Was sollte man zum Thema Haartransplantation wissen?

Wer als Mann unter seinem Haarverlust leidet, kann mit einer Haartransplantation versuchen, die lichten Stellen wieder auffüllen zu lassen. Die besten Ergebnisse werden meist bei isolierter Wirbellichtung erzielt, also bei kahlen rundlichen Stellen, typischerweise gelegen im hinteren Scheitelbereich.

Aber auch bei Geheimratsecken oder fortgeschrittener Glatzenbildung sind oft gute Resultate möglich – häufig so gut, dass selbst Fachleute sehr genau hinsehen müssten, um eine stattgefundene Haartransplantation (HA) festzustellen.

30. Lebensjahr abwarten

Essentiell sind Erfahrung und Geschick des Schönheitschirurgen. Zu beachten ist insbesondere eine natürlich aussehende männliche Haarlinie, eine exakte Schnitttiefe der entnommenen Haare sowie die richtige Wuchsrichtung der an neuer Stelle wieder eingesetzten Haare. Auch das Alter spielt eine wichtige Rolle. Experten raten Männern meist, eine gewisse Stabilität des Haarstatus abzuwarten und eine Transplantation erst nach dem 30. Lebensjahr ins Auge zu fassen. Man möchte damit ein unnatürlich-skurriles Aussehen vermeiden, welches eintreten könnte, wenn es zum schnellen Fortschreiten des Haarverlusts hinter den transplantierten, weitgehend stabilen Haarstellen kommt. Bei aufgefüllten Geheimratsecken beispielsweise könnten dann zwei unschöne „Hörnchen“ stehenbleiben, während sich die umliegende Haarlinie weiter zurückzieht.

Haarkranz spendet stabilen Neuwuchs

Die Transplantation selbst beruht auf dem Prinzip, dass es Kopfhaare gibt, die auf bestimmte männliche Geschlechtshormone langfristig sensibel mit Haarausfall reagieren und wiederum andere, die gegen diese Androgene resistent sind. Der hintere Haarkranz, der auch bei den meisten sehr alten und glatzköpfigen Männern stehen bleibt, gehört zu letzterer Kategorie und wird deshalb gern als Donor (also Spenderregion) verwendet.

Bei dem Eingriff werden sogenannte Follikelunits – kleine Einheiten von 1- 4 Haaren – aus dem hinteren Kopfbereich entfernt und Stück für Stück an die lichten Zielstellen verpflanzt. Dabei werden mit einem Skalpell kleinste Einschnitte in die Kopfhaut geritzt und die Haareinheiten mit einer Pinzette darin versenkt – ähnlich dem Pflanzen einer Blumenzwiebel.

Zwei Methoden stehen zur Wahl

Die Entnahme der im internationalen Fachjargon auch micrografts genannten Haareinheiten kann auf zwei Arten erfolgen: Entweder wird an einer vom Haupthaar später verdeckten Stelle ein etwa 1 - 2 cm breiter Streifen entnommen und unter dem Mikroskop in Follikeleinheiten zerlegt. Oder aber, es werden mit einer dünnen Hohlnadel gleich nur kleinste Haarmengen aus dem Donorbereich gestanzt.

Erstere Methode hat den Vorteil, dass direkt eine höhere Anzahl an Haarfollikeln übertragen werden kann. Außerdem hat jedes Haar eine größere Überlebenswahrscheinlichkeit, weil der die Wurzeln schützend umgebende, verbleibende Gewebeanteil etwas großzügiger bemessen wurde. Der größte Vorteil des Stanzverfahrens ist wiederum, dass die Entnahmestellen winzig klein und die späteren Narben damit nahezu unsichtbar sind.

Nicht zu viel erwarten!

Bis auf harmlose und kurzzeitige Beschwerden wie Brennen, Rötung oder oberflächliche Wundinfektion gilt eine Haartransplantation heute als weitgehend gefahrlos. Das größte Risiko ist wahrscheinlich die Enttäuschung, dass man nach dem Eingriff nicht bzw. nicht gleich eine üppige Haarpracht sein eigen nennen kann. Zum einen unterschätzt man oft, wie viele Haare für eine ansehnliche Dichte eigentlich nötig sind und, dass man häufig mehrere Sitzungen braucht, um einen auch nur annähernd bedeckenden Schopf zu erhalten.

Nach der Haartransplantation heißt's erst mal: Warten

Zum anderen muss man sich auch nach dem Eingriff in Geduld üben. Die erfolgreich verpflanzten Haare fallen nämlich nach 3 - 4 Wochen zunächst erst mal wieder aus! Dieses auch shock loss genannte Phänomen ist ganz normal und keineswegs ein Kunstfehler. Erst nach 2 - 3 Monaten beginnt langsam der dann permanente Neuwuchs der transplantierten Haarfollikel. Nach 8 - 12 Monaten sieht man dann das endgültige Ergebnis und im Erfolgsfall einen befriedigend behaarten Kopf. Frühestens ein Jahr nach der Prozedur kann man dann entscheiden, ob das Resultat ausreichend ist oder, ob man weitere Transplantationen anschließen möchte.

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

Anzeigen