Hormonersatztherapie: Frauen unzureichend aufgeklärt
In Deutschland werden Frauen nur äußerst unzureichend von ihren Ärzten über die Risiken der Hormonersatztherapie gegen Wechseljahresbeschwerden aufgeklärt. Dies ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Hamburger Magazins "Stern" und des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung.
Hintergrund der Umfrage: Vor rund einem Jahr musste in den USA ein Teil der sogenannten WHI-Studie (Women's Health Initiative) abgebrochen werden, weil sich gezeigt hatte, dass bei den Probandinnen das Risiko für Brustkrebs, Herzinfarkt, Schlaganfall und Thrombosen deutlich erhöht war. 4,6 Millionen Frauen in Deutschland, die zu diesem Zeitpunkt Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden einnahmen, mussten sich fragen, ob sie die Pillen weiter nehmen oder lieber darauf verzichten sollten.
Jede zweite Frau nicht ausreichend von ihrem Arzt über Risiken informiert
Die aktuelle Umfrage zeigt erstmals auf breiter Basis, wie die Frauen auf die Hiobsbotschaft aus den USA reagiert haben - und wie sie von ihren Ärzten beraten wurden.
Forsa befragte 6.008 Frauen zwischen 45 und 60 Jahren. 35% von ihnen hatten bereits Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden genommen. Von diesen gaben wiederum 63% an, niemals von ihren Ärzten über Risiken wie Herzinfarkt und Schlaganfall bei der Hormonersatztherapie aufgeklärt worden zu sein. 53% sagten, ihr Arzt habe sie nicht über das Thromboserisiko informiert, 46% gaben an, nicht einmal über das längst bekannte Brustkrebsrisiko aufgeklärt worden zu sein.
Und viele, die informiert wurden, handelten nicht danach
Die meisten Frauen, die eine Hormonersatztherapie bekamen, blieben trotz aller Risiken dabei. 30% beendeten ihre Therapie nach dem Abbruch der WHI-Studie. Jedoch nur 18% von ihnen taten dies auf den Rat ihres Arztes hin.
Die Gynäkologin Martina Dören, Professorin für Frauengesundheit an der Berliner Charité und wissenschaftliche Beraterin der Umfrage, findet die Ergebnisse "erschreckend". Sie zeigten, dass die Kommunikation zwischen den Frauen und den Ärzten äußerst mangelhaft sei. Dören: "Viele wurden entweder gar nicht über die Risiken der Hormonersatztherapie informiert - oder nicht so, dass es wirklich bei ihnen angekommen wäre."
WANC 29.08.03

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