Auf welche Weise wirkt Rhodiola (Rosenwurz) gegen Stress und Überlastung?

Die Heilpflanze Rhodiola (Rosenwurz) enthält Wirkstoffe, die gegen Stress, Burnout und Überlastungssymptome helfen können. In Deutschland sind Präparate mit Rosenwurz erst in letzter Zeit populärer geworden, im Norden Europas, der heimischen Region der Pflanze, sind sie schon länger bekannt.

Was ist Rhodiola oder Rosenwurz?

Der Rosenwurz enthält sogenannte Adaptogene (das Wort leitet sich von dem Englischen „to adapt“ ab, was übersetzt „sich anpassen“ heißt). Das sind Pflanzenstoffe, die dabei helfen, dass wir uns – sowohl körperlich als auch psychisch – besser auf belastende Situationen einstellen können. Zugleich werden dem Rosenwurz stimulierende Eigenschaften nachgesagt. Wenn Sie also nach einem Mittel suchen, dass Ihnen in anstrengenden Phasen, bei Erschöpfung und Müdigkeit einen Energie-Schub gibt und gleichzeitig für die nötige Gelassenheit sorgt, könnte Rosenwurz durchaus das Richtige für Sie sein.

Wirkweise von Rhodiola

Wie macht der Rosenwurz das nun? Bis ins Detail ist das noch nicht geklärt. Aber einiges ist bekannt: Zum einen stecken in der Pflanze offenbar Stoffe, die dabei helfen, dass Stresshormone wie Cortisol auf dem richtigen Level bleiben. Zum anderen mobilisiert Rosenwurz körpereigene Energiequellen, so dass die Widerstandskräfte aufleben. Im Mittelpunkt steht hier Adenosintriphosphat, kurz ATP. Die Zellen brauchen jede Menge davon, um ihre Arbeit machen zu können.

Rosenwurz verbessert die Stressverarbeitung also gleich doppelt:

  • mehr Gelassenheit in Belastungsphasen durch Regulierung des Stresshormonspiegels
  • mehr Energie bei Müdigkeit und Erschöpfung durch Aktivierung körpereigener Energieträger

Abgesehen davon scheint Rosenwurz dafür zu sorgen, dass mehr „Glückshormone“ ausgeschüttet werden. Und: Das Mittel hat möglicherweise ähnliche Effekte wie bestimmte Antidepressiva, die sogenannten MAO-Hemmer.

Rhodiola: Wirkung in vielen Studien nachgewiesen

Das alles ist nicht nur graue Theorie. Verschiedene Studien bescheinigen dem Rosenwurz positive Effekte auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sowie auf einige psychische Erkrankungen. Schauen wir uns das exemplarisch an.

In einer Erhebung waren die Probanden junge, gesunde Ärzte, bei denen die Wirkung von Rosenwurz auf die Müdigkeit bei Nachtschichten getestet wurde. Vor und nach dem Nachtdienst wurden beispielsweise Kurzzeitgedächtnis und Konzentrationsfähigkeit geprüft und bewertet. Die Teilnehmer, die ein Rhodiola-Extrakt bekommen hatten, schnitten signifikant besser ab als die Probanden der Placebo-Gruppe. Nach Einschätzung der Forscher zeigen die Ergebnisse, dass Rosenwurz die Ermüdungserscheinungen in Stresssituationen verringern kann.

Stress-Symptome lassen nach

In einer anderen Studie ging es um erwachsene Frauen, die selbst angaben, sich über einen längeren Zeitraum gestresst zu fühlen und unter einer psychischen Belastung zu leiden. Diesmal wurde nur eine Einzeldosis eines Rosenwurz-Extraktes bzw. eines Scheinmedikaments verabreicht. Schon zwei Stunden später testeten die Studienleiter, wie schnell, aufmerksam und genau die Frauen bestimmte Aufgaben erledigten. Und auch hier zeigten sich positive Ergebnisse in der Rosenwurz-Gruppe. Die Probandinnen machten weniger Fehler und waren sorgfältiger.

Spannend ist eine Erhebung mit Menschen, die wegen einer lebensbedrohlichen Krankheit in einer belastenden Situation waren. Sie erhielten vier Wochen lang zweimal täglich 200 mg eines Rhodiola-Extraktes. Insgesamt waren es rund 100 Teilnehmer. Die Stresssymptome ließen deutlich nach. Allerdings gab es hier keine Kontrollgruppe – also keinen Vergleich mit Menschen, die nur ein Scheinmedikament bekommen hatten.

