Fettleibigkeit: Immer schädlich für das Herz

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Adipositas schadet der Gesundheit. Und vor allem erhöht es das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wissenschaftler haben bisher aber behauptet, dass die Fettverteilung bei dem Maß des Risikos eine Rolle spielt. Von Apfel- und Birmenform war da die Rede, wobei die Apfelform die höhere Gefahr darstellen sollte. Nun kommt eine neue Untersuchung zu dem Ergebnis, dass diese Meinung so nicht richtig ist. Fettleibigkeit an sich ist – egal wo sich das Übergewicht angesammelt hat – ein Risiko für das Herz.

 

Je nachdem, an welchen Stellen das Fett am Körper platziert ist, kann man unterscheiden zwischen der so genannten "Apfelform", bei der sich die Pölsterchen vor allem am Bauch ablagern, und der "Birnenform", bei der sich die unerwünschten Fettpölsterchen vorzugsweise an Po und Oberschenkel finden. Aus dieser Erkenntnis wurde bisher abgeleitet: Der typische Männerbauch ist für die Gesundheit viel riskanter als die typische weibliche Fettverteilung an Po und Oberschenkel. Je weiter oben am Körper sich das Fett ansammelt, desto größer ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus oder Bluthochdruck.

Eine internationale Studie an 220.000 Personen stellt die gängige Meinung jetzt in Frage, wonach fettleibige Personen mit einer "Apfelform" (Fettansammlung in der Körpermitte) ein höheres Risiko für Herzattacken und Schlaganfälle hätten als adipöse Personen mit einer anderen Fettverteilung. Einige frühere Studien hatten behauptet, dass Personen mit Stammfettsucht (bewertet über das Taille-Hüft-Verhältnis) ein 3-fach höheres Risiko einer Herzattacke hätten als jene mit einer allgemeinen Fettleibigkeit (gemessen über den Body-Mass-Index BMI, Gewicht geteilt durch das Quadrat der Körpergröße). Allerdings hatten diese früheren Studien wesentliche Einschränkungen des Entwurfs.

Die neue Untersuchung beobachtete die 220.000 Probanden ein Jahrzehnt lang. Unter diesen erlitten mehr als 14.000 während der Nachbeobachtung eine Herzattacke oder einen Schlaganfall. Die Forscher bestätigten, dass Fettleibigkeit zwar eine wichtige Bestimmungsgröße kardiovaskulärer Erkrankungen ist, dass jedoch BMI, Taillenumfang und das Taille-Hüft-Verhältnis einen vergleichbaren Einfluss auf das Risiko nachfolgender Herzinfarkte und Schlaganfälle hätten.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass BMI, Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis, entweder einzeln oder kombiniert bewertet, die Risikoeinschätzungen kardiovaskulärer Erkrankungen bei Einwohnern der Industrienationen nicht verbessern, wenn zusätzliche Informationen zu systolischem Blutdruck, Diabetes-Vorgeschichte und Fetten vorliegen.

Die Wissenschaftler folgern: “Ob nun einzeln oder in Kombination bewertet, BMI, Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis verbessern die Prognose hinsichtlich des ersten Auftretens kardiovaskulärer Erkrankungen nicht, wenn zusätzliche Informationen über Blutdruck, Diabetes-Vorgeschichte und Cholesterinwerte vorliegen. Dieses Ergebnis gilt für ein breites Spektrum von Umständen und klinisch relevante Untergruppen." Und sie fügen hinzu, dass "selbstverständlich nicht die Wichtigkeit der Adipositas als eine wesentliche abänderbare Bestimmungsgröße kardiovaskulärer Erkrankungen" gemindert werde.

WANC 16.03.2011
Quelle: Separate and combined associations of body-mass index and abdominal adiposity with cardiovascular disease: collaborative analysis of 58 prospective studies. Lancet 2011; 377: 10.1016/S0140-6736(11)60105-0

 

 



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