Fettabsaugung: Was versteht man unter Tumeszenz-Liposuktion?

Viele Jahre lang zeichnete sich eine Fettabsaugung – auch Liposuktion genannt – dadurch aus, dass der Chirurg mit einer rund 1 cm breiten Kanüle unmittelbar relativ festes Gewebe heraussaugte. Da dieses selbst bei erfahrenen Fachärzten nicht immer ganz gleichmäßig geschehen konnte, kam es oft zu Dellen und leichten Asymmetrien.

Mittlerweile gilt diese „trockene“ Art des Absaugens – auch aufgrund anderer Risiken wie vermehrter Blutungsgefahr – nicht nur als überholt, sondern sogar als Kunstfehler.

Festes Fettgewebe wird zu weicher Masse

Als klassische Methode zur Fettabsaugung wird heute die sogenannte Vibrations-Liposuktion mithilfe eines stark verdünnten Tumeszenz-Lokalanästhetikums (TLA) gesehen. Hierbei injiziert der Schönheits-Chirurg vor dem Eingriff eine stark verdünnte Betäubungslösung direkt in die zu behandelnden und vorab markierten Körperstellen. Diese Mischung besteht aus Kochsalzlösung, gefäßverengenden Arzneimitteln und einem Lokalanästhetikum, also einem Narkosemittel, welches hier vor allem der Schmerzlinderung dient. Häufig wird auch etwas Kortison zur Infektionsprophylaxe sowie Natriumbikarbonat zur besseren Verteilung im Gewebe beigefügt. Die immerhin 3-6 Liter eingeflößter Flüssigkeit lassen die Problemzonen bei dieser Tumeszenz-Methode kurzzeitig aufquellen (lateinisch tumescere = anschwellen) und führen dazu, dass sich die Fettzellen leichter aus dem Gewebe herauslösen.

Vibrationen unterstützen Regeneration

Nach einer mindestens halbstündigen Einwirkzeit wird das überschüssige Fett mithilfe einer nur etwa 3mm weiten Vibrationskanüle sanft gelockert und abgesaugt. Die sachten Schwingungen der Kanüle lösen auch schwer zugängliche Fettpolster und haben durch die stimulierende Wirkung auch einen positiven Effekt auf die anschließende Heilung und Hautstraffung. Die vorangegangene Verflüssigung des Fettgewebes mittels Tumeszenz und die ultrafeinen Bewegungen der Absaugkanülen sind besonders schonend für die ins Bindegewebe eingebetteten Nerven und Blutgefäße, weshalb Fachleute diese Art der Fettabsaugung gerne und häufig anwenden. Die kurzen Zugangsstellen für die Kanülen verheilen in der Regel nach einigen Wochen zu unauffälligen hellen Linien – völlig unsichtbar sind sie allerdings meist nicht.

Optimale Modellierung durch lokale Narkose

Durch die Betäubungslösung kann in der Regel auf eine Vollnarkose verzichtet werden. Neben dem Wegfall der allgemeinen Narkoserisiken ergibt sich aus der erhaltenen Körperspannung und der potentiellen Beweglichkeit des wachen Patienten auch eine effektive Kontrolle des ästhetischen Ergebnisses schon während des Eingriffs. Ein atmungsaktives Stützmieder gibt der neuen Silhouette in den ersten Wochen nach der OP zusätzlichen Halt und formt die Körperkontur optimal aus. Arbeitsfähig ist man meist schon nach wenigen Tagen, mit Sport sollte man sich – je nach Bewegungsart und behandelter Körperzone – unbedingt noch mehrere Wochen Zeit lassen.

Dauerhaft schlank durch Fettabsaugung?

Schönheits-Chirurg betonen übrigens gerne, dass das Ergebnis einer Fettabsaugung dauerhaft ist. Das ist insofern richtig, als dass die Zahl der Fettzellen nach Abschluss der Wachstumsphase tatsächlich konstant ist und sich einmal abgesaugte Depots nicht neu bilden. Trotzdem ist auch nach einer Fettabsaugung eine weitgehend gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und Sport anzuraten, da sich sonst eventuell Problemzonen an anderen Körperstellen oder eine ungewünschte Erhöhung des Gesamtgewichts ergeben.

Autorin: Dr.med. Monika Steienr

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