Wonach wird der Schweregrad einer Asthma-Erkrankung beurteilt?

Asthma wird in verschiedene Schweregrade unterteilt. Die Einordnung richtet sich dabei nach dem Ausmaß der Beschwerden und den Werten der Lungenfunktion.

Asthma ist bei jedem anders

Man geht heute nicht mehr davon aus, dass Asthma eine einheitliche Erkrankung mit klarem Verlauf ist. Viel zu unterschiedlich sind die Beschwerden jedes einzelnen Betroffenen, als dass man die Erkrankung starr definieren könnte.

Entsprechend variabel ist auch der Schweregrad. Denn die Symptome können in ihrer Ausprägung stark variieren und sich immer wieder ändern. Dabei spielen Umwelteinflüsse und bestimmte allergene Stoffe, aber auch die Ernährung sowie die aktuelle Lebenslage und Stimmung eine große Rolle.

Die Therapie bestimmt den Schweregrad

Der Schweregrad ist also eine sehr variable Größe und kann sich jederzeit auch wieder ändern, zum Guten wie zum Schlechten. Wie schwer Sie anfänglich betroffen sind, lässt sich bei der Diagnosestellung noch gar nicht sagen. Denn die Einteilung richtet sich nach der jeweiligen Behandlung bzw. danach, wie gut jemand darauf anspricht.

Das Pferd wird gewissermaßen von hinten aufgezäumt: Erst wird ausgetüftelt, welche Behandlung Sie brauchen, um dauerhaft möglichst frei von Beschwerden, aber auch von Nebenwirkungen zu bleiben. Anschließend wird Ihnen rückblickend ein Schweregrad zugeordnet.

Leicht, mittel, schwer

Dabei werden heute drei Schweregrade unterschieden:

  • leicht: Hier reicht eine Behandlung nach Therapiestufe 1 oder 2, um die Symptome ausreichend unter Kontrolle zu bringen.
  • mittel: Hier gelingt die Asthmakontrolle unter der Therapiestufe 3 oder 4.
  • schwer: Hier reichen die bisherigen Maßnahmen nicht mehr aus. Therapiestufe 5 kommt zum Einsatz.

Sie sehen, es gibt unterschiedliche Therapiestufen, die genauso flexibel sind wie der Schweregrad. Wenn sich die Beschwerden ändern, kann jederzeit eine Stufe nach oben oder unten gegangen werden.

Der Schweregrad kann, muss sich dadurch aber nicht ändern. Bei einem Wechsel von Stufe 3 auf Stufe 4, in der wiederum eine ausreichende Kontrolle erreicht wird, bleibt es bei einer mittelschweren Ausprägung der Erkrankung.

Alles unter Kontrolle?

Wie gut das Asthma kontrolliert ist, entscheiden bestimmte objektive Parameter der Lungenfunktionsprüfung (Einsekundenkapazität FEV1 und Peak-Flow-Werte), aber auch Sie selbst.

Die wichtigsten Fragen zur Einordnung sind dabei:

  • Wie oft treten Beschwerden auf?
  • Wie lange halten sie an?
  • Ist der nächtliche Schlaf gestört?
  • Gibt es körperliche Einschränkungen?

Bei Bedarf Anpassung der Behandlung

Wichtig ist außerdem, wie oft Sie auf Ihr Bedarfsspray zurückgreifen müssen, das Sie bei akuten Beschwerden anwenden können. Wenn Sie tagsüber selten und nachts nie Beschwerden haben und nur bis zu zweimal in der Woche auf Ihr schnell wirksames Spray zurückgreifen müssen, ist das Asthma bei Ihnen unter Kontrolle.

Haben Sie häufiger und auch nachts Beschwerden, brauchen Sie Ihr Spray öfter und sind Sie in Ihrer Aktivität eingeschränkt, ist die Erkrankung außer Kontrolle geraten. Das Therapiekonzept muss dann überdacht und angepasst werden. Ggf. ändert sich auch der Schweregrad.

Wichtig ist, wie es Ihnen geht

Sie sehen also, Schweregrad, Kontrolle und Therapiestufe hängen eng miteinander zusammen, müssen aber nicht übereinstimmen. Entscheidend für Sie ist vor allem, dass Sie Ihre Beschwerden möglichst gut in den Griff bekommen, egal, wie schwer Sie betroffen sind. Dazu müssen Sie sich aber aktiv an der Behandlung beteiligen und Ihrem Arzt immer wieder Rückmeldung geben, wie Sie damit momentan zurechtkommen.

Autoren: Dr. med. Jörg Zorn, Eva Bauer (Ärztin)

Alle Fragen und Antworten dazu finden Sie hier:
Asthma: Grundlagen und Ursachen

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