Segelohren: Können abstehende Ohren beim Baby noch ohne OP korrigiert werden?

Klare und möglicherweise überraschende Antwort: Ja, meist ist eine Ohrkorrektur in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt noch ganz ohne Operation möglich. Das gilt sowohl für abstehende Ohren als auch für diverse andere Ohr-Deformationen.

Der Grund für diese Tatsache ist, dass vor allem in den ersten 72 Stunden nach der Entbindung noch jede Menge mütterliches Östrogen im kindlichen Körper zirkuliert. Dieses Hormon wirkt sich auch auf die Geschmeidigkeit und Formbarkeit des Ohrknorpels aus.

Je eher, desto besser

Nach etwa drei Tagen nimmt der Östrogengehalt kontinuierlich ab und die Ohrmuschel des Babys wird zunehmend fester. Für eine sanfte Korrektur halten Experten die ersten drei Lebenswochen für optimal. Je früher begonnen wird, umso besser – und umso schneller ist die Prozedur dann auch erfolgreich abgeschlossen. Wenn dieses Zeitfenster geschlossen ist und erst später eine Angleichung erwogen wird, muss das in der Regel operativ erfolgen.

Kleine Pflaster, große Wirkung

Dabei ist die Korrektur verformter oder abstehender Ohrmuscheln in der Neugeborenenzeit mithilfe von Pflastern oder kleinen Bandagen sehr einfach: Die Haut rund ums Ohr muss zum besseren Halt zunächst von der Käseschmiere entfettet werden. Anschließend fixiert der Arzt z.B. mit sogenannten Steri-Strips die Ohrmuschel in der richtigen Position und Zugrichtung. Da eine anfänglich leichte Überkorrektur für das spätere Ergebnis besonders günstig ist, wird zur leichten Überstreckung meist zusätzlich noch eine kleine Watterolle hinter dem Ohr verklebt.

In der Regel hält der Verband eine Woche und er kann im weiteren Verlauf auch von den vorher geschulten Eltern gewechselt werden. Nach einiger Zeit brauchen die Pflaster dann nicht mehr angelegt zu werden und die Ohren haben im Idealfall eine ästhetische Form erreicht.

Anliegen frühzeitig ansprechen

Gibt es in der Familie eine Neigung zu abstehenden Ohren (Segelohren) und man möchte seinem Kind diese kleine Besonderheit unkompliziert ersparen, sollten die werdenden Eltern schon in der Schwangerschaft aktiv werden: Da die Entbindungsstationen nicht notwendigerweise auf diese schonende Behandlungsmöglichkeit hinweisen, wäre es ratsam, sich frühzeitig zu erkundigen, welcher Kinderarzt, HNO-Spezialist oder (plastische) Chirurg hier helfen kann.

Um auch für unerwartet längere Aufenthalte (wie beispielsweise nach Kaiserschnitt nötig) gerüstet zu sein, wäre es am besten, eine Geburtsklinik mit angegliederter Kinderklinik zu wählen. Dort kann man die zuständigen Pädiater noch vor dem Entbindungstermin anzusprechen und – für den Fall, dass das Baby tatsächlich mit behandlungsbedürftigen Ohren auf die Welt kommt – gleich zur Tat schreiten.

Nicht abwimmeln lassen

Vor allem sollte man ruhig hartnäckig sein. Das Ohrenanlegen durch Bandagieren wird schon seit „Urzeiten“ erfolgreich praktiziert. Nur gerade in der modernen Medizin ist dieses alte Wissen etwas in Vergessenheit geraten – nur um jetzt erst wieder in Expertenkreisen wiederentdeckt zu werden. Manch ein Arzt wird Ihre Anfrage deshalb möglicherweise als nicht erfolgversprechend abtun. Da hilft nur dranbleiben und weitersuchen!

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

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