Schizophrenie: Ursachen, Behandlung, Prognose

Überblick

Die Schizophrenie ist eine zu den Psychosen zählende Erkrankung, die mit einer extrem komplexen und vielfältigen Symptomatik einhergeht. In der Regel sind Teile Denkens, der Wahrnehmung, der Gefühlswelt sowie der Willkürmotorik gestört. Aber nicht jede Schizophrenie zeigt sich auf dieselbe Art und Weise, was eine Diagnosestellung oftmals erschweren und verzögern kann. In vielen Fällen kommt es jedoch im Verlauf der Erkrankung zu den drei Hauptsymptomen Halluzinationen (vor allem akustischer Natur), Wahnvorstellungen und Ich-Störungen.

Symptome: zu viel oder zu wenig

Allgemein werden die Symptome der Schizophrenie danach eingeteilt, ob zum gesunden Ausgangszustand „etwas hinzukommt“ (sogenannte Positivsymptome wie beispielsweise Halluzinationen) oder „etwas abgezogen“ wird (sogenannte Negativsymptome wie zum Beispiel Gefühlsverarmung). Während sich die Positivsymptome häufig gut behandeln lassen, sind Negativsymptome mit einem schlechteren Krankheitsverlauf assoziiert.

Die Diagnosestellung erfolgt nach bestimmten Kriterien des sogenannten ICD-10-Kataloges, der die Schizophrenie weiterhin in unterschiedliche Formen einzuteilen vermag. Die häufigste Form ist dabei die paranoide Schizophrenie, die von anderen Formen wie beispielsweise der hebephrenen oder der katatonen Schizophrenie abgegrenzt werden muss.

Drei Säulen der Behandlung

Zur Behandlung der Schizophrenie kommen unterschiedliche Maßnahmen zum Einsatz, welche sich in medikamentöse, psychotherapeutische und soziale Maßnahmen untergliedern lassen, kombiniert eingesetzt werden und in vielen Fällen ein annähernd normales Leben ermöglichen.

Die medikamentöse Behandlung erfolgt durch die Gabe sogenannter Antipsychotika, die den Dopaminhaushalt im Gehirn beeinflussen und sich günstig auf die Positivsymptomatik schizophrener Episoden auswirken können. Bewährte psychotherapeutische Maßnahmen sind die Psychoedukation sowie die kognitive Verhaltenstherapie, die beide das Ziel verfolgen, einen besseren Umgang mit Symptomen und Erscheinungsformen der Erkrankung zu erlernen. Das Leben mit einer Schizophrenie ist nicht einfach und erfordert in vielen Fällen nicht nur die Mitarbeit des Betroffenen selbst, sondern auch die des sozialen Umfeldes.

Definition

Die Schizophrenie ist ein psychiatrisches Störungsbild, das der Gruppe der Psychosen zugeordnet wird. Psychosen kennzeichnen sich durch den Verlust der Trennbarkeit von Wirklichkeit und eigener Wahrnehmung, was zu einem Verschwimmen der Ich-Umwelt-Grenze führt und die typischen Symptome der Erkrankung erklärt. Dazu zählen unter anderem:

  • Ich-Störungen
  • Wahnwahrnehmungen
  • Halluzinationen

Der Beginn der Erkrankung ist oft schleichend und verläuft in Schüben, wodurch eine Schizophrenie oftmals erst spät erkannt wird und behandelt werden kann. Charakteristisch für die Erkrankung ist zudem, dass das Umfeld die Persönlichkeitsveränderung der erkrankten Person in vielen Fällen zuerst registriert.

Häufigkeit

Weltweit erkrankt etwa einer von 100 Menschen an einer Schizophrenie, ungeachtet von Herkunft oder ethnischer Zugehörigkeit. Die Schizophrenie manifestiert sich dabei bevorzugt im jungen Erwachsenenalter zwischen 16 und 35 Jahren. Männer erkranken ebenso häufig wie Frauen, im Schnitt allerdings vier bis fünf Jahre früher.

