Schlaganfall: Ursachen, Symptome, Therapie und Reha

Was ist ein Schlaganfall?

"Schlaganfall – ein Notfall!" Bestimmt haben Sie diese Aussage schon einmal auf einem Rettungswagen gelesen. Diese Kampagne der Rettungsdienste soll die Bevölkerung auf die potentielle Lebensgefahr bei einem Schlaganfall hinweisen. Lieber sollte einmal zu viel der Notruf 112 gewählt werden als zu wenig. Weitere Projekte und Veranstaltungen vor Ort haben das Ziel, für die möglichen Risikofaktoren und Krankheitszeichen zu sensibilisieren und über das korrekte Handeln im Notfall zu informieren.

Die hohe Zahl der Schlaganfälle macht die Brisanz des Themas deutlich: Jedes Jahr erleiden hierzulande weit über 200.000 Menschen einen Hirnschlag. Das Risiko, in der eigenen Familie, im Freundes- oder Bekanntenkreis oder einfach auf der Straße mit einer solchen Situation konfrontiert zu werden, ist dementsprechend hoch.

Akute Mangelversorgung des Gehirns

Mit Schlaganfall oder Apoplex (griech. apoplezia: "Schlag") ist eine plötzliche – "schlagartige" – Durchblutungsstörung des Gehirns gemeint. Die Folge ist eine Unterversorgung von Hirnarealen mit dem für eine normale Funktion nötigen Sauerstoff. Zwei verschiedene Formen werden dabei unterschieden: der Hirninfarkt (ischämische Form) und die Hirnblutung (hämorrhagische Form).

Beim Hirninfarkt (ischämische Form) kommt es zu einem Gefäßverschluss in einer Schlagader. Meist werden dabei Ablagerungen, sogenannte Plaques, aus den großen Halsgefäßen mit dem Blutstrom ins Gehirn geschwemmt. Dort verlegen sie ein Hirngefäß weitgehend bis vollständig. Dahinterliegende Hirnanteile, die durch das Gefäß versorgt wurden, sind nun von der Blut- und Sauerstoffversorgung abgeschnitten. Sie werden in ihrer Funktion wesentlich beeinträchtigt oder sterben sogar ganz ab, was einem Totalausfall der dort verorteten Hirnfunktionen gleichkommt.

Eine andere Form des Schlaganfalls ist die Hirnblutung (hämorrhagische Form). Dabei reißt ein Blutgefäß im Gehirn selbst oder innerhalb des Schädels. Es kommt zum Austritt von Blut in das Hirngewebe oder in die zum Teil feinsten Zwischenräume zwischen Gehirn, Hirnhäuten und Schädelknochen. Die dahinterliegenden Anteile werden ebenfalls nur noch vermindert durchblutet. Durch den Druck des ausgetretenen Blutes können außerdem Hirnschädigungen wie beim ischämischen Schlaganfall entstehen.

Eine seltene Form (ca. 0,5% aller Schlaganfälle) ist die Thrombose von Hirngefäßen. Wie bei Beinvenenthrombosen nach Operationen oder langen Flugreisen wird dabei ein venöses Gefäß verstopft. Ursächlich ist meist eine (unbekannte) Thromboseneigung bei Frauen in zeitlichem Zusammenhang mit der Entbindung.

Ursachen

Vieles ist hausgemacht

Die Ursachen des Schlaganfalls liegen größtenteils im Wohlstand unserer Gesellschaft begründet. Das metabolische oder auch "Wohlstands-Syndrom" ist eine gefährliche Kombination aus Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen, gepaart mit psychischer Überbelastung und schlechten Angewohnheiten. Hoher Blutdruck und Arteriosklerose strapazieren das Herz-Kreislauf-System. Die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus schädigt die Gefäße zusätzlich. Erschwert wird die Situation oft noch durch ausgeprägtes Übergewicht.

Stress in Beruf und Familie sorgt dafür, dass wir uns die für unsere Gesundheit so nötigen Entspannungsphasen nicht ausreichend zugestehen. Genussmittel wie Alkohol, Nikotin, Koffein und Drogen sowie Bewegungsmangel und falsche, fett- und kalorienreiche Ernährung sind weitere Risikofaktoren. Ebenso gefährdet sich Menschen mit einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom.

