Was sind die Symptome einer Schizophrenie?

Die Symptome schizophrener Menschen können Störungen verschiedener Bereiche betreffen: nämlich des Denkens und Wahrnehmens, des Gefühls (Affekt), des Handelns und des Ich-Erlebens. Wie äußert sich das nun konkret?

Erstmal vorneweg: Die eine Schizophrenie als zusammengehörige Krankheitseinheit mit klar definierten Symptomen gibt es nicht. Vielmehr kommen ganz unterschiedliche Erscheinungsformen der Erkrankung mit einer großen Vielfalt an Symptomen vor.

Schizophrenie . Traurigkeit - mann

Im Laufe der Geschichte der Psychiatrie hat sich aber mit der zunehmenden klinischen Erfahrung und der genauen Beobachtung betroffener Patienten eine Ordnung und Systematisierung von Symptomen herausgebildet, die sich im sog. Psychopathologischen Befund niederschlägt. Darin werden Symptome beschrieben und verschiedenen Ebenen zugeordnet. Und genau diese Ebenen sind bei schizophrenen Erkrankungen je nach Erscheinungsform in unterschiedlicher Weise und Ausprägung gestört.

Denken

Da ist zunächst die Ebene des Denkens. Hierbei wird nochmals unterschieden zwischen formalen und inhaltlichen Denkstörungen.

Bei den formalen geht es darum, wie gedacht wird. Bei schizophrenen Patienten ist das Denken z.B. oft zusammenhanglos und hat keinen roten Faden. Oder Gedanken werden nicht zu Ende geführt, was man auch beim Sprechen bemerkt. So brechen Menschen mit Schizophrenie Sätze etwa einfach ab oder fangen völlig zusammenhanglos an, plötzlich von etwas anderem zu erzählen. Die Gedanken sind vage, schief, verschwommen und nicht logisch. Begriffe und Worte können plötzlich eine andere Bedeutung haben, oder die Betreffenden bilden andere unbekannte Wortneuschöpfungen.

Die inhaltlichen Denkstörungen beschreiben dagegen, was gedacht wird. Hierzu gehört der Wahn, wie man ihn typischerweise mit der Schizophrenie verbindet. Der Wahnhafte beurteilt die Realität falsch, ist aber subjektiv vollkommen überzeugt und nicht davon abzubringen, selbst wenn man ihm die stärksten Gegenbeweise liefert.

Solche wahnhaften Überzeugungen können dem Patienten ganz plötzlich und unvermittelt in den Sinn kommen. Oder aber sie nehmen Bezug auf etwas durchaus Reales, das aber wahnhaft umgedeutet wird. Dann ist das Auto auf dem Parkplatz gegenüber kein einfacher Mercedes mehr, sondern ein mit allem Hightech ausgestattetes Spionagevehikel eines heimlichen ausländischen Agenten.

Der Wahn wird von Betroffenen selbst oftmals als äußerst unangenehm empfunden. Man muss sich nur einmal vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn man sich ernsthaft verfolgt und bedroht glaubt.

Wahrnehmung

Zu den Wahrnehmungsstörungen gehören die Halluzinationen, die bei Schizophrenen sehr häufig vorkommen. Charakteristisch ist vor allem das Stimmenhören. Der Patient meint, dass er angesprochen wird, oder er hört zwei Stimmen im Dialog miteinander. Besonders unangenehm ist es für ihn, wenn die Stimmen ihn beschimpfen oder ihm Befehle erteilen (sog. imperative Stimmen). Das kann sehr gefährlich werden, wenn der Betroffene sich beispielsweise zum Suizid aufgefordert fühlt.

Gefühle

Eine weitere Ebene ist die der Gefühle. Die Gefühlslage kann ängstlich, depressiv und anlehnungsbedürftig sein. In einzelnen Fällen kann die Stimmung aber auch gehoben oder gar euphorisch sein. Oft passen Stimmung und Situation nicht zusammen. Das nennt man einen "inadäquaten Affekt". Scheinbar unvereinbare Gefühle wie Freude oder Trauer können gleichzeitig nebeneinander bestehen.