Die Schizophrenie weist, anders als viele andere Erkrankungen, keine Unterschiede regionaler Auftretenshäufigkeiten auf. Allerdings ist die Gefahr, an einer Schizophrenie zu erkranken, bei familiärer Belastung höher: So steigt die Erkrankungshäufigkeit von 1% in der Allgemeinbevölkerung auf 5%, wenn ein Elternteil erkrankt ist und auf bis zu 50%, wenn beide Elternteile an einer Schizophrenie leiden.

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Ursachen

Bei der Schizophrenie handelt es sich um eine Erkrankung, zu deren Entstehung mehrere Faktoren beitragen. Aus diesem Grunde wird auch von einer multifaktoriellen Genese gesprochen. Ein bedeutender Erklärungsversuch zur Krankheitsentstehung bietet das Vulnerabilitäts-Stress-Coping-Modell, das das Zusammenspiel von Anfälligkeit für die Erkrankung, einwirkenden Stressoren und fehlenden Bewältigungsmechanismen beschreibt und letztlich die Krankheitsentstehung erklären soll.

Vulnerabilität

Es wird davon ausgegangen, dass manche Menschen anfälliger als andere sind, eine Schizophrenie zu entwickeln. Warum das so ist, konnte bisher nicht geklärt werden. Eine genetische Veranlagung scheint allerdings eine Rolle zu spielen, da die Wahrscheinlichkeit, an einer Schizophrenie zu erkranken, steigt, wenn enge Verwandte ebenfalls erkrankt sind. Diese neuropsychologische Anfälligkeit besteht also schon weit vor Ausbruch der ersten Symptome und bildet eine Art Grundstein für die Entstehung der Erkrankung.

Stress

Unter Stress werden bestimmte Faktoren zusammengefasst, die auf den Körper einwirken und in ihrer Summe zur Entwicklung der Schizophrenie beitragen. Unterschieden wird dabei zwischen endogenen, also körpereigenen, und exogenen, also aus der Umwelt entstammenden Faktoren. Als endogene Ursaschen gelten hormonelle Umstellungen wie beispielsweise der Eintritt in die Pubertät, während Cannabiskonsum ein bekannter exogener Auslöser für die Schizophrenie darstellt. Menschen, die eine Veranlagung zur Schizophrenie haben, sollten daher auf regelmäßigen Cannabiskonsum verzichten.

Coping

Coping (Bewältigungsstrategie) beschreibt den Umgang mit einer als schwierig empfundenen Situation. Im Fall der Schizophrenie reichen bei bestehender Anfälligkeit und einwirkenden Stressoren die Coping-Fähigkeiten nicht aus, um die Krankheitsentwicklung abzuwenden bzw. um mit entstandenen Symptomen umzugehen, diese richtig einzuordnen und eine Krankheitsentwicklung so zu vermeiden. Die jeweiligen Coping-Strategien tragen also entscheidend dazu bei, ob eine Krankheit ausbricht oder nicht.

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Symptome

Die Symptome einer Schizophrenie sind sehr vielfältig und kommen, jedes Symptom für sich genommen, auch bei vielen anderen Erkrankungen vor. Erst das Zusammenspiel der Symptome führt zum klinischen Bild der Schizophrenie. Typisch für eine Schizophrenie sind dabei das Auftreten von Positiv- und/oder Negativsymptomen.

Positivsymptome werden auch als Plussymptome bezeichnet und kennzeichnen sich dadurch, dass, vereinfacht gesagt, - „etwas hinzukommt“, was normalerweise nicht erlebt wird. Dazu zählen:

  • Ich-Störungen
  • Wahnvorstellungen
  • Halluzinationen
  • Denkstörungen

Bei Negativsymptomen, auch Minussymptome genannt, kommt es im Vergleich zu gesunden Menschen zu Einschränkungen des normalen Erlebens. Vereinfacht gesagt wird dem „Normalzustand“ etwas abgezogen. Beispiele für Negativsymptome sind:

  • Affektabflachung
  • Emotionaler und sozialer Rückzug
  • Antriebsarmut

Ich-Störungen

In der Psychologie wird von Ich-Störungen gesprochen, wenn es zu einem Verschwinden der Ich-Umwelt-Grenze kommt. Die Umwelt wird dabei beispielsweise als verändert, manipuliert oder als vollkommen fremd wahrgenommen. Ich-Störungen können sich dabei auf sehr unterschiedliche Art und Weise äußern. Für die Schizophrenie typisch sind Derealisation, Depersonalisation Gedankeneingebung, Gedankenentzug und Gedankenausbreitung:

  • Derealisation: Die eigentlich bekannte Umwelt wird als fremd, unvertraut und unwirklich empfunden, was sehr quälend sein kann und vielfach mit dem Gefühl der Entfremdung beschrieben wird.
  • Depersonalisation: Der eigene Körper wird als fremd empfunden. Beispielsweise kann das Gefühl bestehen, in einer Traumwelt zu leben oder dass Körper und Geist komplett losgelöst voneinander existieren.
  • Gedankeneingebung: Beschreibt das Gefühl, dass Gedanken und Vorstellungen von der Umwelt diktiert bzw. gelenkt oder vorgegeben werden und nicht frei sind.
  • Gedankenentzug: Beschreibt die Empfindung, dass Gedanken und Vorstellungen  von der Umwelt (beispielsweise von anderen Personen) entzogen werden.
  • Gedankenausbreitung: Bezeichnet das Gefühl, dass Gedanken laut werden, von Dritten gelesen oder gehört werden können und nicht länger persönlich und der Umwelt unzugänglich sind.

Wahnvorstellungen

Wahnvorstellungen treten im Rahmen der Schizophrenie mit etwa 80% sehr häufig auf. Typisches Erscheinungsbild ist dabei die sogenannte Wahnwahrnehmung, die eine Fehlinterpretation oder eine Umdeutung eines realen Ereignisses beschreibt. Beispielsweise wird ein Auto mit abgedunkelten Scheiben nicht mehr einfach als solches wahrgenommen, sondern als ein den Betroffenen verfolgendes Agentenauto des Geheimdienstes interpretiert. Folglich entsteht aus einer unaufgeregten Situation eine Situation allumfassender Bedrohung, die Ängste schüren und zu unangemessenen Verhaltensweisen führen kann.

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Halluzinationen

Halluzinationen treten mit 50% etwas seltener auf als Wahnvorstellungen. Im Gegensatz zum Wahn ist eine Halluzination eine Sinnestäuschung, bei der Dinge gesehen oder gehört werden, die im realen Leben nicht existieren.

Für die Schizophrenie besonders typisch sind akustische Halluzinationen, die sich in Form imperativer, kommentierender oder dialogisierender Stimmen äußern. Imperative Stimmen erteilen Befehle, kommentierende beurteilen das Verhalten und dialogisierende führen Zwiegespräche, die für Außenstehende nicht hörbar sind. Akustische Halluzinationen sind sehr belastend, da sie keine Ruhe geben und die Konzentration auf eine Sache nahezu unmöglich machen.

Denkstörungen

Im Rahmen der Schizophrenie kommt es vor allem zu formalen Denkstörungen. Dabei ist nicht der Inhalt, sondern der Ablauf des Denkens gestört, was sich in sprachlichen Äußerungen widerspiegelt.

Klassische Beispiele für eine formale Denkstörung sind die Denkhemmung, bei der es zu einer Verlangsamung des Gedankenganges kommt bzw. Gedankenkreise, bei welchen ein und derselbe Gedanke immer wieder gedacht wird. Diese Symptome treten vor allem im Rahmen einer Depression auf.

Für die Schizophrenie sind jedoch andere formale Denkstörungen typisch, insbesondere das zerfahrende Denken sowie Gedankensprünge mit unlogischen Verknüpfungen von Inhalten und Worten. Beispielsweise werden Worte neu erfunden (Neologismen) oder in einem Satz ganz verschiedene Inhalte besprochen, ohne dass ein Übergang geschaffen wird. Auf Außenstehende wirken formale Denkstörungen befremdlich und werden häufig mit einer reduzierten Intelligenz in Verbindung gebracht.