Weitere Risikofaktoren

Gefäßschäden im Kopf, wie Aussackungen oder eine Ausdünnung der Gefäßwand können auch bei Menschen mit gesunder Lebensweise vorkommen. Nicht immer sind sie jedoch vor dem Auftreten eines "blutigen" Schlaganfalls bekannt.

Ein ischämischer Schlaganfall kann zudem durch Vorhofflimmern ausgelöst werden. Bei dieser Form der Herzrhythmusstörung können sich kleine Blutgerinnsel im Herzen bilden. Von dort werden sie mit dem Blutstrom ins Gehirn geschwemmt und verlegen die dortigen Gefäße.

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Symptome

Typisch: Halbseitenlähmung und Sprechstörungen

Die Symptome eines Schlaganfalls zu erkennen, kann Leben retten. Eines der häufigsten Anzeichen sind halbseitige Lähmungserscheinungen. Diese können in Arm oder Bein, aber auch im Gesicht auftreten. Der Betroffene kann dann nicht mehr lächeln, ein Mundwinkel hängt herab.

Auch die Sprachproduktion und das Sprachverständnis können gestört sein. Ein flüssiges, verständliches Sprechen ist dabei unmöglich. Die Sprache klingt verwaschen, "wie betrunken", oder es "fehlen die Worte". Eventuell wird Gesagtes nicht mehr verstanden, der Betroffene kann daher Aufforderungen nicht nachkommen oder verhält sich unangemessen. Zusammen mit Sprechstörungen finden sich häufig auch Schluckstörungen.

Sehstörungen und Allgemeinbeschwerden

Betreffen die Durchblutungsstörungen bestimmte Bereiche des Gehirns oder das Auge selbst, können zudem Sehstörungen auftreten. Der Betroffene sieht auf einem Auge nichts mehr oder sieht Doppelbilder, oder es wird jeweils die linke oder rechte Hälfte des Gesichtsfelds nicht mehr wahrgenommen.

An allgemeinen Krankheitszeichen können außerdem Kopfschmerzen, erhöhter Blutdruck, Übelkeit und Schwindel auftreten. Eventuell verliert der Betroffene das Bewusstsein. Manchmal sind die neurologischen Symptome und Ausfallerscheinungen aber nicht so prägnant, sondern beschränken sich lediglich auf leichte Gefühlsstörungen und eine Kraftminderung in Arm oder Bein.

Die einseitigen Symptome treten dabei stets in der dem Schlaganfall gegenüberliegenden Körperseite auf. Dies ist dadurch zu erklären, dass sich wichtige Nervenbahnen zur Reizversorgung der verschiedenen Körperteile auf Höhe des Rückenmarks kreuzen.

Eventuell bilden sich die Beschwerden innerhalb von 24 Stunden von selbst zurück (sogenannte transitorische Attacke, TIA). Auch dann muss die Situation aber ernst genommen und als deutliches Warnsignal gewertet werden. Oft liegen gravierende Grunderkrankungen vor, die bis dahin unerkannt waren.

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Diagnose

Bei einem klassischen Symptombild ist ein Schlaganfall oft vom Rettungsdienst oder Notarzt durch "Blickdiagnose" und einen einfachen neurologischen Basischeck festzustellen.

CT zum Ausschluss einer Blutung

Direkt nach dem Eintreffen in der Klinik wird als eine der ersten Untersuchungen ein Computertomographie des Kopfes (CT) durchgeführt. Hier wird kontrolliert, ob eine Blutung im Kopf vorliegt. Sind die Beschwerden typisch für einen klassischen Schlaganfall und zeigt das CT keine Blutung, so kann dann im nächsten Schritt gegebenenfalls eine stark blutverdünnende Therapie gegeben werden (Lysetherapie).

Auch eine vollständige körperliche und neurologische Untersuchung, die Abnahme von vielen verschiedenen Laborwerten und ein Elektrokardiogramm (EKG) vom Herzen erfolgen in den ersten Minuten und Stunden.

Eine Kernspintomographie (MRT) und/oder eine Computertomographie mit Kontrastmittel sichern im Verlauf die Diagnose und helfen bei der Unterscheidung zwischen Gefäßverschluss und Hirnblutung. Auch Komplikationen wie reaktive Blutungen und Hirnschwellungen können so zügig erkannt werden.

Untersuchungen im Verlauf

In den folgenden Tagen des Klinikaufenthaltes führen die Ärzte weitere Spezialuntersuchungen durch, um herauszufinden, was ursächlich zum Schlaganfall geführt hat. Nur so können sie eine geeignete Behandlung beginnen, um erneute Schlaganfälle zukünftig zu verhindern.

