Wie finde ich die für mich richtige ganzheitliche Therapie?

Das ist tatsächlich nicht so einfach, gibt es ja nicht DIE ganzheitliche Therapie. Innerhalb der organbezogenen Schulmedizin ist es relativ klar, mit welchen Beschwerden man in welcher Facharztnische am besten aufgehoben ist, hier wird innerhalb der Ärzte meist nach Empfehlung, passendem Termin oder guter Erreichbarkeit ausgewählt.

In der ganzheitlichen Medizin ist es dagegen schwer sich zu orientieren: Zum einen gibt es dort nicht nur unterschiedliche ausübende Berufsgruppen, sondern angeboten werden auch eine große Vielzahl von zum Teil völlig verschiedenen Therapien.

Arzt? Heilpraktiker? Psychotherapeut?

So muss ich mich bei der Suche nach Ganzheitlichkeit beispielsweise schon innerhalb der klassisch anerkannten Heilberufe entscheiden, wo ich mich am besten aufgehoben fühle: Bei einem Arzt, einem Psychotherapeuten, einem Heilpraktiker oder einem „kleinen Heilpraktiker (für Psychotherapie)“. Ausbildungsstätte, Ausbildungszeit, Ausbildungsgrundlagen, Theorie, praktische Lernzeit, Prüfungsvoraussetzungen sowie Patientenerfahrung unterscheiden sich zwischen diesen Berufsgruppen grundlegend! Darüber sollte man sich im Klaren sein. Hinzu kommen noch sehr unterschiedliche, von den Therapeuten individuell gewählte Weiterbildungen. Zudem gibt es ganzheitlich arbeitende, mehrjährig ausgebildete und sehr gut qualifizierte Therapeuten, die nur auf Rezept eines Arztes tätig werden dürfen, z.B. Physiotherapeuten und Logopäden. Das alles kann eine Entscheidungshilfe sein.

Auf Qualifikation achten!

Ganz wichtig: Therapeut darf sich nur nennen, wer durch eine entsprechende Qualifikation dazu berechtigt ist. Da der Begriff „ganzheitliche Medizin“ oder „alternative Medizin“ nicht geschützt ist, finden sich in diesem Gesundheitssektor in einer riesigen Grauzone eine Vielzahl Anbieter ohne offiziell zugelassene therapeutische Qualifikation. Das schließt keineswegs aus, dass man sehr verantwortungsvoll begleitet und gestützt werden kann. Manch ein Patient findet gerade hier Zuversicht und Hoffnung, aber es ist schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Hinter tollen Praxisnamen und Diplomen verbergen sich oft nicht viel mehr als ein paar Selbsterfahrungskurse und ein dafür umso größeres Marketingkonzept. Und das kann dann für den Rat und Hilfe Suchenden nicht nur teuer sondern auch sehr gefährlich werden. Hier sollte man also genau hinschauen und hinterfragen.

Die wichtigen Fragen

Neben der Wahl des „Wo“ und „von wem“ kann auch eine Entscheidung über das „Was“ in die richtige Praxis führen. Da ist es wirklich gut, auf die „innere Stimme“ zu hören und sich Fragen zu stellen wie:

  • Welche Therapie gefällt mir vom Ansatz her?
  • Welcher Therapie traue ich zu, dass sie mir helfen kann?
  • Welche Therapie hat mich schon immer interessiert?
  • Habe ich zu einem speziellen Therapeuten ein besonderes Vertrauen, sodass ich ein gutes Gefühl habe, dass er mir eine für mich geeignete Therapie anbieten kann?
  • Was kann ich mir bei mir gut vorstellen? Was fühlt sich für mich gut an?
  • Welche Empfehlung (persönlich, Zeitschrift, Internet) hat mich besonders angesprochen und warum?
  • Was kommt sicher nicht in Frage? Warum?

Innere Stimme wichtiger als äußere Empfehlungen

Viel mehr als die Schulmedizin ist Ganzheitliche Medizin eine „Empfehlungsmedizin“, d.h. meistens hören oder lesen wir Gutes über eine Praxis oder eine Therapie und gehen dort hin, ohne lange zu suchen. Das kann ein sehr guter Einstieg in eine Behandlung sein. Es empfiehlt sich allerdings immer, nach den ersten Besuchen kritisch zu prüfen, ob Praxis, Therapeut und Behandlung wirklich stimmig für mich sind, denn die ganzheitliche Therapie ist so individuell wie ich. Was für meine Nachbarin oder den Gesprächspartner im Chat gut war, muss für mich noch lange nicht passen und richtig sein.

Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl und scheuen Sie sich nicht, gegebenenfalls Behandler und/oder Therapie zu wechseln. Ihr Körper glaubt das, was er tief im Inneren fühlt und reagiert darauf, und daher ist Vertrauen ein wesentlicher Grundstein für den Therapieerfolg, gerade in der Ganzheitlichen Medizin.

Autorin: Dr. med. Barbara Scholtissek, Praxis Ganzheitliche Medizin / Psychosomatik / Psychoonkologie in München

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