Europäische Arzneimittelagentur vorsichtig optimistisch

Die europäische Arzneimittelagentur fordert zwar noch weitere, größere Studien, schätzt den Rosenwurz aber als effektives Mittel ein, um Stress, Schwächegefühle und Erschöpfung zu mindern. Damit erfährt der Rosenwurz also auch von offizieller Seite Anerkennung. In einem Artikel der Deutschen Medizinischen Wochenschrift von 2017 wird Rhodiola außerdem als mögliches Mittel genannt, um eine chronische Erschöpfung (Fatigue) im Zuge einer Krebs-Erkrankung zu lindern.

Rosenwurz gilt als sicher und nebenwirkungsarm

Einig sind sich die Experten bezüglich unerwünschter Wirkungen. Mit nennenswerten Nebenwirkungen ist unter Rosenwurz bzw. Rhodiola nicht zu rechnen. Das Mittel war in allen Studien sehr gut verträglich. Trotzdem sollten Frauen, die schwanger sind oder stillen, sowie Kinder und Jugendliche auf den Pflanzenstoff verzichten; einfach deshalb, weil er für diese „besonderen“ Patientengruppen noch nicht ausreichend geprüft wurde. Auch bei Leber- oder Nierenerkrankungen wird von dem Mittel eher abgeraten.

Pflanzenstoffe stecken in Wurzel und Wurzelstock

Werfen wir noch einen Blick auf die Pflanze selbst: Der Rosenwurz ist meistens etwa 20 cm groß, manchmal sind es auch einige Zentimeter mehr. Er wächst vor allem in arktischen Gebieten und Gebirgsregionen – also da, wo es kalt und eher ungemütlich ist, gern auch in Felsspalten und an Meeresklippen. Für die Arznei werden die Wurzel und der Wurzelstock (genauer: das Rhizom) der Pflanze genutzt. Daraus gewonnene Extrakte enthalten Glykoside (z.B. Rosavin, Salidrosid, Tyrosol), Flavonoide, Terpene und Gerbstoffe. Letztlich ist es wohl die spezielle Kombination, die die Eigenschaften des Rosenwurzes ausmacht.

Fazit: Rosenwurz unterstützt bei Stress und Überlastung

Abschließend lässt sich sagen: Rosenwurz ist ein altbewährtes und traditionsreiches Heilmittel. In Russland, Skandinavien und dem Baltikum wird die Pflanze schon lange eingesetzt – vor allem, um Stress, Ermattung und Überlastung etwas entgegenzusetzen. Und das zu Recht, wie Studien und Tests zeigen.

Wenn Sie sich den täglichen Anforderungen in Beruf und Privatleben nicht mehr gewachsen fühlen, ist die Einnahme von Rhodiola aus unserer Sicht auf jeden Fall einen Versuch wert.

Mehr Informationen zu Rhodiola finden Sie hier.

Autoren: Anna Brockdorff, Heilpraktikerin & Dr. med. Jörg Zorn

Studien:

  • Amsterdam JD, Panossian AG: Rhodiola rosea L. as a putative botanical antidepressant. Phytomedicine. 2016 Jun 15;23(7):770-83.
  • Aslanyan G et al.: Double-blind, placebo-controlled, randomised study of single dose effects of ADAPT-232 on cognitive functions. Phytomedicine, 2010, 17(7), 494-9 .
  • Darbinyan V et al.: Rhodiola rosea in stress induced fatigue--a double blind cross-over study of a standardized extract SHR-5 with a repeated low-dose regimen on the mental performance of healthy physicians during night duty. Phytomedicine. 2000 Oct;7(5):365-71.
  • Edwards D et al.: Therapeutic effects and safety of Rhodiola rosea extract WS® 1375 in subjects with life-stress symptoms--results of an open-label study. Phytother Res. 2012 Aug;26(8):1220-5.
  • Hung SK et al.: The effectiveness and efficacy of Rhodiola rosea L.: a systematic review of randomized clinical trials. Phytomedicine. 2011 Feb 15;18(4):235-44.
  • Olsson EM et al.: A randomised, double-blind, placebo-controlled, parallel-group study of the standardised extract shr-5 of the roots of Rhodiola rosea in the treatment of subjects with stress-related fatigue. Planta Med. 2009 Feb;75(2):105-12.

 

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