Schizophrenie: Wer erkrankt, ist reiner Zufall
Dass die Schizophrenie etwas mit den Genen zu tun hat, ist schon lange bekannt. Der genaue Zusammenhang ist aber immer noch unklar, denn es handelt sich ziemlich sicher nicht um eine Vererbung bestimmter Gene durch die Eltern auf die Kinder. Wenn dem so wäre, müsste die Schizophrenie schon längst ausgestorben sein, weil viele der Betroffenen keine Kinder bekommen.
Die Schizophrenie kommt aber unverändert häufig vor. Nun hat ein internationales Forscherteam sogenannte Spontanmutationen unter die Lupe genommen. Also Genveränderungen, die nach der Geburt entstehen - ohne dass man immer erklären kann, warum sie entstehen.
Und die Wissenschaftler sind fündig geworden. Sie identifizierten drei verschiedene Genmutationen, die bei Menschen mit Schizophrenie überzufällig häufig vorkommen. Nicht bei allen, aber bei einigen. Oder anders herum betrachtet: Wer dieses Mutationen hat bzw. entwickelt, hat ein um über 10mal höheres Risiko, eine Schizophrenie zu bekommen.
Wenn bestimmte Bruchstücke im Erbgut fehlen, steigt das Risiko
Bei allen drei Mutationsvarianten handelt es sich um sogenannte Deletionen. Unter Deletionen verstehen Genforscher den Verlust bestimmter Genabschnitte. Wenn also aus der DNA durch eine Spontanmutation ein Bruchstück herausgetrennt wird, ist das eine Deletion.
Und was bringt uns diese Erkenntnis? Nach Ansicht der Wissenschaftler könnten sich aus diesen Erkenntnissen neue medikamentöse Ansätze ergeben. Bis es soweit ist, werden aber sicher noch einige Jahre vergehen. Ein anderer Aspekt betrifft eher die Eltern der Schizophrenie-Erkrankten. Wenn Spontanmutationen die Erkrankung auslösen, können die oft quälenden Schuldfragen ("Haben meine Gene die Schizophrenie verursacht?") ad acta gelegt werden. Wer erkrankt und wer nicht, ist dann eher eine Frage des Zufalls.
WANC 31.07.08
Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
