Können Worte heilen?

Worte können berühren, Vertrauen schenken, trösten, klären, öffnen, beruhigen, entlasten, Verständnis zeigen, Sicherheit geben, aufmuntern. Und Worte können heilen. Sie können umgekehrt aufregen, beunruhigen, Stress erzeugen, Hoffnung nehmen, belasten, verwirren, einem sogar „die Luft abschnüren“ und das „Herz brechen“. Sie können krank machen.

Worte werden unterschätzt, Medikamente überschätzt

Worte und damit das einfühlsame Gespräch gehören zu einer der am meisten vernachlässigten Therapien. Es fehlt in den modernen ärztlichen Abläufen an Zeit, aber vor allem an Bewusstsein für das riesige therapeutische Potential. Die positive Kraft der Worte wird unterschätzt, die von Medikamenten überschätzt.

Das große Plus der Alternativmedizin

Nicht so in ganzheitlich oder alternativ ausgerichteten Praxen. Intensive Gespräche stehen hier immer im Kern aller Diagnostik und Behandlungen, viele Therapien wie beispielsweise psychologische/psychotherapeutische Verfahren, Bewusstseinsarbeit, Hypnotherapie und Entspannungsverfahren werden sogar ausschließlich über Worte vermittelt.

Auch wenn Apparate eingesetzt oder Globuli, Akupunktur, Pflanzenwirkstoffe oder spezielle Anwendungen verordnet werden, geschieht dies immer eingebettet in längere Gespräche. Der Patient fühlt sich gesehen, verstanden und in seinen Problemen ernst genommen. Er entspannt und gewinnt an Zuversicht, das Richtige für sich zu tun. Eine sehr gute Basis für den Heilerfolg, egal mit welchen Methoden.

Ein abgelenkter, gestresster Arzt kann schlechter heilen

Hinter allen Worten steht natürlich ein Inhalt. Und es kommt nicht nur darauf an, was genau gesagt, sondern auch wie es gesagt wird und was verborgen mitschwingt.

Hinter dem Wort steht somit auch immer derjenige, der es spricht. Ist der Therapeut desinteressiert, abgelenkt, unter Zeitdruck oder gefangen in Budgetaspekten, wird es ihm nicht gelingen, den Patienten wirklich zu erreichen. Ob bewusst oder unbewusst, der Patient wird sich im Gespräch nicht wohlfühlen und auch den Ratschlägen oder der Therapie nicht wirklich vertrauen.

Auch wenn die Schulmedizin es nicht gerne zugesteht: Der Geist, die Persönlichkeit und die Intention des Therapeuten ist neben dem Fachverstand maßgeblich für das Wohlbefinden des Patienten und den Therapieerfolg entscheidend. Und es ist eben doch eine Kunst, die richtigen Worte zu finden. Eine alte Säule der Heilkunst.

Autorin: Dr. med. Barbara Scholtissek, Praxis Ganzheitliche Medizin / Psychosomatik / Psychoonkologie in München

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