Affektstörungen

Störungen des Affektes sind typische Negativsymptome der Schizophrenie, die sich beispielsweise in Gefühlsverarmung oder Gefühlskälte, aber auch in Ratlosigkeit äußern. Doch auch völlig unangemessene Gefühle können im Rahmen der Schizophrenie auftreten: So ist es nicht untypisch, wenn die Reaktion auf eine freudige Nachricht Trauer ist und umgekehrt.

Vielfach sind auch Verhalten bzw. Mimik und Gestik der Situation nicht angemessen. So kommt es zum Beispiel vor, dass auf eine ernste Situation mit Albernheit geantwortet wird (läppischer Affekt).

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Verlaufsformen

Es existieren zahlreiche Variationen, in denen sich eine Schizophrenie präsentieren kann. Die verschiedenen Formen unterscheiden sich dabei teils gravierend anhand ihrer Symptomatik voneinander. Die häufigste Form ist die paranoide Schizophrenie, die oft einfach als Schizophrenie bezeichnet wird.

Paranoide Schizophrenie

Bei der paranoiden Schizophrenie stehen vor allem Wahnvorstellungen und Halluzinationen im Vordergrund der Symptomatik. Vielfach herrscht das Gefühl vor, verfolgt zu werden oder „dass etwas im Gange ist“. Die paranoide Schizophrenie tritt meistens bereits im jungen Erwachsenenalter von 20 bis 30 Jahren auf und besitzt eine relativ gute Prognose.

Hebephrene Schizophrenie

Unter Hebephrenie wird eine Störung des Affektes verstanden, die mit läppischen Äußerungen und unpassendem Verhalten einhergeht. Typisch sind unangemessene emotionale Verhaltensweisen wie unreife Albernheit oder übertriebene Heiterkeit, obwohl kein Grund für diese Emotionen besteht.

Charakteristisch sind außerdem sprunghafte Denkweisen, ein unberechenbares Auftreten sowie das Fehlen von halluzinatorischen Symptomen. Die hebephrene Schizophrenie entwickelt sich oftmals schon in der Adoleszenz und vielfach bei Persönlichkeiten mit Vorliebe für Religion, Philosophie oder anderen abstrakten Themen.

Katatone Schizophrenie

Die Katatonie bezeichnet einen Symptomkomplex, der aus motorischen und psychischen Symptomen besteht und charakteristisch für diese Form der Schizophrenie ist. Im Zentrum der Erkrankung stehen dabei Bewegungsstörungen, die entweder zu überschießender Erregung führen oder mit Stupor einhergehen können.

Die Bewegungsstörungen umfassen unter anderem:

  • Akinese: Verlangsamung der Bewegungsabläufe
  • Stupor: Absolute Reglosigkeit bei erhaltendem Bewusstsein
  • Katalepsie: Lang andauernde Haltungsstarre in Körperhaltungen, die teilweise sehr unbequem sein können. Ein Beispiel ist das sogenannte Oreiller psychique („psychisches Kopfkissen), das eine liegende Körperhaltung beschreibt, in der der Kopf des Patienten so in der Luft schwebt, als läge er auf einem Kissen.
  • Bewegungsstereotypien: Bezeichnen sich wiederholende Bewegungen, die keinerlei Funktion erfüllen. Ein Beispiel hierfür sind wiegende Bewegungen des Rumpfes oder Kopfschütteln.

