Schlaganfall: Immer zuerst Medikamente
Ärzte in Deutschland schlagen Alarm. Sie kritisieren den Trend, Menschen nach einem Schlaganfall sogenannte Stents einzusetzen. Schlaganfallpatienten mit Verengungen der Gehirngefäße müssten zunächst eine “maximale medikamentöse Therapie” bekommen.
Stents sind mechanische Stützen, die die Engpässe in den verkalkten Gefäßen erweitern und offen halten, um einen neuen Schlaganfall zu verhindern. Der Stent-Trend stammt vornehmlich aus den USA, fällt aber in Deutschland anscheinend auf fruchtbaren Boden.
Studien sprechen gegen Stents
Betroffenen droht nach einem Schlaganfall häufig ein erneuter Hirninfarkt. Grund dafür sind bestehende verengte Blutgefäße im Gehirn. Um das zu verhindern, werden vielen Patienten vorsorglich Stents eingesetzt, um vorliegende Vereengungen von Arterien im Gehirn offen zu halten.
Was sich logisch anhört, hat medizinisch aber kaum Nutzen. Im Gegenteil: In einer Studie stellten Forscher der Medical University of South Carolina, USA, fest, dass 15% der mit einem Stent behandelten Patienten innerhalb von 30 Tagen einen erneuten Schlaganfall erlitten hatten oder sogar gestorben waren.
Stents nur, wenn Medikamente nicht zum Erfolg führen
Das spricht nach Ansicht von Prof. Olav Jansen vom Institut für Neuroradiologie der Universitätsklinik Kiel zwar nicht grundsätzlich gegen den Einsatz von Stents. Aber nicht bei jedem Patienten, bei dem eine Gefäßverengung im Gehirn zu einem Schlaganfall geführt hätte, dürfe ein Stent verwendet werden. Zuerst müssten die Patienten mittels Medikamenten behandelt werden.
Jansen sieht eine Verwendung von Stents nur, wenn trotz bestmöglicher medikamentöser Therapie weitere Schlaganfallsymptome bestünden oder wenn eine hochgradige Engstelle die Blutzirkulation massiv behindere. Geklärt sei bisher im übrigen nicht, ob Stents oder Medikamente über eine lange Einatzdauer besser seien.
WANC 23.01.2011
Quelle: Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie, Deutsche Gesellschaft für Neurologie