Mit einem Ultraschall zum Beispiel werden die Halsgefäße dargestellt. Ist ein Gefäßabschnitt stark verkalkt und verschlossen, so muss er je nach Schweregrad gegebenenfalls operativ wieder geöffnet werden.

Auch Herzrhythmusstörungen können einen Schlaganfall verursachen. Nicht selten liegt ein Vorhofflimmern vor. Es ist für 15-20% aller Schlaganfälle verantwortlich. Neben dem Ruhe-EKG werden daher noch ein 24-Stunden-Langzeit-EKG und ein Ultraschall des Herzens (Echokardiographie) durchgeführt.

Bei besonderen Konstellationen erfolgt zudem eine Spezialform des Herzultraschalls, ein sogenanntes Schluckecho. Wie bei einer Magenspiegelung wird hier die Ultraschallsonde von innen ganz nah an die Herzkammern herangeführt. Da Speiseröhre und Herz direkt hintereinander liegen, können so einzelne Kammern besonders gut und genau untersucht werden.

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Therapie

1. Behandlung im Akutfall

Die Devise in der Behandlung des akuten Schlaganfalls lautet "Time is brain!" ("Zeit ist Gehirn!"). Es besteht nur ein geringes Zeitfenster von wenigen Stunden nach Beginn der Krankheitszeichen, in dem noch erfolgreich behandelt werden kann. Das Erkennen der Symptome, die Einweisung ins Krankenhaus und die ersten Untersuchungen müssen daher so schnell wie möglich erfolgen. Nur so kann möglichst viel Hirngewebe gerettet und die Hirnschäden so gering wie möglich gehalten werden.

Gut versorgt in einer Stroke Unit

Auch die Erfahrung der Klinik spielt bei der Therapie eine wichtige Rolle. Im Idealfall wird der Betroffene in einer sogenannten Stroke Unit behandelt, einer Spezialstation für Schlaganfallpatienten. Diese ist vergleichbar einer Intensivstation ausgestattet, verfügt aber über ein besonderes Know-How im Umgang mit neurologisch erkrankten Menschen und über ein entsprechend spezialisiertes Team aus Ärzten, Krankenpflegekräften und Mitarbeitern verschiedener Therapiebereiche.

Medikamente oder Katheter machen den Weg wieder frei

Beim ischämischen Schlaganfall besteht die Möglichkeit, das Blutgerinnsel im Gehirn mittels Medikamenten aufzulösen (Lysetherapie). Ziel ist es, die Durchblutung nachgeschalteter Hirnareale so schnell wie möglich wieder herzustellen. Die Medikamente werden dabei zumeist über eine Infusion verabreicht und wirken am Ort des Gefäßverschlusses. Seltener werden andere Substanzen direkt in eine verschlossene Schlagader gegeben. Mögliche Nebenwirkungen der Lysetherapie sind Blutungen sowie ein Anschwellen des Hirngewebes.

Mit neueren Therapieansätzen können Gerinnsel über einen hauchdünnen Katheter abgesaugt oder in einem winzigen Drahtkörbchen eingefangen und entfernt werden. Diese Methoden werden aber hauptsächlich in spezialisierten Zentren regelmäßig durchgeführt.

Im seltenen Fall einer Hirnvenenthrombose wird hauptsächlich mit dem Wirkstoff Heparin behandelt. Ähnlich wie Lysemedikamente wird auch dieses Medikament über die Vene verabreicht. Es löst den Gefäßverschluss auf, indem es das Blut dünnflüssiger macht.

Bei einer Blutung wird abgewartet

Liegt ein hämorrhagischer Schlaganfall, also eine Hirnblutung vor, werden die Betroffenen primär konservativ behandelt. Ein operativer Eingriff ist oft nicht von Nöten, die Blutung hört zumeist von alleine auf. Die Behandlung erfolgt dann ausschließlich durch Logopädie, Ergo- und Physiotherapie.

Beschwerden werden medikamentös gelindert. Nur selten muss eine entstandene Druckerhöhung innerhalb des Schädels durch eine notfallmäßige Operation gesenkt oder ein Bluterguss entfernt werden.

Wie es weiter geht

Nach der Akuttherapie ist die Behandlung noch nicht abgeschlossen. Ein Schlaganfall kann sich jederzeit wiederholen. Um das Risiko zu minimieren, ist es wichtig, entsprechende Risikofaktoren und zugrundeliegene Erkrankungen zu erkennen und frühzeitig zu behandeln.

