Segelohren: Was sollte man zum Thema Ohrenanlegen wissen?

Bei der Ohrenanlegeplastik (auch Otopexie genannt) handelt es sich um eine rein kosmetische Operation. Das Hörvermögen ist nämlich auch bei stark abstehenden oder verformten Ohren in der Regel nicht eingeschränkt.

Segelohren, wie umgangssprachlich oft genannt, sind einfach eine vererbbare Variante der Natur. Sie begründen sich in der Ausbildung einer überdurchschnittlich großen Ohrmuschelhöhle, der verminderten Entwicklung der sogenannten Anthelixfalte im Ohrknorpel oder aber im Abstehen der Ohrläppchen.

„Segelohren“ sind medizinisch klar definiert

Die Medizin definiert abstehende Ohren mithilfe von folgenden Winkelgraden und Millimeterangaben: Wenn zwischen der Ebene der Ohrmuschel und dem Schädel ein mehr als 30 Gradwinkel besteht bzw. wenn zwischen dem sogenannten Mastoid am Kopf und einem von drei Messpunkten an der Ohraußenkante (oben, unten, mittig) ein mehr als 18 mm großer Abstand vorliegt.

Längst nicht immer muss ein Problem vorliegen

Allerdings kann ganz unabhängig von objektiven Messungen bei manchen Menschen eine kleinere Abweichung schon zum großen ästhetischen Problem werden, während für andere auch deutlich abstehende Ohren keinerlei Makel bedeuten. Man sollte also gerade bei Kindern sehr sensibel sein und hier keine unnötigen Minderwertigkeitskomplexe schüren. Nur wenn Jungen oder Mädchen beispielsweise häufig unter Hänseleien leiden und selbst den Wunsch nach einer anderen Ohrform äußern, sollte man das Thema offensiv ansprechen und eventuell auch angehen.

Vorschulalter ist guter Zeitpunkt für Ohrenanlegen

Falls ein Kind schon frühzeitig Probleme mit seinem Aussehen hat, sollte man andererseits aber auch nicht zu lange mit einem Eingriff warten: im Vorschulalter beispielsweise ist das Ohr schon großteils ausgewachsen, der Knorpel aber noch weich und formbar, sodass hier weniger Schwierigkeiten mit der Narbenbildung zu erwarten sind. Ein besonders guter Zeitpunkt für einen OP-Termin also – und zwar nicht nur medizinisch, sondern auch psychologisch, da durch den Übergang zur Grundschule das soziale Umfeld oft wechselt und die Ohr-Korrektur dann meist kein Thema mehr ist.

Auch das nach der OP notwendige Tragen eines Ohrverbandes für eine Woche und das dreiwöchige Anlegen eines Stirnbandes kann so noch in die letzte Kita-Zeit oder die Ferien vor der Einschulung fallen – und ist danach meist vergessen.

Die Kosten werden bei Kindern bis zum 12. Lebensjahr übrigens meist von den Kassen übernommen. Später müssen die bis zu 2.000 Euro Kosten meist selbst übernommen werden.

Otoplastik gilt als risikoarm, aber...

Die Operation selbst gilt heute als Routine-Eingriff und wird meist ambulant – bei Kindern aber meist in Vollnarkose – durchgeführt. Es gibt verschiedene Methoden (Schnitt-, Ritz- und Nahttechnik), wobei die sanfte Nahttechnik von den Ärzten heute in aller Regel bevorzugt wird. Die Operation dauert etwa 1 - 1,5 Stunden und birgt in der Regel nur geringfügige und gut beherrschbare Risiken wie Wundinfektion, kleine Einblutungen oder kurzzeitige Schmerzen. Sechs Wochen gilt danach Schonzeit: Hier sollte auf Sport und bei Kindern möglichst auch aufs Toben, Tollen und Raufen verzichtet werden!

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass eine völlige Symmetrie beider Ohren auch bei optimalem OP-Verlauf nicht in jedem Fall erreicht werden kann. Wenn eine familiäre Neigung zu Narbenwucherung (Kelloiden) besteht, muss man das mit dem Arzt besprechen und das Pro und Kontra einer Operation besonders sorgfältig abwägen. Auch können die einzelnen Techniken noch spezielle Risiken bergen, über die man aufgeklärt sein muss.

Ohrenanlegen bei Babys noch ohne Operation möglich!

Wie in einem gesonderten Artikel beschrieben, ist das Ohrenanlegen bei Babys mithilfe eines Verbandes noch ganz ohne Operation und damit risikolos und besonders sanft möglich. Wer also selbst Segelohren hat/hatte und seinem Kind Hänseleien UND eine spätere OP ersparen möchte, sollte sich ggf. schon vor dem Entbindungstermin bei Kinderärzten oder HNO-Ambulanzen erkundigen und vorstellen.

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

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