Schlaflosigkeit ohne Ursache: Was ist eine psychophysiologische Insomnie?

Die psychophysiologische Insomnie ist ein Begriff aus der Schlafmedizin. Damit wird eine der häufigsten Formen von chronischer Schlaflosigkeit bezeichnet, die nicht durch eine andere körperliche oder seelische Erkrankung verursacht wird. Das Krankheitsmodell geht vielmehr davon aus, dass die Störung als Reaktion auf eine frühere Belastung entstanden ist und sich verselbständigt hat.

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Gefördert wird das Problem häufig durch ein Fehlverhalten, das den Schlaf beeinträchtigt. Daher sprechen Schlafmediziner auch von einer erlernten oder konditionierten Schlafstörung.

Typische Symptome sind:

  • Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen,
  • ein vermindertes Erholungsgefühl am Morgen,
  • eine reduzierte Leistungsfähigkeit tagsüber,
  • Unkonzentriertheit,
  • mitunter auch eine leichte Reizbarkeit
  • bis hin zu vermehrter Ängstlichkeit.

Die Einschlafneigung tagsüber kann normal oder erhöht sein.

Stresshormone treiben ihr Unwesen

Ob Ärger, Ängste, Stimmungstiefs, Sorgen oder ungelöste Konflikte – alles, was das Leben erschwert, begünstigt diese Art der Schlafstörung.

Wie Untersuchungen im Schlaflabor zeigen, kommt es neben dem verzögerten Einschlafen auch zu vermehrtem Leichtschlaf und reduzierten Tiefschlafphasen. Außerdem wurde eine erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen festgestellt. Sie ist Ausdruck verstärkter Erregung (Arousal-Reaktion), mit der die Betroffenen auf die äußeren oder inneren Belastungen reagieren.

Die erhöhte Erregbarkeit macht sich auf drei Ebenen bemerkbar:

  • Erstens körperlich durch Herzklopfen, Schwitzen, Zittern und körperliche Unruhe.
  • Zweitens seelisch durch Ängstlichkeit und innere Anspannung.
  • Und drittens gedanklich durch fehlendes Abschalten und ständiges Kreisen um ein einziges Thema: Wie wird mein Schlaf in dieser Nacht? Das Einschlafen fällt umso schwerer, je mehr es herbeigewünscht wird. In monotonen Situationen klappt es dagegen häufig (ungewollt) problemlos.

Schlafmittel nur als akuter Problemlöser

Eine wichtige Rolle bei dieser Form der Schlaflosigkeit spielen Probleme beim Umgang mit Stress und anderen Belastungen. Dies ist zugleich ein Ansatzpunkt für verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Um den Teufelskreis aus "unbedingt schlafen wollen" und "dadurch erst recht nicht schlafen können" zu unterbrechen, können auch Schlafmittel sinnvoll sein – aber nur für begrenzte Zeit.

Auf Deutsch übersetzt bedeutet psychophysiologisch übrigens „seelisch-körperlich“. Das deutet auf die engen Verflechtungen zwischen Körper und Seele hin, die beim gesunden wie gestörten Schlafen zum Tragen kommen – und bei weitem nicht nur dort, sondern nahezu überall in unserem Organismus. In anderen Bereichen der Medizin ist man von diesem Kenntnisstand leider offenbar noch meilenweit entfernt ...

Autor: Dr. Hubertus Glaser

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