Daher folgt als nächstes die oben beschriebene Diagnostik. Je nach dem, was sie zeigt, schließen sich weiterführende Therapien an. Um langfristig wiederholte Schlaganfälle zu vermeiden, ist eine dauerhafte Behandlung mit Medikamenten meist unumgänglich. Hier beginnt das weite Feld der Prävention.

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Häufige Fragen zur Akutbehandlung

2. Rehabilitation

Der Rehabilitation nach einem Schlaganfall kommt hohe Bedeutung zu. Sie ist essenzieller Bestandteil der Therapie. Um die bestmöglichen Ergebnisse und Verbesserungen zu erzielen, muss sie bereits in der Akutphase der Erkrankung beginnen (Phase A). Der Betroffene befindet sich dabei also noch im Krankenhaus, im Idealfall auf einer spezialisierten Schlaganfallstation.

Eine neurologische Reha unterscheidet sich dadurch grundlegend von Rehabilitationsverfahren bei anderen Krankheiten und Verletzungen, bei denen Reha  bzw. Anschlussheilbehandlung erst nach Entlassung aus dem Krankenhaus stattfinden. Die neurologische Reha wird daher auch als sogenannte "Früh-Reha" bezeichnet.

Mit viel Übung erholt sich das Gehirn

Hintergrund des zeitnahen Beginns von Rehamaßnahmen ist die Tatsache, dass das Gehirn auch im fortgeschrittenen bis hohen Erwachsenenalter immer noch lernfähig ist. Gehen durch die Zerstörung von Hirngewebe Funktionen verloren, können andere Hirnareale diese teilweise übernehmen. Man spricht hier von der Plastizität des Gehirns.

Wie in einem Stromkreislauf neue Verschaltungen geschaffen werden können, so können auch Nervenfasern neue Verbindungen eingehen. Dies geschieht allerdings nicht von jetzt auf gleich, sondern benötigt viel Zeit, Geduld und konsequentes Training. Als zeitlicher Anhaltspunkt sind tatsächlich Monate zu nennen, in denen bei regelmäßiger Durchführung von aktiven und passiven Maßnahmen noch Verbesserungen erreicht werden können.

Schulung der eigenen Körperwahrnehmung

Eine grundlegende Anregung für das Gehirn, neue Nervenverbindungen zu schaffen, ist die Pflege, Lagerung und ggf. Mobilisation des mobilitätseingeschränkten oder bettlägrigen Betroffenen nach speziellen neurophysiologischen Konzepten.

Beispielhaft sei hier das Bobath-Konzept genannt. Die angewandten Techniken werden dabei dem individuellen Störungsbild angepasst. Ziel des Bobath-Konzepts ist es, stark angespannte (spastische) Muskelgruppen zu entspannen, das Zusammenspiel der beiden Hirnhälften – also von betroffener und nicht betroffener Seite – wiederherzustellen und die Wahrnehmung der eingeschränkten Körperseite zu verbessern. Gelähmte (paretische) Muskeln werden speziellen Reizen von außen ausgesetzt. So können langsam wieder physiologische Bewegungsmuster angebahnt werden.

Erreicht werden die genannten Ziele durch den Einfluss von passiven Kopfbewegungen auf die Muskulatur von Rumpf und Extremitäten. Eine große Auflagefläche im Sitzen oder Liegen entspannt dabei, während eine kleinere oder punktuelle Auflagefläche bestimmte Muskelgruppen eher anregt.

Strukturiertes Rehaprogramm

Aufgrund der hohen Relevanz von Rehamaßnahmen im Bereich der Neurologie wurden in Deutschland bereits vor Jahren Vorgaben in Bezug auf Anforderungen, Inhalte und den Umfang sowie die zeitliche Dauer der Rehaprogramme festgelegt. Eine neurologische Rehabilitation beruht auf einem Phasenmodell.

Phase A findet, wie oben erwähnt, bereits in der akuten Krankheitssituation in der Klinik statt. In Phase B werden weiterhin nur passive Maßnahmen durchgeführt, der Schwerkranke kann noch nicht aktiv mitwirken. Phase C beschreibt bereits weiterführende Maßnahmen. Der Betroffene ist weitgehend bewusstseinsklar und in der Lage, mehrmals täglich an 30-minütigen Therapieeinheiten teilzunehmen. Innerhalb der Phase D wird die Selbstständigkeit bei den Aktivitäten des täglichen Lebens (Mobilität, Körperpflege, Ausscheidung, Nahrungszubereitung und -aufnahme etc.) weiter trainiert und stabilisiert.