Psychische Symptome, die im Syndrom der Katatonie häufig auftreten, sind:

  • Mutismus: Wortkargheit bzw. vollständiges Verstummen, ohne dass das Sprachvermögen beeinträchtigt ist
  • Negativismus: Verhaltensweise, in der immer genau das Gegenteil des Gesagten oder Gewünschten getan wird
  • Echolalie und Echopraxie: Automatisches Nachsprechen oder Nachmachen von Gesagtem bzw. Getanem, ohne dabei auf Sinn oder Inhalt zu achten

Schizophrenia Simplex

Die Schizophrenia Simplex ist durch die progrediente Zunahme der Negativsymptomatik gekennzeichnet, die zu einem schleichenden Verlust der Konzentrations- und Leistungsfähigkeit führt. Typisch ist zudem ein abnehmendes Interesse an allen Dingen, die früher wichtig waren bzw. Spaß bereitet haben. Positivsymptome wie Halluzinationen und Wahn können im Verlauf auftreten, sind jedoch eher eine Ausnahme. Auf Außenstehende wirken Menschen mit Schizophrenia Simplex „eigenbrötlerisch“ und „verschroben“.

Diagnose

Die Diagnose Schizophrenie zu stellen ist schwer, da sich die Erkrankung, besonders zu Beginn, auf sehr unterschiedliche Art und Weise zeigen kann. Einen speziellen Schizophrenie-Test gibt es nicht, die Diagnose wird aus diesem Grund anhand bestimmter Kriterien (sogenannte ICD-10-Diagnosekriterien) gestellt.

Nach diesen Kriterien liegt eine Schizophrenie dann vor, wenn mindestens einer der folgenden Punkte über mindestens einen Monat kontinuierlich besteht:

  • 1. Ich-Störungen: wie Gedankeneingebung, Gedankenentzug oder Gedankenausbreitung
  • 2. Wahn: Typisch sind vor allem Verfolgungswahn, Kontrollwahn, Vergiftungswahn und Wahnwahrnehmungen.
  • 3. Anhaltender Wahn: kulturell unangemessener, bizarrer oder völlig unrealistischer Wahn wie beispielsweise die Überzeugung, Messias zu sein oder übermenschliche Kräfte zu besitzen
  • 4. Akustische Halluzinationen: vor allem kommentierende oder dialogisierende Stimmen

Oder wenn mindestens zwei der folgenden Kriterien gemeinsam über einen Zeitraum von mindestens einem Monat bestehen bleiben:

  • 5. Anhaltende Halluzinationen ungeachtet der Sinnesmodalität, die täglich über Wochen und Monate auftreten
  • 6. Formale Denkstörungen: Typisch für die Schizophrenie sind Gedankenabreißen, Denkzerfahrenheit oder Neologismen.
  • 7. Katatonie
  • 8. Negativsymptome wie Apathie, Sprachverarmung, sozialer Rückzug oder inadäquater Affekt auf bestimmte Situationen

Sorgfältige Abklärung wichitg

Liegen eines oder mehrere dieser Symptome vor, ist eine Schizophrenie wahrscheinlich. Bei Erstdiagnose sollten aber eine Reihe weiterer Untersuchungen durchgeführt werden, um keine andere Ursache für die Beschwerden zu übersehen.

Wichtig ist eine umfassende Labordiagnostik, um Entzündungen, Vergiftungen aufgrund von Leber- oder Niereninsuffizienz, Schilddrüsenfunktionsstörungen und Drogenintoxikationen auszuschließen. Weiterhin sollte eine Bildgebung des Gehirns mittels MRT oder CT durchgeführt werden, um behandelbare Veränderungen des zentralen Nervensystems wie beispielsweise einen Tumor, eine Blutung oder ein Trauma auszuschließen.

Differentialdiagnose

Es gibt zahlreiche Krankheitsbilder, die sich ähnlich einer Schizophrenie äußern, von dieser jedoch abgegrenzt werden müssen. Nicht immer gelingt dies leicht, ist jedoch für die Wahl der richtigen Therapieform unerlässlich.

Schizotype Störung

Die schizotype Störung ist eine Persönlichkeitsstörung, die auf Dritte schizophren wirken kann. Typisch sind ein exzentrisches Verhalten mit bizarren, beinahe paranoiden Ideen sowie Denkanomalien. Ähnlich einer Schizophrenie zeigt der schizoide Typ einen verminderten Affekt sowie Tendenzen zum sozialen Rückzug. Vielfach kommt es in regelmäßigen Abständen zu Episoden wahnhafter Zustände, die von akustischen Halluzinationen begleitet werden können. Diese Phasen verlaufen häufig selbstlimitierend und haben nur selten dieselben emotionalen und sozialen Konsequenzen, die für eine paranoide Schizophrenie typisch sind.

