Kann Sport Krebs verhindern?

Wer regelmäßig joggt, Fahrrad fährt, schwimmt oder anderweitig Sport betreibt, kann sein Risiko senken, an Krebs zu erkranken. Dabei ist nicht Hochleistungssport gefragt, sondern eine an das individuelle Leistungsvermögen angepasste Aktivität, die uns – am besten täglich – für 30 Minuten zumindest ins leichte Schwitzen bringen sollte. Ob rasches Spazierengehen, Walken, Radeln, Schwimmen oder der Besuch eines Fitnesskurses in einem Studio – das kann jeder für sich entscheiden.

Studien konnten den schützenden Effekt von regelmäßigem Sport bislang für Brustkrebs, Prostatakrebs und Darmkrebs nachweisen, die häufigsten Krebsarten überhaupt. Bei Brust- und Darmkrebs weisen die Zahlen in Richtung eines immerhin 25 bis 30% verringerten Risikos.

Körper und Geist werden gestärkt

Körperliche Bewegung ist traditionell ein ganz wesentliches Selbstheilungselement innerhalb der ganzheitlichen Medizin (gleichgültig welcher Philosophie), beispielsweise in der Kneipp-Medizin, der ganzheitlichen Physiotherapie, im Ayurveda, der körperassoziierten Psychotherapie oder der energetischen Medizin. Aus Erfahrung wissen wir: Regelmäßige Bewegung wirkt auf den gesamten Körper, auf die Emotionen, stärkt die mentalen Kräfte sowie das Selbstvertrauen, belebt den Geist und bringt unsere „Energien“ in Schwung. Sie hilft maßgeblich, uns von innen heraus zu balancieren, eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass unser Immunsystem regelrecht arbeitet und Krebszellen unschädlich machen kann, bevor sie sich „einnisten“.

Muskeln können mehr als nur Kraft ausüben

Nun rücken auch Forscher aus aller Welt seit einigen Jahren die Skelettmuskulatur aus ihrem Schattendasein und untermauern wissenschaftlich das alte Wissen der Erfahrungsmedizin. Wurde die Muskulatur bislang lediglich in den Aufgabenbereichen „Halte- und Stützfunktion“ sowie „Bewegung“ gesehen, konnte eine ganz andere Seite dieses gewaltigen Körperorgans (bei Frauen ca 20% bis 40% des Körpergewichts, bei Männern ca. 25% bis 45% des Körpergewichts) entdeckt werden: Muskeln sind riesige Drüsen. Sie schütten eine Vielzahl von Botenstoffen aus, sogenannte Myokine, die zum Teil auf die Muskelzellen selber wirken, zum Teil auf Nachbarzellen, zum Teil aber auch ins Blut abgegeben und dann wie Hormone im ganzen Körper wirksam werden. Wichtig: Die Häufigkeit, Länge und Intensität der Kontraktion des Muskels steuert dabei die Ausschüttung. Sitzen wir also den ganzen Tag vor dem Computer oder Stunden auf dem Sofa, wird nichts ausgeschüttet.

Geschätzt sind es mehrere Hundert verschiedene Botenstoffe, wobei bislang nur ein Teil im Einzelnen schon näher erforscht ist. Die Wirkung dieser Stoffe setzt nach wenigen Minuten ein und hält einige Stunden an. Wie Hormone wirken sie bereits in winzigen Konzentrationen. Über diese Botenstoffe kommuniziert die Muskulatur mit dem Fettgewebe, der Leber, der Bauchspeicheldrüse, den Knochen, den verschiedenen Immunzellen und dem Gehirn.

Anti-Krebs-Effekte wissenschaftlich nachgewiesen

Bei einer Untergruppe der Myokine konnte man nun nachweisen, dass sie die Bildung von Polypen im Dickdarm hemmen, aus denen sich Jahre später Darmkrebs entwickeln kann. Auch wurde entdeckt, dass bei gesunden Ausdauersportlern die natürlichen Immun-Killerzellen stärker aktiviert sind. Killerzellen sortieren ständig in unserem Körper fehlerhafte Zellen und damit auch Krebszellen aus. Zudem ließen sich noch andere Einflüsse auf die Regulation und die Modulation des Immunsystems sowie auf Zell-Reparaturvorgänge nachweisen. Myokine haben sogar Einfluss auf An- und Abschaltung einzelner Gene.

Bringen wir also durch tägliche Bewegung die Ausschüttung und Zirkulation der Myokine in unserem Blut ausreichend in Gang, helfen wir rund um die Uhr unserem Immunsystem, uns vor Krebs zu schützen. Wir aktivieren so im wahrsten Sinne des Wortes unsere natürlichen Selbstheilungskräfte.

Autorin: Dr. med. Barbara Scholtissek, Praxis Ganzheitliche Medizin / Psychosomatik / Psychoonkologie in München

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