Phase E bezieht sich auf Nachsorgeleistungen (z. B. Physiotherapie und Logopädie in Praxen vor Ort) und – bei jüngeren Menschen – die berufliche Rehabilitation in spezialisierten Zentren bzw. die Wiedereingliederung am Arbeitsplatz. Im Falle einer anhaltenden Pflegebedürftigkeit schließt sich stattdessen Phase F an, die sich auf Langzeitpflege bezieht, wie beispielsweise bei Personen im Wachkoma.

Die Neuro-Reha basiert auf drei Säulen:

  • übende Verfahren
  • Erlernen von Strategien zur Kompensation fehlender oder eingeschränkter Funktionen
  • Umgang mit nötigen Hilfsmitteln

Krankengymnastik bringt Sie wieder in Schwung

Die übenden Verfahren beinhalten Krankengymnastik, Logopädie, Ergotherapie sowie neuropsychologische Verfahren. Mit den verschiedenen Verfahren der Krankengymnastik soll – ähnlich wie beim Bobath-Konzept – durch bestimmte Reize von außen die spastische Muskulatur entspannt und die Nutzung bislang gelähmter Muskeln wieder ermöglicht werden.

Besonderer Wert muss dabei auf dem Training des betroffenen Armes liegen. Bei Lähmungen lassen sich die Funktionen des Armes und der Hand ungleich schwerer wiederherstellen als die von Bein und Fuß.

Häufig wird die Situation erschwert durch eine Lähmung der Rumpf- und Schultermuskulatur, was zu Fehlhaltungen des Armes mit schmerzhaftem Zug auf die Gelenkkapsel bis hin zur Schulterverrenkung führen kann (sogenannte schmerzhafte Schulter bzw. Schulter-Arm-Syndrom). Nicht unterschätzt werden darf die Wirkung auf den Rumpf, mit dem der Arm wie eine Art Widerlager verbunden ist. Zusammen mit der Rehabilitation des Armes muss also immer eine Behandlung der Rumpfmuskulatur erfolgen.

Nützliche Hilfen im Alltag

Wenn nötig, wird in der Krankengymnastik ebenfalls das Gehen trainiert. Oft sind hierbei Hilfsmittel nötig, zum Beispiel stabilisierende Schienen oder Gehhilfen wie ein Rollator oder ein Gehwagen. Die Hilfsmittel können in Zusammenarbeit mit den Ergotherapeuten individuell ausgewählt und angepasst werden.

Eine besondere Aufgabe kommt der Ergotherapie bei der Rehabilitation des Armes und der Hand zu. Deren Funktionen sind so komplex, dass es bereits speziell ausgebildete Handtherapeuten gibt. Hauptaufgabe der Ergotherapie ist das Wiederherstellen einer größtmöglichen Selbständigkeit und Handlungsfähigkeit in Alltagssituationen.

Es geht dabei um eigentlich banale Dinge, wie den Hosenknopf zum Toilettengang zu öffnen, ein Butterbrot zu schmieren oder einen Notizzettel zu schreiben. Diese und andere Tätigkeiten können viele Betroffene aber in ihrer momentanen Situation nicht selbst bewerkstelligen. Gezielte Anleitung und konsequentes Training sind nötig. Als Hilfsmittel in der Ergotherapie kommen beispielsweise Greifhilfen, Essbesteck mit dickeren Griffen oder spezielle Stifthalterungen zum Einsatz.

Neu sprechen lernen

Sich (schriftlich) verständlich machen zu können ist gerade für diejenigen wichtig, die nach ihrem Schlaganfall unter einer Störung der Sprach- und/oder Sprechfunktion (Aphasie) leiden. In einer solchen Situation kommt die Logopädie zum Zuge.

Bei Sprechstörungen ist allein der Vorgang des Sprechens gestört, hervorgerufen durch eine Lähmung der Kehlkopf- und Zungen-/Mundmuskulatur. Der Betroffene kann sich jedoch schriftlich ausdrücken und Gesprochenes verstehen. Liegt dagegen eine Sprachstörung vor, ist auch das Verständnis für Sprache und Schrift eingeschränkt oder aufgehoben. Eine Kommunikation ist dann maximal über Deuten auf Gegenstände oder Bildtafeln möglich.

