Was sollte man medizinisch über Piercings wissen?

Auch wenn Piercings seit einigen Jahren einen kräftigen Boom erleben und wie ein aktueller Trend erscheinen – das Tragen von Schmucksteinen und Ringen in eigens dafür perforierten Körperstellen ist fast so alt wie die Menschheit. Und auch in vielen Kulturen rund um den Globus sind diverse derartige Körperdekorationen etabliert – vom nahezu weltweit praktizierten Ohrläppchen-Stechen ganz zu schweigen. Nase, Zunge, Lippe, Ohrmuschel, Augenbraue, Brustwarze, Bauchnabel, Intimbereich... kaum eine Region, die nicht ihre Anhänger fände.

Hygiene ist das A und O

Um aber gesundheitliche Risiken und ästhetische Nachteile zu vermeiden, sollten einige Aspekte berücksichtigt werden. Vor allem die Hygiene beim Stechen und in der Nachsorge spielt eine entscheidende Rolle: Da moderne sogenannte Piercing-Pistolen schwer zu sterilisieren sind, sollte man hier beispielsweise lieber ganz traditionell Hohlnadeln verwenden. In den ersten Wochen bieten sich zur Körperpflege antibakterielle Seifen an, wohingegen Alkohol die Schutzfunktion der Haut eher schwächt.

Rückstände auf dem Schmuck können vorsichtig mit Salzwasser entfernt werden. Anfänglich sollten auch Gegenstände, die potentiell mit der gepiercten Stelle in Kontakt kommen – Brillen, Telefonhörer etc. – mit Alkohol oder Desinfektionstüchern gereinigt werden.

Nicht alle Materialien und Körperstellen geeignet

Bei der Materialwahl sollte man auf möglichst edle Metalle (Gold, Silber, Titan, Chirurgen-Stahl) setzen und auf Kunststoffe sowie billige Legierungen – vor allem aus Nickel – lieber verzichten. Auch die Körperstelle sollte sorgfältig ausgesucht werden: So gibt es mit Piercings in knorpeligen Partien deutlich mehr Probleme als in Haut oder Schleimhaut.

Probleme nicht als Lappalie abtun!

Vor allem gilt: Wenn irgendwelche Symptome auftauchen, nicht zögern, sondern im Zweifel lieber einen Arzt aufsuchen – insbesondere bei Schwellungen, Nachblutungen, Schmerzen, Wundheilungsstörungen oder allergischer Reaktion. Manch juckende Rötung kann sich auch schnell zu einer handfesten Infektion ausbreiten, die dann oft nur noch mit Breitband-Antibiotika oder operativen Maßnahmen beherrschbar ist.

Gerade Diabetiker und Menschen mit sonstigen immunologischen Erkrankungen sind besonders häufig von Komplikationen rund um das Piercen betroffen.

Auch spätere Risiken beachten

Und auch lange nach der Abheilung der durchstochenen Körperstellen können noch Schwierigkeiten auftreten: So beispielsweise durch Abriss des Schmuckteils samt Hautstück durchs Hängenbleiben an Kleidung oder beim Sport.

Oder auch durch das Einwachsen von Schmuckteilen (was man beim Zungen-Piercing heute häufig mithilfe eines extralangen Platzhaltestifts zu vermeiden versucht).
Bei Piercings im Mund bestehen darüber hinaus weitere mögliche Besonderheiten: Gefahr des Verschluckens oder (schlimmer) des Einatmens von Kleinteilen, vermehrter Speichelfluss, Geschmacksstörungen, Taubheitsgefühl oder ggf. chemische Reaktionen mit Zahnfüllungen.

Keloide sind schwer beherrschbar

Darüber hinaus neigen viele Menschen auch zu Narbenwucherungen (sogenannten Keloiden), die sich oft erst im Laufe der Zeit ausbilden. Diese sind nicht nur unschön, sondern meist schwer zu behandelt. Auch hier ist ein frühzeitiges Erkennen vorteilhaft.

Aber trotz aller potentiellen Gefahren: Wer sich schon beim Durchstechen in fachmännische Hände begibt, die Hygiene-Tipps beachtet und auch später mögliche Risiken im Auge behält, darf und sollte seinen besonderen Schmuck natürlich auch vorbehaltlos genießen!

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

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