Wahnhafte Störung

Bei der wahnhaften Störung besteht als einziges Symptom ein langandauernder, mindestens über drei Monate bestehender Wahn. Die anderen Symptome einer Schizophrenie werden nicht erfüllt.

Charakteristisch für den Wahn ist, dass er als komplexes System in den Alltag des Betroffenen eingebaut wird und nicht als einzelner Baustein einer Krankheit existiert. Es werden dabei einzelne Lebensereignisse miteinander verknüpft und zu einem wahnhaften Konstrukt aufgebauscht. Beispielsweise gelten vorbeifahrende Autos als Beweis dafür, verfolgt zu werden, während die Bauarbeiter auf der gegenüberliegenden Straßenseite gerade dabei sind, das Haus mit Abhörleitungen zu bestücken.

Induzierte wahnhafte Störung

Eine induzierte wahnhafte Störung ist ein sehr interessantes Phänomen, das eher selten auftritt. Es handelt sich um eine wahnhafte Störung zweier Personen, die emotional in enger Verbindung stehen. Während eine der beiden Personen dabei tatsächlich an einer psychotischen Störung erkrankt ist, kommt es bei der zweiten Person zu einem symbiotischen Wahn. Das bedeutet, dass der zweite Partner aufgrund der Krankheit des ersten ebenfalls eine wahnhafte Störung entwickelt, die sich nach Trennung des Paares normalerweise zurückbildet. Die induzierte wahnhafte Störung ist mit einer Ko-Abhängigkeit bei Suchterkrankungen vergleichbar.

Behandlung

Die Behandlung der Schizophrenie fußt auf unterschiedlichen Säulen und verfolgt das Ziel, ein Leben zu ermöglichen, das von der schizophrenen Symptomatik weitgehend unabhängig ist. Im Vordergrund der Behandlung steht die medikamentöse Therapie, die in der Regel von psychotherapeutischen und sozialen Maßnahmen begleitet wird.

Medikamentöse Therapie

Die Therapie mit Psychopharmaka ist der wichtigste Baustein zur Behandlung der Schizophrenie. Zum Einsatz kommen Medikamente aus der Gruppe der Antipsychotika, die über unterschiedliche Mechanismen sowohl Positiv- als auch Negativsymptomatik gut beeinflussen können.

Zur Verfügung stehen:

  • Typische Antipsychotika, die wiederum unterteilt werden in hoch- und niederpotente typische Antipsychotika, und
  • Atypische Antipsychotika

 

Typische Antipsychotika

Wirkstoffe aus der Gruppe der typischen Antipsychotika werden je nach Wirkmechanismus weiter unterteilt in hoch- bzw. mittel- und niedrigpotente Antipsychotika. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie die Wirkung von Dopamin über eine Blockade sogenannter D2-Rezeptoren hemmen und auf diese Weise die Positivsymptomatik der Schizophrenie verringern können. Weiterhin haben sie eine einschläfernde Wirkung, die mit abnehmender Potenz des Medikamentes kontinuierlich ansteigt.

Zu den hochpotenten Substanzen zählen:

  • Haloperidol (Haldol®)
  • Benperidol (Glianimon®)
  • Flupentixol (Fluanxol®)
  • Fluphenazin (Lyogen®)
  • Perphenazin (Decentan®)

Die Gruppe der mittel- und niedrigpotenten Substanzen umfasst folgende Substanzen:

  • Chlorpromazin (Megaphen®)
  • Melperon (Eunerpan®, Melneurin®)
  • Levomepromazin (Levium®, Neurocil®)
  • Chlorprothixen (Truxal®)
  • Promethazin (Atosil®, Closin®, Proneurin®, Prothazin®)

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung

Typische Antipsychotika senken alle die Krampfschwelle im Gehirn und können als wichtige Nebenwirkung Krampfanfälle provozieren. Für die Gruppe der hochpotenten Antipsychotika sind als Nebenwirkung weiterhin Störungen willkürlicher Bewegungsabläufe (extrapyramidal-motorische Störungen, auch EPS genannt) typisch.