Neben den typischen Sprach- und Sprechstörungen gibt es auch die Variante der überschießenden Sprachproduktion. Der Betroffene spricht dabei "ungebremst", jedoch nicht immer korrekt. Es kommt zu Versprechern, Worte werden ausgelassen oder neue Wortschöpfungen erfunden.

Trotz der Sprach- bzw. Sprechstörungen nehmen Betroffene ihre Umwelt und das Alltagsgeschehen um sie herum allerdings sehr wohl wahr und können sie ihren Möglichkeiten entsprechend einschätzen. Sie können dies nur ihren Mitmenschen nicht immer vermitteln und leiden häufig stark unter der Situation.

Die Prognose einer Aphasie ist abhängig von den sprachlichen Fähigkeiten vor dem Krankheitsereignis, von Ausdehnung und genauer Lage des Schlaganfalls, der Dominanz von linker oder rechter Hirnhälfte beim jeweiligen Betroffenen sowie von Alter und Nebenerkrankungen.

Schlucken – ein lebenswichtiger Mechanismus

Ebenfalls werden Logopäden tätig, wenn eine Schluckstörung (Dysphagie) besteht. Schluckstörungen sind häufig mit einer Sprechstörung vergesellschaftet. Beide beruhen auf einer Lähmung der Muskulatur im Mund und Kehlkopfbereich.

Die betroffenen Personen sind gefährdet, an ihrem eigenen Speichel zu ersticken. Im Liegen ist der Kopf daher so zu positionieren, dass der Speichel oder auch Erbrochenes ungehindert aus dem Mund abfließen können. Eventuell sind nach ärztlicher Verordnung Medikamente zu verabreichen, die die Speichelproduktion reduzieren.

Einschränkungen können selbstverständlich auch beim Essen und Trinken bestehen. Durch die reduzierte oder aufgehobene Mund- und Zungenmotorik ist es den Betroffenen nicht möglich, die Nahrung oder Flüssigkeit im Mund richtig zu steuern. Feste Nahrung kann eventuell nicht gekaut, der Nahrungsbrei (auch von passierter Kost) nicht aktiv im Mundraum nach hinten in Richtung Rachen transportiert werden. Ein korrekter Schluckakt wird nicht ausgelöst. Eingegebene Flüssigkeiten schwappen wie auch der Speichel aus dem Mund heraus oder eventuell in die Luftröhre.

Nicht immer ist dabei deutliches Husten vernehmbar. Oft wird ein Verschlucken sogar erst rückwirkend als solches erkannt, wenn Fieber, Auswurf und weiterer Infektionszeichen auftreten: Der Betroffene hat eine Aspirationspneumonie erlitten, eine Lungenentzündung durch unbemerktes Einatmen oder Hineinlaufen von Flüssigkeit oder Nahrung in die Lunge (stille Aspiration). Wie andere Formen der Lungenentzündung auch kann die Situation im schlimmsten Fall tödlich enden.

Langsamer Kostaufbau

Bevor das Schlucken nicht sicher funktioniert, sind Getränke und Nahrung daher nur von ausgebildetem Personal anzureichen, das im Notfall korrekt reagieren kann. Basis für ein Schlucktraining, das von Logopäden oder auch geschulten Krankenpflegekräften durchgeführt werden kann, ist stets eine aufrechte – schluckgerechte – Position, egal ob das Training im Sessel sitzend oder im Bett durchgeführt wird. Der Betroffene darf dabei nicht im Bauchbereich abgeknickt sein, sondern nur in der Hüfte, um ihm das Schlucken nicht noch schwerer zu machen.

Das Schlucktraining erfolgt primär mit Speisen in breiiger Konsistenz, wie zum Beispiel Joghurt oder Brei. Erst wenn der Betroffene diese Nahrungsmittel sicher schlucken kann, sollte auf Getränke und flüssige Nahrung wie Suppen übergegangen werden. Flüssigkeiten sind dabei zu Beginn stets anzudicken. Hierfür stehen verschiedene pulverförmige Verdickungsmittel (zum Beispiel Johannisbrotkernmehl) zur Verfügung, die in die Flüssigkeiten oder auch Saucen eingerührt werden können. Sie sind geschmacksneutral und erleichtern den Schluckversuch.

