Was ist ein schweres Asthma?

Was genau schweres Asthma ist, ist gar nicht so leicht zu definieren. Bei der Einteilung in verschiedene Schweregrade der Erkrankung kommt es grundsätzlich darauf an, mit welchen Behandlungsmaßnamen sie sich ausreichend kontrollieren lässt.

Wenn die Therapie immer intensiver wird

Bei einem schweren Asthma reichen die Therapiestufen 1 bis 4 nicht mehr aus, um die Symptome zu lindern und akute Anfälle zu vermeiden. Das heißt, auch eine Kombinationsbehandlung aus verschiedenen Wirkstoffen in hoher Dosierung kann die Erkrankung nicht unter Kontrolle bringen.

So kommt es etwa trotz intensiver Behandlung immer wieder zu drastischen Verschlechterungen (Exazerbationen). Auch wenn eine Atemwegsobstruktion bestehen bleibt, die Atemwege also weiterhin blockiert sind, liegt ein schweres Asthma vor.

Von einer schweren Form sprechen Experten aber auch dann, wenn sich das Asthma verschlechtert, sobald die hochdosierte Mehrfachtherapie reduziert wird. Ein drittes Kriterium ist schließlich der Einsatz von Therapiestufe 5. Hier werden neuere Medikamente verordnet, sogenannte Biologika, oder das Kortison, das bisher als Spray verabreicht wurde, wird jetzt als Tablette gegeben. Dadurch wirkt es stärker, verursacht aber auch mehr Nebenwirkungen.

Viele Experten, viele Meinungen

Das ist zumindest weitgehend der Konsens der internationalen Fachgesellschaften. Ganz einig ist man sich in unterschiedlichen Fachkreisen allerdings nicht, was eine hohe Dosierung genau ist. Hier geben die einen mehr, die anderen weniger an.

Daneben gibt es Stimmen, die bezweifeln, ob man überhaupt eine eigenständige Form des schweren Asthmas definieren sollte oder ob darunter nicht einfach sämtliche schwere Verläufe der einzelnen Asthmaformen zu verstehen sind. Denn Asthma ist bei weitem keine einheitliche Erkrankung. Sie hat jeweils unterschiedliche Ursachen und Auslöser, verläuft bei jedem individuell anders und kann in ihrer Intensität stetig wechseln.

Das Konzept der WHO

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) macht wiederum einen eigenen Vorschlag dafür, was ein schweres Asthma sein soll. Sie unterscheidet drei Untergruppen:

  • ein schweres Asthma, das deswegen schwer ist, weil es nicht behandelt wird
  • ein Asthma, das schwer zu behandeln ist, sei es durch mangelnde Mitarbeit der Betroffenen, anhaltende äußere Einflussfaktoren oder aufgrund von erschwerenden Begleiterkrankungen
  • ein sogenanntes therapierefraktäres Asthma, das sich trotz maximaler Behandlung nicht in den Griff bekommen lässt

Wirklich schwer oder nur schlecht behandelt

Kurzum, Asthma kann schwer sein, weil die Erkrankung wirklich so ausgeprägt und die Atemwege so stark betroffen sind, dass selbst mit intensivster Behandlung keine ausreichende Besserung erzielt werden kann. Oder aber, die Behandlung erfolgt schlicht nicht adäquat, obwohl das Asthma eigentlich gut zu kontrollieren wäre.

Das kann zum einen daran liegen, dass eine Therapiestufe irgendwann nicht mehr ausreicht, was jederzeit geschehen kann (wie übrigens auch umgekehrt die Behandlung manchmal eine Stufe reduziert werden kann). Dann muss der Arzt zusammen mit Ihnen einen neuen Behandlungsplan erstellen.

Oder aber die Einnahme der Medikamente bzw. Sprays erfolgt nicht korrekt. Und hier sind Sie gefragt.

Es liegt auch in Ihrer Hand

Die Therapie beim Asthma ist außer bei sehr leichten Formen in der Regel eine Langzeitbehandlung. Das erfordert im wahrsten Sinne des Wortes einen langen Atem von Ihnen.

Sie müssen die Sprays regelmäßig und mit der richtigen Technik einnehmen, damit die Wirkstoffe auch da ankommen, wo sie hin sollen. Das ist auch dann wichtig, wenn Sie gerade gar keine Beschwerden haben – gerade dann! Denn es ist genau das Ziel der Asthmabehandlung, dass Sie mit den entsprechenden Maßnahmen beschwerdefrei sind.

Damit das dauerhaft so bleibt, ist die stetige Therapie unumgänglich. Denn Asthma ist eine chronische Erkrankung, die fortbesteht und unbehandelt schwere Verläufe nehmen kann.

Autorin: Eva Bauer (Ärztin)

Alle Fragen und Antworten dazu finden Sie hier:
Asthma: Grundlagen und Ursachen

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