Was sollte ich zum Thema Toupet wissen?

Eine weitere Möglichkeit einer Halb- oder Stirnglatze quasi „die Stirn zu bieten“, ist das Tragen eines Toupets. Manch einem mögen da klamaukige Filmszenen von unpassenden und verrutschten Haarteilen in den Sinn kommen – mit modernen, gutsitzenden Maßanfertigungen haben diese alten Klischees meist nichts gemein.

Heutzutage sind Toupets – der Terminus kommt übrigens vom französischen toup, also Haarbüschel – kaum von echter Haarpracht zu unterscheiden. Es wird genau darauf geachtet, dass das neue Haar in Farbe und Struktur dem Resthaar entspricht und sich optisch somit optimal einpasst. Wo früher nur das Tragen einer fast statischen Betonfrisur möglich war, kann man sich mit hochwertigen Toupets heute nach Herzenslust gelen und frisieren, ohne sich gleich zu „outen“.

Natürlich fallend UND strapazierfähig

Wind und Regen hält ein korrekt angelegtes Haarteil ebenso aus wie Sport, Schwimmen oder einen Kopfsprung ins Wasser. Man kann ein Qualitäts-Toupet ohne Probleme längere Zeit am Stück tragen, allerdings empfehlen viele Hersteller, das gelegentliche oder auch regelmäßige Pausieren – so beispielsweise beim Schlafen, um vor allem Kunsthaar möglichst vor Druck zu schützen. Auch bei sehr schweißtreibenden Sportarten wie Joggen wird aus hygienischen Gründen die vorhergehende Abnahme oder zumindest eine nachfolgende Toupet-Wäsche angeraten.

Beim Toupet ist sicherer Halt das A und O

Man kann ein Toupet jederzeit unkompliziert an- und absetzen – vergleichbar mit einer Brille. In Form gehalten wird es mithilfe von hautfreundlichem doppelseitigem Klebeband oder speziellem Kleber. Für sehr empfindlicher Kopfhaut gibt es auch hypoallergene Klebestreifen. Man sollte die Verklebung alle zwei Tage erneuern, um ausreichenden Halt sicherzustellen. Auch das restlose Entfernen eventueller Kleberückstände unter der Dusche – ggf. mithilfe gängiger Wasch-Peelings – ist wichtig. Für besonders starken Sitz in Extremsituationen wird im Perücken- und Toupet-Fachhandel bei Bedarf zusätzlich eine Art Versiegelungslotion angeboten – in der Regel ist diese aber entbehrlich.

Fast so individuell wie ein Fingerabdruck

Bei der Fertigung eines individuell angepassten Toupets wird vorab ein Gipsabdruck des Kopfes gemacht und anschließend eine Art exakt passendes feines Netz erstellt. In dieses werden nun Tausende – zuvor in Form und Farbe sorgfältig ausgewählte – Haare eingeflochten. Man hat die Wahl zwischen Kunst- und Echthaar, wobei beide Arten in diversen Qualitäten und Dicken angeboten werden. In jedem Fall sollte man ein Toupet nicht „von der Stange“ kaufen, sondern ein spezialisiertes Fachgeschäft aufsuchen.

Viele Vorteile, ein entscheidender Nachteil

Die Entscheidung für ein Toupet hat den Vorteil einer recht schnellen Lösung mit weitgehend sicherem Ergebnis und vernachlässigbaren gesundheitlichen Risiken – wenn man seltene Hautreaktionen mit dem Klebstoff schon einschließt. Nachteilig ist die Kostenintensität, denn ein gutgemachtes, feines Haarteil ist meist nicht für unter 1.000 - 1.500 Euro zu bekommen und muss zudem nach etwa einem Jahr ausgetauscht werden – alles selbstverständlich aus eigener Tasche.

Den größten Nachteil sehen Toupet-Träger aber oft in der Notwendigkeit, dass die restlichen Haare an den lichten Stellen auch noch abrasiert oder zumindest stoppelkurz gestutzt werden müssen. Der Grund liegt darin, dass der Kleber nur auf einer entsprechend ebenen Kopffläche wirklich gut hält. Das Trimmen der sowieso schon haararmen Stellen verstärkt den Kontrast zwischen dem natürlichen Look und dem Aussehen mit Toupet. Damit limitiert man eventuell seine Flexibilität und ist optisch bis auf weiteres aufs Toupet-Tragen festgelegt. Hier muss man einfach seine Prioritäten und Bedürfnisse gewichten und sich hinsichtlich der individuellen Haarsituation am besten von einem Fachmann beraten lassen.

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

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