Oft sehr belastend: kognitive Einschränkungen

Neben den genannten Problemen im Bereich der Beweglichkeit und Mobilität, der Nahrungsaufnahme und Kommunikation sowie der Alltagsbewältigung kann es auch zu Schwierigkeiten im kognitiven Leistungsbereich kommen. Damit sind Störungen der Aufmerksamkeit, der Merk- und Lernfähigkeit, der optischen und akustischen Wahrnehmung, des Zeitgefühls, der Kreativität und Handlungsplanung, des räumlichen Vorstellungsvermögens und der Gefühlskontrolle gemeint.

In diesen Fällen kommen zusätzlich neuropsychologische Verfahren zum Einsatz. Eine umfangreiche Batterie an Tests stellt Einschränkungen in diesen Bereichen fest, die in der Akutsituation als eher zweitrangig galten oder noch gar nicht zutagegetreten waren. Sie bedürfen aber einer ebenso großen Aufmerksamkeit wie die rein körperlichen Einschränkungen, da sie bei den Betroffenen zu großen Ängsten und Selbstzweifeln führen können. Früher wurden einige der Tests ganz einfach mit Papier und Bleistift durchgeführt, heutzutage werden dagegen immer mehr computergestützte Verfahren verwendet.

Halbierte Welt: das Neglect-Phänomen

Neben neuropsychologischen Tests gibt es auch entsprechende Therapie- und Trainingsansätze. Sie kommen zur Anwendung, wenn ein Neglect-Phänomen besteht. Damit ist eine mehrdimensionale Vernachlässigung einer Raumseite gemeint.

Ein Neglect kommt vorwiegend bei rechtsseitigen Hirninfarkten vor. Reize auf der linken Körperseite bzw. die Kontaktaufnahme von der linken Seite her nimmt der Betroffene dann nicht wahr. Es liegt eine Störung der eigenen Lokalisation im Raum vor. Der Betroffene meint, sich deutlich weiter rechts zu befinden als es seiner objektiven Position entspricht.

Ein Neglect zeigt sich beispielsweise daran, dass der Betroffene stets schräg im Bett liegt oder – besonders eindrucksvoll – an der Tatsache, dass von einem Teller mit Essen nur die rechte Hälfte gegessen wird. Die Speisen auf der linken Hälfe nimmt der Betroffene nicht wahr. Sehen kann er sie allerdings, da keine Sehstörung vorliegt.

Zur Therapie des Neglects ist es wichtig, den Betroffenen eine hohe Reizfrequenz und -intensität von der linken Seite aus zu bieten. Die Reize können aus Ansprache, laufendem Radio, Anreichen von Gegenständen oder speziellem Aufmerksamkeits- und Blicktraining bestehen.

Akute Sturzgefahr beim Pusher-Syndrom

Manchmal liegt zusätzlich ein Pusher-Syndrom (engl. to push: "drücken") vor. Die subjektive virtuelle Körperachse ist dabei um etwa sieben Grad verschoben. Wenn der Betroffene gerade steht oder sitzt, hat er das Gefühl, sich in einer deutlichen Schräglage zu befinden. Die logische Konsequenz ist, dass er sich aus dieser für ihn unnormalen Position herausarbeiten möchte. Er drückt sich also kräftig in die Gegenrichtung, um subjektiv eine aufrechte Position im Raum einzunehmen.

Probleme ergeben sich durch die mangelnde Muskelkraft auf der paretischen Seite und dadurch, dass aufgrund der extremen Seitneigung kaum das Gleichgewicht gehalten werden kann. Die Betroffenen sind also in höchstem Maße sturzgefährdet.

Eine bessere Wahrnehmung der Körperachse ist oft erst nach vielen Wochen wieder möglich und erfordert ein spezielles Gehtraining mit mindestens zwei Therapeuten. Gleichgewicht, zunehmende Gewichtsbelastung auf der paretischen Seite und die Gehbewegung als solche müssen in Kombination trainiert werden.

Vielfältige Angebote unterstützen Sie

Ergänzend zu den bereits aufgeführten Behandlungsangeboten kommen häufig weitere Unterstützungs- und Beratungsangebote in Frage, wie zum Beispiel Ernährungsberatung, Sozialdienst oder die Seelsorge.

Ernährungsberater erläutern Betroffenen und Angehörigen eine gefäßgesunde Ernährung und helfen dabei, diese im Alltag umzusetzen.

