Was ist ganzheitliche Medizin?

Eine einheitliche Definition, was ganzheitliche Medizin oder Ganzheitsmedizin ist, gibt es nicht. Selbst innerhalb der ausübenden Berufsgruppen wie z.B. der Ärzte, Psychologen oder Heilpraktiker gehen die Ansichten über Grundlagen, Inhalte und Ziele auseinander. Synonym wird auch oft von Alternativmedizin und Komplementärmedizin gesprochen, die im umgangssprachlichen Gebrauch ebenfalls nicht klar voneinander abgegrenzt sind.

Fakt ist, dass jeder etwas anderes darunter versteht. Erschwerend kommt hinzu, dass die Begriffe auch in jedem Land eine andere Bedeutung haben. Alleine diese begriffliche Unschärfe ist leider Ursache vieler Kommunikationsprobleme. Auch die im Folgenden gegebenen Erklärungen können nur eine von mehreren Sichtweisen darlegen.

Den ganzen Menschen betrachten

In der ganzheitlichen Medizin werden viele individuelle Details des Erkrankten zu einem individuellen Ganzen zusammengefügt. Im Blickfeld sind dabei nicht einzelne Symptome, sondern die Verbindungen und Zusammenhänge innerhalb des gesamten Körpers, wobei zum Körper untrennbar auch Geist und Seele gehören. Zudem werden auch die Beziehungen zu anderen Menschen, das direkte Lebensumfeld, die individuellen Lebensgewohnheiten und die Umwelt mit eingeschlossen.

Erfasst, gesehen und in der Therapie berücksichtigt werden somit körperliche, emotionale, soziale, mentale und auch geistig-seelische Aspekte und Ressourcen. Damit wird im Idealfall der individuelle erkrankte Mensch und nicht eine Krankheit behandelt.

Ganzheitliches Denken fließt auch in die Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO von Gesundheit ein, nach der es heißt: Gesundheit ist ein "Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen".

Besondere Bedeutung bei sehr alten oder todkranken Menschen

In der ganzheitlichen Medizin sind in der Regel (je nach Therapeut unterschiedlich gewichtet) klassische Medizin, psychologische Verfahren und/oder auch Diagnostik und Therapieansätze aus anderen Kulturkreisen beheimatet, z.B.:

  • Ayurveda;
  • Traditionell chinesische Medizin;
  • Entspannungsverfahren;
  • Heilverfahren, die auf das Vorhandensein von Lebensenergie – auch Prana oder Qi genannt – aufbauen.

Sinnvollerweise sollte interdisziplinär gearbeitet werden. Ganzheitliche Konzepte entwickeln sich zur Zeit ganz besonders engagiert im noch relativ jungen Zweig der Palliativmedizin, der Geriatrie, der Psychosomatik und der Onkologie.

Schulmedizin öffnet sich nur langsam

Wissenschaftliche Untermauerung liefert an manchen Punkten die sogenannte Psychoneuroimmunologie: die Wissenschaft darüber, wie Psyche, Nervensystem und Immunsystem miteinander verbunden sind. Es gibt aber auch Bereiche, die sich derzeit unserer wissenschaftlich orientierten westlichen Medizin noch nicht erschließen (und daher von ihr auch vehement abgelehnt werden), die allerdings in anderen Kulturen über eine zum Teil Jahrtausende alte Erfahrungstradition verfügen.

Autorin: Dr. med. Barbara Scholtissek, Praxis Ganzheitliche Medizin / Psychosomatik / Psychoonkologie in München

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