Nichtopioide Analgetika ohne antiphlogistische und antipyretische Eigenschaften
Nichtopioide Analgetika ohne antiphlogistische und antipyretische Eigenschaften
Zu dieser Gruppe gehört Flupirtin (Katadolon®).
Flupirtin hat neben einer mittelstarken bis starken analgetischen Wirkung – vergleichbar mit Tramadol – einen zentralen muskelentkrampfenden Effekt auf die Skelettmuskulatur. Die orale Einzeldosis beträgt 100 mg bis zu viermal täglich, die Tageshöchstdosis 600 mg. Es wird bei akuten und chronischen Schmerzen eingesetzt z. B.:
- schmerzhaften Muskelverspannungen der Halte- und Bewegungsmuskulatur
- Spannungskopfschmerzen
- Tumorschmerzen
- Dysmenorrhoe
- Schmerzen nach traumatologischen/orthopädischen Operationen und Verletzungen.
Als Nebenwirkungen treten Müdigkeit (10–25 %) und Schwindel (5 %) auf. Außerdem kann sich der Urin grün verfärben (ohne klinische Konsequenzen).
Kombinationspräparate
In vielen Medikamenten sind verschiedene Nichtopioid-Analgetika miteinander und/oder zusätzlich mit Coffein kombiniert. Die Kombination aus Acetylsalicylsäure 250 mg, Paracetamol 200 mg und Coffein 50 mg ist am weitesten verbreitet und zum Beispiel enthalten in Boxonal N®, Neuralgin®, Ratiopyrin®, Thomapyrin®, Titralgan®. Die gleiche Kombination mit 250mg Paracetamol (Thomapyrin® intensiv) hat zusätzlich die Indikation Migräne. Auch die Kombinationen aus Acetylsalicylsäure 300 mg und Paracetamol 300 mg (Spalt® Tabletten) oder Acetylsalicylsäure 500 mg und Coffein 50 mg (Doppelspalt®) sind erhältlich. Diese Kombinationen sind in der Fachwelt umstritten.
Mehrere Studien (z. B. Diener et al., 2005) und mindestens eine Metastudie bestätigen eine überadditive Wirkungsverstärkung. Auch die unerwünschten Arzneimittelwirkungen sollen weniger schwer ausfallen, da die Einzelsubstanzen niedriger dosiert sind als in Monopräparaten. Mehrere Fachgesellschaften für Kopfschmerz und Migräne haben daraufhin die ASS-Paracetamol-Coffein-Kombination als Mittel der ersten Wahl in ihre Leitlinien aufgenommen. Obwohl die Empfehlungen z. B. der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft nach eigenen Angaben streng evidenz-basiert sein sollen, wird die Unabhängigkeit aber immer wieder angezweifelt.
Andererseits gibt es eine breit gefächerte Gegnerschaft. Zum Einen gibt es hier das Argument, dass Kombinationspräparate prinzipiell abzulehnen seien, weil eventuell entstehende Komplikationen schwieriger zu behandeln sind. Erwiesen ist auch, dass diese Kombinationspräparate häufiger missbräuchlich, d. h. zu lange und zu oft, eingenommen werden als die entsprechenden Monopräparate. Ob der Missbrauch aber ursächlich durch die Kombination an sich (zum Beispiel durch den leicht anregenden Effekt des Coffeins) oder durch die überlegene Wirksamkeit und bessere Verträglichkeit im Vergleich zu den Monopräparaten verursacht wird, ist noch nicht endgültig geklärt.
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