Der Sozialdienst hilft bei der Entscheidung, ob eine Unterbringung im Pflegeheim oder vorübergehend in einer Einrichtung für Kurzzeitpflege sinnvoll und nötig ist, oder ob eine Rückkehr nach Hause denkbar ist. Auch bei der Suche nach einem Pflegeplatz bzw. bei den nötigen baulichen Umgestaltungen und Anschaffungen für die häusliche Versorgung bieten die Mitarbeiter vom Sozialdienst Informationen oder können den Kontakt zu kompetenten Ansprechpartnern herstellen.

Klinikeigene Seelsorger begleiten gläubige Menschen mit Schlaganfall und ihre Angehörigen in der für alle schwierigen Zeit.

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Prävention

Im Rahmen der Schlaganfalldiagnostik muss stets auch eine Ursachenforschung in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Störungen der Blutgerinnung erfolgen. Festgestellte Krankheiten müssen behandelt, Risikofaktoren ausgeschaltet werden.

Ein Schlaganfall kommt selten allein

Besonderes Augenmerk muss dabei auf der Vermeidung von weiteren Schlaganfällen liegen. Nach dem Erstereignis beträgt das Risiko, einen weiteren Schlaganfall zu erleiden, im ersten Monat 10%, im ersten Jahr etwa 30%. Von diesen Durchschnittswerten kann das Risiko des Einzelnen noch deutlich abweichen, abhängig von seinen persönlichen Vor- und Begleiterkrankungen sowie Risikofaktoren. Ebenso ist nach einem ersten Schlaganfall das Risiko für Herzinfarkte und Durchblutungsstörungen in den Beinen erhöht.

Was die Ärzte tun können

Sollten bei der Diagnostik zum Beispiel starke Ablagerungen und Verengungen in den Halsgefäßen festgestellt worden sein, so müssen diese in bestimmten Fällen operativ entfernt werden. Hier gibt es genaue Regeln, ab welchem Schweregrad eine Operation empfohlen wird.

Sind Verkalkungen der Halsschlagader Auslöser eines Schlaganfalls, so erfolgt als Therapie in der Regel die Gabe von Aspirin (ASS® 100mg) oder alternativ Clopidogrel 75mg. Aspirin und Clopidogrel sind sogenannte Plättchenhemmer. Das heißt, sie verhindern, dass Blutplättchen miteinander verkleben, sich innen an den Gefäßwänden ablagern und sie dadurch mit der Zeit verengen.

Diese Therapie wird auch gegeben, wenn kein offensichtlicher Auslöser eines Schlaganfalles nachgewiesen werden kann. Zusätzlich erhalten die meisten Betroffen ein sogenanntes Statin. Es senkt das Cholesterin und wirkt antientzündlich und schützend in den Gefäßwänden.

Bei zu großen Aussackungen der Gefäßwande kann vorbeugend operiert werden. Die Gefahr eines Schlaganfalls durch eine Blutung ist damit zumindest an der behandelten Stelle weitgehend gebannt.

Wird im Rahmen eines Schlaganfalles eine Herzrhythmusstörungen, ein Vorhofflimmern, festgestellt, so muss eine starke Blutverdünnung mit Marcumar® oder ähnlichen Blutverdünnern begonnen werden. Aspirin reicht in solchen Fällen in der Regel nicht aus.

Ein nachgewiesenes obstruktives Schlafapnoe-Syndrom ist konsequent mit einem Atemgerät zu behandeln, eine bekannte Thromboseneigung eventuell medikamentös einzustellen.

Was Sie selbst tun können

Das oben beschriebene Wohlstands-Syndrom lässt sich nicht durch einen operativen Eingriff therapieren. Hierbei bedarf es vielmehr grundlegender Veränderungen der eigenen Verhaltensweisen, um das individuelle Schlaganfallrisiko zu senken.

Regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Mischkost, Stressvermeidung und bei Bedarf Gewichtsreduktion und Nikotinverzicht sind dabei die Basismaßnahmen, die innerhalb kurzer Zeit und mit wenig Aufwand und Kosten umsetzbar sind.

Zur optimalen Einstellung von Blutdruck und Blutzucker, Herzrhythmus, Blutfett- und Gerinnungswerten sowie für eine weiterführende Gewichtsreduktion ist die Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt und die regelmäßige Einnahme von verordneten Medikamenten wichtig. Für Nikotin- und Alkoholabstinenz stehen über den Hausarzt unterstützende Ansprechpartner zur Verfügung.

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