Ist die Messung des Augeninnendrucks schmerzhaft oder gefährlich?

In der Regel nicht. Man bekommt vorher schmerzstillende Augentropfen, so dass man die Untersuchung kaum spürt. Insgesamt ist die Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie) auch nicht mit einem größeren Komplikationsrisiko behaftet. Ganz gefahrlos ist sie aber, abhängig vom Verfahren, auch wieder nicht.

Augendruckmessung mit oder ohne Hornhautkontakt?

Die folgenden Komplikationen sind selten, aber man sollte davon wissen.

Findet ein direkter Augenkontakt statt, kann es dort zu Verletzungen und Infektionen kommen. Das trifft auf die gängige Applanations- und die veraltete Impressions-Tonometrie zu, bei denen ein Messkopf bzw. Stift auf der Hornhaut platziert wird. Kratzspuren oder auch Einrisse können bei übermäßigem Druck die Folge sein.

Zudem reagieren manche Menschen allergisch auf die betäubenden Augentropfen, die vorher zur Schmerzfreiheit verabreicht werden. Die Tropfen selbst können überdies ein Brennen verursachen, das nach wenigen Minuten wieder vorbei ist. Das gilt aber eher für ältere Präparate. Die modernen Präparate weisen zum Glück eine bessere Verträglichkeit auf.

Gefahr der Fehldiagnose

Beim berührungslosen Messen mittels Luftstoß (Non-Contact-Tonometrie) wird genau dieser wiederum von manchen Patienten als sehr unangenehm empfunden.

Neben den direkten Einwirkungen am Auge gibt es noch ein anderes Risiko: fehlerhaft gemessene oder interpretierte Druckwerte. Sie könnten Anlass für eine unnötige Therapie sein, die potenziell Nebenwirkungen verursacht und die Lebensqualität einschränkt. Oder sie verursachen ein verspätetes Eingreifen, wenn bei vermeintlich niedrigen Werten ein Grüner Star im Frühstadium übersehen wird.

Nicht messen ist viel gefährlicher

Eine wesentlich größere Gefahr als von der Messung des Augeninnendrucks geht von ihrem Unterlassen aus. Denn ein erhöhter Druck ist oft der erste Hinweis auf ein sich anbahnendes Glaukom. Dessen frühzeitige Erkennung beugt einer (zu) späten bösen Überraschung vor. Ist das Glaukom bereits da, gilt die regelmäßige Druckmessung zur Verlaufskontrolle als unerlässlich.

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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