EPS können sich auf unterschiedliche Art und Weise äußern. Zu Beginn kommen häufig Zungen- und Schlund-, aber auch Blickkrämpfe vor. Des Weiteren können Bewegungsarmut, Händezittern, Muskeltonuserhöhung und Sitz- bzw. Stehunruhe auftreten. Im Verlauf kommt es vielfach zu nicht kontrollierbaren stereotypen Kau- und Schmatzbewegungen sowie wurmartig, ausfahrenden Bewegungen der Arme und Beine.

EPS sind bei niedrig- und mittelpotenten Antipsychotika seltener, dafür führen diese Medikamente gehäuft zu Mundtrockenheit, Blendungsempfindlichkeit, Verstopfung und Herzrhythmusstörungen. Auch Gewichtsschwankungen sind klassische Nebenwirkungen der niedrig- und mittelwirksamen typischen Antipsychotika.

 

Atypische Antipsychotika
Medikamente aus der Gruppe der atypischen Antipsychotika entfalten Ihre Wirkung nicht nur an Dopamin-Rezeptoren, sondern auch an einer Reihe anderer Rezeptoren. Dabei konnte gezeigt werden, dass einige atypische Antipsychotika eine gute Wirkung auf die Negativsymptomatik besitzen, was sie von den typischen Substanzen unterscheidet, die hauptsächlich die Positivsymptomatik beeinflussen.

Unangenehm: häufig Gewichtszunahme

Weiterhin haben Atypika weitaus weniger motorische Nebenwirkungen (EPS) als typische Substanzen. Dennoch sind sie nicht grundsätzlich nebenwirkungsärmer. Unter atypischen Antipsychotika treten vor allem Beeinträchtigungen des Stoffwechsels wie Gewichtszunahme oder Diabetes mellitus auf. Außerdem kann es zu Veränderungen des Blutbildes sowie zu verschiedenen Nebenwirkungen am Herzen kommen. Die wichtigsten Substanzen aus der Gruppe der atypischen Antipsychotika sind:

  • Clozapin (Elcrit®, Leponex®)
  • Olanzapin (Zypadhera®, Zyprexa®)
  • Quetiapin (Seroquel®)
  • Risperdon (Risperdal®, Riscon®, RispeCare®, Risperigamma®)
  • Amisulprid (Solian®, Deniban®)

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Alle Fragen und Antworten zur medikamentösen Therapie
Rund um einzelne Wirkstoffe und Präparate

Unterstützende psychotherapeutische Maßnahmen

Bei der Behandlung einer Schizophrenie sind psychotherapeutische Verfahren zur Unterstützung der medikamentösen Therapie sehr wichtig. Besonders die Psychoedukation sowie die kognitive Verhaltenstherapie haben sich als supportive Maßnahmen im Alltag mit der Erkrankung bewährt.

 

Psychoedukation

Unter Psychoedukation wird die Aufklärung über die psychische Erkrankung und Behandlungsmöglichkeiten sowie über Methoden zur Rezidivprophylaxe verstanden. Ziel diese Therapieform ist es, Sie im Umgang mit Ihrer Erkrankung zu schulen, zu selbstverantwortlichem Handeln zu motivieren sowie Sie in Ihrer Krankheitsverarbeitung zu unterstützen. Psychoedukation wird von Ärzten oder Psychologen durchgeführt und kann besonders in Kombination mit verhaltens- oder gesprächstherapeutischen Verfahren gute Wirkung zeigen.