Im Kontakt mit einem schizophrenen Patienten ist mit zunehmendem Fortschreiten der Erkrankung oft eine Verarmung und Verflachung der emotionalen Ausdrucksweise zu spüren. In der Folge kommt es immer stärker zu einem sozialen Rückzug und einer allgemeinen Interessenminderung.

Handeln und Psychomotorik

Diese Ebene bezieht sich auf die nach außen hin sichtbaren Äußerungen (Mimik, Gestik) und Verhaltensweisen. Insgesamt kann der Antrieb gesteigert oder gehemmt sein. Typisch sind festgefügte, ritualisierte Handlungsabläufe, die bizarr anmuten und nicht nachvollziehbar sind. In Extremfällen kann der Patient sogar für eine geraume Zeit in einer bestimmten Haltung erstarren. Ein vermehrter Redefluss oder das Gegenteil, ein völliges Verstummen, gehören ebenso zu den psychomotorischen Äußerungen.

Ich-Erleben

Bei den sog. Ich-Störungen ist das Erleben der eigenen Person verändert. Das "Ich" kann als gespalten erlebt werden oder als Gefühl, von außen beeinflusst bzw. fremdgesteuert zu sein. Eigene Gedanken, Gefühle und Körperteile werden als fremd und nicht zugehörig empfunden. Es kann dem Patienten so vorkommen, als ob seine Gedanken sich offen im Raum ausbreiten und von jedermann mitgehört werden können.

Auch die Umwelt kann andersartig erscheinen. Die normalerweise als selbstverständlich erlebte Ich-Identität ist dann verschwunden. Die Grenzen zwischen Ich und Umwelt weichen auf, und das Ich verliert die Kontrolle über sich selbst, was als sehr beängstigend erlebt wird.

Buntes Erscheinungsbild

Auf all diesen Ebenen kann es also zu Störungen kommen. Meist treten bei einem Patienten mit Schizophrenie gleich mehrere (aber nur sehr selten alle) der aufgeführten Symptome auf. Es gibt aber auch Schizophrenien, bei denen z.B. Wahnsymptome gar nicht vorkommen, obwohl sie normalerweise als erstes mit der Erkrankung in Verbindung gebracht werden. Schizophrenie ist daher nicht gleichzusetzen mit Wahn oder Halluzinationen!

Dennoch oder gerade deshalb ist es wichtig, die einzelnen Symptome genau zu erkennen und zu unterscheiden. Sie können nämlich einen Hinweis auf die jeweilige Form der Schizophrenie geben, an der der Patient leidet. Bei der sog. paranoid-halluzinatorischen Form sind vor allem Denken und Wahrnehmung betroffen; bei der hebephrenen Form steht der Affekt im Vordergrund; die katatone Form schließlich zeigt sich vorwiegend in psychomotorischen Veränderungen auf der Verhaltensebene.

Diese Einteilung nach bestimmten Formen ist übrigens nicht nur eine rein akademische Marotte von gelehrten Wissenschaftlern, sondern geht auch einher mit unterschiedlichen Therapien, Verläufen und Prognosen.

Autoren: Dr. med. Julia Hofmann & Eva Bauer (Ärztin)

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Kommentare (2)
paranoide Wahnvorstellungen
2 Samstag, den 18. November 2017 um 21:47 Uhr
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Also, an dem Blick erkennt man es schon sehr schnell, ob jemand Angst hat. Leute mit Schizophrenie haben diesen ängstlich feindseligen Blick. Durch die ständigen Halluzinationen kommt ein ausgeprägtes feindliches Misstrauen dazu, dass sie nicht zwischen Freund und Feind nicht unterscheiden können. Aus ihrer Sicht sind alles Feinde, sie in ihrem Wahn wollen sich eigentlich nur verteidigen.
Diagnose Schizophrenie
1 Donnerstag, den 17. August 2017 um 00:16 Uhr
Martin H Werner
Oben geschilderte Symptome sind zu vage bzw. zu allgemein gehalten, um aussagekräftig zu sein. Das trifft ja alles auf mindestens ein Drittel der Zeitgenossen zu! Präzisieren Sie Ihre Methoden!
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