Schuppenflechte: Gedächtnisstörungen des Immunsystems?
Dass die Schuppenflechte eine sogenannte Autoimmunerkrankung ist, ist seit langem bekannt. Aufgrund einer Fehlinformation stürzen sich Abwehrzellen auf die vermeintlich angegriffene Haut und erzeugen dort die charakteristischen Hautstellen mitsamt der Schuppung. Münchner Wissenschaftler sind diesem Mechanismus nun etwas näher auf die Spur gekommen.
Immunsystem durcheinander – In der Hauptrolle: T-Zellen
Bei einer seltenen Gruppe von Menschen, die sowohl an Schuppenflechte als auch an Neurodermitis leiden, konnten sie zeigen, dass bei beiden Hauterkrankungen im Prinzip dasselbe abläuft. Im Mittelpunkt stehen dabei die T-Zellen. Diese Abwehrzellen sind sozusagen das immunologische Gedächtnis. Kommt ein zuvor als Feind registrierter Eindringling in den Körper, werden die T-Zellen umgehend aktiv und werfen ein Entzündungsprogramm an. Das Problem bei der Psoriasis und der Neurodermitis ist nur, dass hier gar kein Feind vorhanden ist, sondern das Programm schon bei eigentlich harmlosen Reizen anspringt.
Jetzt muss "nur" noch herausgefunden werden, welche Moleküle wiederum die T-Zellen aktivieren, dann könnten daraus neue medikamentöse Ansätze entstehen, sagen die Studienautoren. Deren Ergebnisse wurden von der Fachwelt immerhin als so bedeutend eingestuft, dass sie in einem der renommiertesten Fachzeitschriften überhaupt publizieren durften. Trotzdem ist das bisher alles noch im Bereich der Grundlagenforschung – wir müssen uns leider noch gedulden.
Autoren: WANC/Dr. med. Jörg Zorn, 25.07.2011
Quelle: N Engl J Med 2011;365:231
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