Was hat es mit der Fett-weg-Spritze auf sich?

Die Entwicklung von ästhetischen Behandlungen, die die Körperkontur optimieren, schreitet in schnellem Tempo voran – nicht zuletzt aufgrund einer rasanten Nachfrage. Bei kleinen Problemzonen geht der Trend dabei eindeutig hin zu sanften und minimal-invasiven Verfahren, also solchen, die möglichst ohne OP und größere Hauteinschnitte auskommen. Auf dem Gebiet der Fettreduktion kann man die sogenannte Fett-weg-Spritze als eine solche neuartige Weiterentwicklung bezeichnen.

Der fachliche Name ist Injektionslipolyse, also eine Methode, bei welcher durch das Spritzen eines speziellen Medikaments der Fettabbau innerhalb eines umschriebenen Körpergebiets aktiviert wird.

Fettabbau durch Soja

Der Wirkstoff hierbei heißt Phosphatidylcholin (PPC), wird aus der Sojabohne gewonnen und in der Medizin bereits seit vielen Jahrzehnten zur Senkung von Blutfettwerten und Therapie der Leberverfettung genutzt – sehr erfolgreich und fast nebenwirkungsfrei. Die Fähigkeit dieses Sojalecithins zur Fettauflösung erwies sich nun auch in der ästhetisch-plastischen Medizin als vielversprechend – gerade bei kleineren Fettdepots und ausgewählten Regionen wie

  • Doppelkinn
  • Hängebacken
  • Tränensäcken
  • Oberschenkelinnenseiten
  • Reiterhosen etc.

Auch hat sich die Injektionslipolyse da etabliert, wo nach klassischen und größerflächigen Fettabsaugungen noch Feinkorrekturen nötig sind.

Injektionslipolyse: langsam, aber kontinuierlich

Die Behandlung selbst dauert je nach Körperregion 10-30 Minuten und wird ambulant durchgeführt. Das Medikament wird dabei mit einer feinen Nadel direkt in den unerwünschten Fettwulst gespritzt, wobei die Injektionsstelle bei sehr schmerzempfindlichen Patienten auch mit einer Narkosecreme vorbehandelt werden kann. Ab diesem Moment beginnt die Auflösung der umschriebenen Fettzellen und deren Abtransport über Lymphbahnen und Leber. Die Verstoffwechslung des Fettgewebes ist ein Prozess, der pro Injektion etwa 8 Wochen in Anspruch nimmt. Um einen relevanten Effekt zu erreichen sind meist 2-4 Sitzungen nötig, sodass sich die gesamte Behandlungsdauer in der Regel über mehrere Monate hinzieht. Innerhalb dieses Zeitraums verschlankt sich die Problemzone im Optimalfall langsam, aber kontinuierlich.

Verführerisch günstig

Da abgebaute Fettzellen im Erwachsenenalter nicht mehr nachwachsen, gilt das Ergebnis in der Regel als dauerhaft. Die Kosten pro Injektionstermin liegen bei etwa 100-150 Euro. Trotz oder gerade wegen des verhältnismäßig günstigen Preises sollte man in einem vorangehenden Arztgespräch die Erfolgsaussichten im individuellen Fall offen besprechen: Eine konventionelle Liposuktion größerer Fettmengen oder gar eine generelle Gewichtsreduktion kann die „Fett-weg-Spritze“ nämlich nicht ersetzen.

Fett-weg-Spritze gehört in erfahrene Ärztehand

Da das Medikament nicht explizit für die ästhetisch-kosmetische Fettreduktion entwickelt und wissenschaftlich geprüft wurde, sprechen Mediziner hier vom sogenannten „off-label use“: die offizielle Absegnung durch Studien für diese Anwendungsform steht also noch aus. Da man aber in der Praxis seit Jahren gute Erfahrungen damit gemacht hat, gilt das Verfahren in Fachkreisen als weitgehend erprobt, effektiv und sicher. Die einzigen nennenswerten Nebenwirkungen sind offenbar kurzfristige Schwellungen, Blutergüsse und muskelkaterähnliche Schmerzen.

Trotzdem gehört die Behandlung in jedem Fall in die Hände eines erfahrenen Facharztes. Auch wichtig: Wenn man sich für die „Fett-weg-Spritze“ entscheidet, sollte man vorher sicherstellen, dass man keine Soja-Allergie hat! Auch bei Blutgerinnungsstörungen, Autoimmunerkrankungen und einer eventuell bestehenden Schwangerschaft ist die Anwendung der Injektionslipolyse nicht erlaubt.

Autorin: Dr. med. Monika Steiner

Anzeigen