Chronische Schmerzen
Ein chronisches Schmerzsyndrom bzw. eine chronische Schmerzkrankheit entsteht, wenn Schmerz seine eigentliche Funktion als Warn- und Leithinweis verliert und einen selbständigen Krankheitswert erhält. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird dabei verkürzt von chronischen Schmerzen gesprochen. Unter Berücksichtigung der zeitlichen Dimension ist davon auszugehen, dass ein chronisches Schmerzsyndrom entsteht, wenn Schmerzen länger als sechs Monate (heute eher: länger als 3 bis 6 Monate) bestehen.
Der Schmerz als Krankheit
Schmerzen begleiten oft Erkrankungen oder Verletzungen, werden aber inzwischen selbst als Krankheit verstanden. Der Schmerz besteht dabei über Monate und das Grundleiden ist entweder schwer bzw. nicht therapierbar oder eine Ursache für den Schmerz nicht auffindbar (idiopathisch). Schmerzen ohne klare Ursache sind keine Ausnahme, sondern die Regel: Bei Rückenschmerzen lassen sich in 80 von 100 Fällen keine krankhaften körperlichen Veränderungen finden. Die „Bandscheibe“ ist selten (in weniger als 10 Prozent) die Ursache von Rückenschmerzen.
Die häufigsten Kopfschmerzen sind sog. „primäre“ Kopfschmerzen, d. h. sie sind ebenfalls nicht als Symptom einer zugrundeliegenden Erkrankung zu verstehen, sondern bestehen ohne klare krankhafte Veränderungen. Von chronischem Schmerz spricht man dann, wenn die Beschwerden länger als sechs Monate anhalten. Auswirkungen auf die psychische Verfassung des chronisch Schmerzkranken sind die Regel.
Schmerzzustände sind für den Körper erlernbar. Wiederholt auftretende Schmerzen führen dabei zu intensiverem und längerem Schmerzempfinden, da dabei die Schmerzschwelle herabgesetzt wird. Deshalb ist eine frühzeitige und ausreichende Schmerzbekämpfung mit Medikamenten wichtig. Untersuchungen haben ergeben, dass in Deutschland gegenüber anderen Ländern Schmerzen oft unzureichend therapiert werden. Dies gilt vorwiegend für Patienten mit Schmerzen bei Krebserkrankungen und nach operativen Eingriffen.
Dies geht wahrscheinlich auf die tief verwurzelte und oft überbewertete Angst vor Abhängigkeit von Schmerzmedikamenten zurück. Außerdem spielt sicherlich der im Vergleich zu anderen Ländern höhere „bürokratisch-organisatorische Aufwand“ bei der Anordnung/Gabe der Medikamente eine entscheidende Rolle (Pflegekraft-Arzt-Konflikt). Des Weiteren existiert in Deutschland noch keine breite Evidenzbasis, auf die klare Standards zum Schmerzmanagement aufgebaut werden könnten. Es ist daher bei chronifizierten Schmerzen im besonderen Maße erforderlich, eine hoch individuelle (medikamentöse) Therapie zu entwickeln, die genügend Spielraum lässt, um auf variierende Schmerzzustände reagieren zu können.
Eine andere Form der Bekämpfung von chronischen Schmerzen ist die Verhaltenstherapeutische Hypnose, die außerdem den Medikamentenkonsum der Patienten stark herabsetzt. Während der verhaltenstherapeutische Ansatz eher eine Schmerzbewältigungsstrategie bei organisch bedingten Schmerzen darstellt, ist die psychodynamisch-interaktionelle Gruppentherapie eine Möglichkeit zur ursächlichen Behandlung sog. somatoformer Schmerzstörungen. Jeder vierte Patient mit Angststörung klagt über chronische Schmerzen.
Bei einem großen Teil von Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung kommen zu dem chronischen Schmerz Schmerzattacken hinzu, die – bei ansonsten ausreichender Schmerzbehandlung – als Durchbruchschmerzen vom Patienten erlebt werden und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Als Behandlung bietet sich das schnellwirksame Opioid Fentanyl an, das über die Mund- oder Nasenschleimhaut aufgenommen werden kann.
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