 

Kognitive Verhaltenstherapie

Die kognitive Verhaltenstherapie hat sich besonders in den letzten Jahren zur Behandlung der Schizophrenie durchgesetzt. Diese Therapieform zielt darauf ab, schizophrene Züge und Verhaltensmuster zu erkennen, zu akzeptieren und zu bewältigen. Beispielsweise werden Halluzinationen nicht als krankhaft betrachtet, sondern als Phänomene des menschlichen Gehirns, die auch bei vollkommen gesunden Menschen hin und wieder vorkommen können.

So soll eine Akzeptanz geschaffen werden, die es Ihnen ermöglicht, sich von den Halluzinationen abzugrenzen und sich nicht von ihnen leiten zu lassen. Über diesen Weg sehen Psychologen auch eine Möglichkeit, Negativsymptome wie Antriebsarmut und Gefühlskälte zu behandeln.

Soziale Maßnahmen

Die Diagnose Schizophrenie kann das ganze Leben auf den Kopf stellen. Vielfach stellt sie für Betroffene und Angehörige aber auch eine Erleichterung dar, da mit dem Erkennen der Erkrankung auch eine Behandlung möglich wird.

Der Umgang mit der Erkrankung ist nicht immer leicht. Freunde und Verwandte wissen häufig nicht, wie sie auf die Diagnose reagieren bzw. in Zukunft mit Ihnen umgehen sollen. Aus diesem Grund ist ein offener Umgang mit der Erkrankung wichtig. Nur so können Unsicherheiten oder furchteinflößende Fragen besprochen und weitere Pläne geschmiedet werden. Besonders für Familien werden zu diesem Zweck zunehmend auch Hilfestellungen wie Familientherapie oder Tagesklinikplätze angeboten.

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Komplikationen

In Folge der Schizophrenie kann es zu länger andauernden depressiven Phasen kommen, die das Krankheitsbild gänzlich verändern können und vielfach auch eine Therapieumstellung erforderlich machen. Von einer postschizoiden Depression wird dann gesprochen, wenn einige schizophrene Symptome noch vorhanden sind, das klinische Bild jedoch fortan von der Depression dominiert wird. Der Übergang in eine Depression ist oft schleichend und verläuft in vielen Fällen unbemerkt, was ein erhöhtes Suizidrisiko darstellt.

Prognose

Wie sich eine Schizophrenie längerfristig entwickelt, lässt sich nur schwer vorhersagen. Während manche Menschen sehr gut mit der Erkrankung zurecht kommen, die Medikamente gut vertragen und ein annähernd normales Leben führen können, werden für andere immer wieder stationäre Krankenhausaufenthalte nötig. Eine Reihe von Studien konnte mittlerweile Prädiktoren für einen negativen bzw. positiven Verlauf der Schizophrenie ermitteln.

Faktoren, die mit einem günstigen Verlauf der Erkrankung assoziiert sind, sind:

  • weibliches Geschlecht
  • extrovertierte Persönlichkeit
  • verheirateter Familienstand
  • viele soziale Kontakte
  • akuter Krankheitsbeginn
  • kurze und seltene schizophrene Episoden

Faktoren, die mit einem eher ungünstigen Verlauf der Schizophrenie in Verbindung stehen sind:

  • männliches Geschlecht
  • alleinstehend
  • sozial schlecht integriert
  • schleichender Krankheitsbeginn
  • überwiegend Negativsymptomatik
  • lange und häufige schizophrene Episoden

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Wichtige Fragen zum Umgang mit Schizophrenie-Patienten

 

Autorin: Lisa Wunsch

Quellen

M. Berger: Psychische Erkrankungen, Klinik und Therapie, Elsevier, 2012.

T. Payk, Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie, Thieme, 2013.

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN): S3-Leitlinie Schizophrenie, http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/038-009k_S3_Schizophrenie_01.pdf, zuletzt aufgerufen am 02.03.2017.

Ärzteblatt: Kognitive Verhaltenstherapie zeigt Wirkung bei Schizophrenie, https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/57523/Kognitive-Verhaltenstherapie-zeigt-Wirkung-bei-Schizophrenie, zuletzt aufgerufen a, 02.03.2017.

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