die das Auge von innen versorgt. Der Augeninnendruck nimmt zu, wenn mehr Kammerwasser produziert wird als abfließen kann. Die Ursache von Störungen liegt dabei meist in einem behinderten Abfluss. Die Folge einer länger andauernden Druckerhöhung ist dann oft der Grüne Star (medizinisch: Glaukom).

Allerdings ist der optimale Augeninnendruck individuell verschieden. So haben in Deutschland 15-20% der Menschen mit Grünem Star unauffällige Augendruckwerte zwischen 15 und 20 mmHg. Medizinisch nennt man das ein "Normaldruckglaukom" oder "Glaukom ohne Hochdruck".

Normaldruckglaukom: Grüner Star mit normalem Augeninnendruck

Bei der Untersuchung zeigen sich dabei die typischen Schäden am Sehnerven. So sieht der Augenarzt bei der Ophthalmoskopie (Augenhintergrundspiegelung) eine Vergrößerung und Aushöhlung des Sehnervenkopfes (Papillenexkavation).

Da die sogenannte Papille, an der die Nervenfasern des Auges gebündelt werden und der eigentliche Sehnerv beginnt, allerdings bei jedem Menschen etwas anders aussehen kann, sind Auffälligkeiten noch immer kein Beweis für ein Glaukom. Erst wenn zusätzlich Beschwerden auftreten und das Gesichtsfeld eingeschränkt ist, steht die Diagnose fest.

Das Gesichtsfeld beschreibt die Seheindrücke, die wir wahrnehmen, wenn wir mit den Augen einen Punkt fixieren. Dazu gehört nicht nur das anvisierte Objekt im Zentrum, sondern auch die Randbereiche, die für die Orientierung sehr wichtig sind. Beim Glaukom sind typischerweise diese umgebenden Gesichtsfeldbereiche eingeschränkt.

Okuläre Hypertension: erhöhter Augeninnendruck ohne Glaukom

Neben dem Normaldruckglaukom ist auch der gegenteilige Fall möglich: Bei der sogenannten okulären Hypertension, auf Deutsch schlicht Augenüberdruck, sind zwar die Druckwerte abnormal erhöht, liegen also wiederholt > 21 mmHg; der Sehnerv ist aber heil, d.h. es finden sich keine glaukomtypischen Sehnerven- und Gesichtsfeldveränderungen (= kein Grüner Star).

Dabei kann der Druck im Auge jahrelang erhöht sein, ohne dass Betroffene Beschwerden haben. Dennoch ist ein erhöhter Augeninnendruck auf Dauer nicht gut für den Sehnerv und stellt einen Risikofaktor für die Entwicklung eines Glaukoms dar. Ohne Behandlung bekommen Menschen mit okulärer Hypertension innerhalb von 5 Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 9,5% einen Grünen Star. Vor allem Augendruckwerte > 26 mmHg sind kritisch.

Daher sollte bei solch hohen Drücken auch dann eine Therapie erfolgen, wenn die Betroffenen nichts davon merken. Ist der Augeninnendruck nur mäßig erhöht und liegen keine weiteren Risikofaktoren für ein Glaukom vor, kann mit der Behandlung zunächst abgewartet werden. Dann sind jedoch regelmäßige Kontrollen wichtig, um den weiteren Verlauf zu beurteilen.

Zieldruck schwankt individuell

Bei Menschen mit Glaukom gilt grundsätzlich: Je niedriger der Augeninnendruck, desto besser für den Sehnerv. Der wünschenswerte Zieldruck hängt allerdings von vielen Faktoren ab und muss vom Augenarzt unter Berücksichtigung aller Befunde und Parameter eingeschätzt werden.

Als Faustregel wird eine Drucksenkung um 20% angestrebt, wobei 20 mmHg als Grenze gelten. Je nach Ausgangsdruck und individuellem Risiko ergibt sich daraus eine gewisse Spannbreite des Zieldrucks, der im Verlauf der Behandlung auch nochmal angepasst werden kann.

Autoren: Dr. Hubertus Glaser, Eva Bauer (Ärztin)

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