Vorurteile: Die zweite Erkrankung bei Schizophrenie
"Menschen mit Schizophrenie sind gewalttätig." "Menschen mit Schizophrenie sind unberechenbar." Mit solchen (falschen) Vorurteilen haben viele Betroffene zu kämpfen. Im Beruf, bei Freunden und sogar in der Familie. Und die wenigsten, die so denken, sprechen es aus. Sie gehen einfach auf Distanz.
Dass diese Form der sozialen Stigmatisierung mindestens genauso belastend ist wie die Erkrankung selbst, darauf hat jetzt Professor Dr. Wolfgang Gaebel von der Universität Düsseldorf erneut hingewiesen. Er plädiert für "Antistigmaprogramme". Also Informationsprojekte, die in der Bevölkerung mit dem negativ und ängstlich besetzten Bild von der Schizophrenie durch gezielte Aufklärung aufräumen.
Für Menschen, die an Schizophrenie erkrankt sind, sei es heute praktisch unmöglich, sich öffentlich zu der Erkrankung zu bekennen, ohne nicht gravierende Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Zum Beispiel im Beruf oder auch bei der Wohnungssuche.
Immerhin ist Besserung in Sicht: Wie repräsentative Bevölkerungsbefragungen zeigen, haben Vorurteile und Distanz gegenüber Menschen mit Schizophrenie von 2001 bis 2004 leicht abgenommen. Auffälligerweise am meisten in Düsseldorf und München - beides Städte, in denen in dieser Zeitperiode Antistigmaprojekte durchgeführt wurden, so Gaebel.
WANC 24.11.05
