Woran erkennt man, dass man gestresst ist?

Die meisten Menschen sind sich ja recht sicher, wann Sie Stress haben und wann nicht: "Ich bin gerade sehr im Stress" oder "Ich fühle mich total gestresst" sind ja fast schon Klassiker, so häufig hört man diese Sätze. Aber es gibt auch etwas objektivere Kriterien:

  • nicht mehr abschalten können,
  • ständige Gereiztheit,
  • Schlafprobleme,
  • Konzentrationsstörungen
  • oder sinkende Leistungsfähigkeit.

Und das in Kombination mit einem Gefühl, den aktuellen Aufgaben kaum noch gewachsen zu sein.

Dann gibt es auch so etwas wie kleine, verstecktere Zeichen: Zum Beispiel, wenn man bei einem bevorstehenden Urlaub die Vorbereitungen als so belastend empfindet, dass man sich schon gar nicht mehr darauf freuen kann. Oder wenn man Verabredungen mit Freuden wiederholt lieber absagt, weil das einfach zu viel Zeit raubt für das aktuell zu bewältigende Projekt.

Auf Dauer können dann auch Magen-Darm-Probleme, Bluthochdruck oder Herzerkrankungen als "Stress-Symptome" hinzukommen, aber das sind andererseits auch schon eher Folgen als Symptome von akutem Stress. Das Burnout-Syndrom, in dem gar nichts mehr geht, ist dann so etwas wie das Ende der Sackgasse.

Fremdverschuldet oder hausgemacht?

Das alles ist natürlich nur sehr schwer zu objektivieren, zumal jeder Mensch einen unterschiedlichen Stress-Toleranz-Level hat. Es gibt ja auch durchaus diejenigen, die schon längst Ihr Magengeschwür haben und immer noch steif und fest behaupten, sie seien nicht gestresst. Aber Tatsache ist: Das Gefühl von Stress hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen, zumindest in der Welt der Industriestaaten und ganz besonders im Berufsleben.

Allerdings ist vieles davon auch hausgemacht – und hier liegt aber auch ein Kernproblem: Einerseits hat Stress ohne jede Frage zugenommen. Andererseits ist er aber auch zum Mode-Begriff geworden. Vielerorts erntet man mehr Anerkennung, wenn man sich als gestresst ausgibt als wenn man sagt: "Ich bin zur Zeit absolut entspannt". In einer großen Firma kann das der Anfang vom Ende sein, weil man damit sofort in der Loser-Ecke steht. Wohlgemerkt: Nicht nur für den Chef, auch für die Kollegen.

Stress ist auch Statussymbol

Wie schwachsinnig das ist, muss man eigentlich nicht erklären. Und doch ist es Alltag. Ständig hektisch ins Handy zu sprechen und im zweiten Smartphone parallel die Emails abzuarbeiten, gilt heute Vielen als Statussymbol, auch wenn es völlig affig ist. Und natürlich stressig. Wer seine Mails hingegen nur einmal täglich anschaut (Achtung: Piepton ausschalten!) oder – noch schlimmer – nicht einmal ein Smartphone besitzt, wird oftmals von seinen Mitmenschen nur noch stirnrunzelnd angeschaut.

Wenn man sich gestresst fühlt, sollte man also – und das, bevor man aller Welt davon erzählt – zunächst einmal hinterfragen, wie viel davon auf die eigene Kappe geht. Wobei natürlich auch nicht abgestritten werden soll, dass gerade im Berufsleben wirklich vielerorts der aufgezwungene Stress zugenommen hat.

Autor: Dr. med. Jörg Zorn

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