Gibt es wirksame Medikamente gegen den Haarverlust des Mannes?

Der Verlust an Kopfhaar stellt für sehr viele betroffene Männer ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Problem dar. Kein Wunder, dass der Markt reagiert und gegen die androgenetische Alopezie – so der Fachbegriff – weltweit eine Vielzahl an vermeintlich hilfreichen Haarwässerchen und Pillen anbietet.

Die meisten bringen nachgewiesenermaßen nichts – außer vielleicht eine wohltuende Kopfmassage beim Einreiben. In der Regel kann man sich Geld, Zeit und vage Hoffnungen da auch sparen.

Allerdings gibt es auch zwei Arzneistoffe, deren Wirkung in mehreren wissenschaftlichen Studien tatsächlich bestätigt wurde und die somit – bei entsprechendem Leidensdruck – eventuell einen Versuch wert sein könnten.

1. Finasterid als Tablette (z.B. Propecia):

Der Wirkstoff hemmt ein bestimmtes Enzym im Körper und senkt somit die Blutkonzentration von Dihydrotestosteron, einem hormonellen Zwischenprodukt, welches schon lange als Hauptursache für die androgenetische Alopezie bekannt ist. Laut Hersteller ist Finasterid besonders für Haarausfall am Hinterkopf und in der Kopfmitte geeignet, weniger für den vorderen Haaransatz oder die Seitenregion.

2. Minoxidil in Form einer Lösung bzw. eines Schaums (z.B. Regaine)

Der Wirkansatz von Minoxidil am Haarfollikel ist nicht eindeutig geklärt. Unter anderem erhöht offenbar ein bestimmter Wachstumsfaktor die Durchblutung an der Haarpapille und wirkt fördernd auf den Haarbestand. Besonders effektiv ist das Mittel laut Hersteller bei beginnendem Haarverlust an schmalen Stellen, also z.B. den Geheimratsecken.

Finasterid und Minoxidil zeigen sich beim Haarverlust des Mannes gleichermaßen wirksam. In bis zu 80% der Fälle kann laut Untersuchung ein weiterer Ausfall von Kopfhaar mehr oder weniger gestoppt werden. Bei fast jedem zweiten Anwender kommt es sogar zu einer erneuten leichten Haarverdichtung.

Nach einigen Monaten tut sich was

Bei Männern, die Minoxidil nehmen, sind erste Ergebnisse häufig nach 3 Monaten, die volle Wirkung oft nach 6-12 Monaten erkennbar. Bei Anwendern von Finasterid dauert es bis zur maximalen Verdichtung bis zu 2 Jahre – erste Effekte sind aber auch bereits nach 4-6 Monaten sichtbar. In Langzeitstudien erwiesen sich beide Arzneistoffe als sicher und nebenwirkungsarm – zumindest bei relativ gesunden Männern, die keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten befürchten müssen. Allerdings kann in manchen Fällen Libidoverlust eintreten und auch die Qualität der Samenflüssigkeit kann in Einzelfällen leiden. Ein sorgfältiges Vorab-Gespräch beim Arzt ist in jedem Fall empfehlenswert – selbst bei der rezeptfrei verkäuflichen Minoxidil-Lösung.

Nach dem Absetzen droht Haarverlust

Achtung: Beide Medikamente sind auf eine potentiell lebenslange Einnahme ausgelegt. Sobald sie abgesetzt werden, gehen alle Haare, die durch die Therapie gewachsen sind bzw. erhalten blieben, kontinuierlich wieder verloren. Bei manchen Männern geht dann auch mehr Haar verloren, als es ohne jegliche Therapie der Fall gewesen wäre – das muss man bedenken! Wenn der Haarverlust generell bereits weit fortgeschritten ist, nützen in der Regel auch die oben genannten Medikamente wenig. Hier kann bei Bedarf meist nur noch eine Haartransplantation helfen.

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

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