Gicht: Oft zu spät behandelt

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Die Stoffwechselerkrankung Gicht wird häufig nicht richtig behandelt. Da es zu Beginn der medikamentösen Therapie oft zu einer Verschlimmerung der Beschwerden kommt, scheuen offenbar viele Ärzte davor zurück. Das zumindest berichtet Prof. Stefan Schewe, Rheumatologe in München, in einer Publikation der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie.

 

Am großen Zeh fängt es oft an

Etwa 2% der Deutschen erkranken irgendwann in ihrem Leben an Gicht. Dabei kommt es aufgrund eines Stoffwechseldefekts zu einem massiven Anstieg von Harnsäure im Körper. Die Harnsäure (hat nichts mit Urin zu tun) bildet aus diesem Übermaß heraus Kristalle, die sich in Gelenken und Organen ablagern. Und das tut weh. Die abgelagerten Kristalle entzünden sich und können mitunter erhebliche Schmerzen verursachen.

Zum ersten Mal passiert das oft am großen Zeh. Dort nämlich lagern sich die Harnsäure-Kristalle besonders gern ab. Ein solcher Gichtanfall äußert sich meist wie eine akute Entzündung: Das Gelenk rötet sich, schwillt an und ist enorm schmerzhaft. Nach ein paar Tagen ist der Spuk oft vorbei und der Gichtanfall klingt wieder ab. Aber er kehrt garantiert zurück, wenn man nichts unternimmt.

 

Es geht darum, die Harnsäure zu senken

Da es sich bei der Gicht meist um eine angeborene Stoffwechselerkrankung handelt, ist die Behandlung vor allem symptomatisch. Das heißt: Die Harnsäure im Körper muss reduziert werden. Entweder mit Medikamenten, die die Produktion von Harnsäure hemmen. Oder mit Arzneimitteln, die die Ausscheidung von Harnsäure beschleunigen. Tut man das nicht, drohen chronische Schäden an Gelenken und Organen, die dann kaum mehr zu behandeln sind.

Leider beginnt die medikamentöse Behandlung aber zunächst mit einer paradoxen Reaktion: Die Beschwerden werden schlimmer. Das hängt damit zusammen, dass die Medikamente zahlreiche abgelagerte Harnsäure-Kristalle auflösen, was dann kurzfristig sogar zu einem Anstieg der herumirrenden Harnsäure führt – das kann durchaus bis zu einem Gichtanfall führen. Diese Gefahr lässt sich zwar durch die Einnahme weiterer Begleitmedikamente reduzieren. Aber ganz ausschließen lässt sich das Problem nicht. Trotzdem muss man da durch, sonst wird es noch schlimmer.

 

Ernährung: wenig Fleisch, Fett und Alkohol

Übrigens kann man auch mit der Ernährung eine Menge gegen seine Gicht tun. Gerade bei noch moderaten Harnsäure-Werten (z.B. 8,5-9 mg/dl) gelingt es oft, allein damit die Werte zu senken und Gichtanfälle zu verhindern.

Und was muss man dafür essen? In Kurzform: möglichst wenig Fleisch und Fisch (nicht mehr als 150 Gramm täglich), wenig Fett, keine Innereien und möglichst wenig Alkohol (auch Bier enthält reichlich Harnsäure). Auch Kohl (Rosenkohl) und Hülsenfrüchte enthalten relativ viel Harnsäure. Günstig sind dagegen Milchprodukte und Eier, weil sie fast harnäurefrei sind. Ach ja, eine Gewichtsreduktion und viel Trinken helfen auch.

Autoren: WANC/Dr. med. Jörg Zorn, 04.08.2011
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie

 

 

Fremdwörterlexikon

prev
next

Rheuma

Mit Rheuma werden Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat bezeichnet, die mit fließenden, reißenden und ziehenden Schmerzen einhergehen. Oft liegt zusätzlich eine funktionelle Einschränkung ...

Lexikon Rheuma

Weiterlesen

NSAR

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) sind eine Klasse von Medikamenten, die gegen Schmerzen, Entzündungen und Fieber wirken. Der Begriff "nicht-steroidal" bezieht sich auf die chemische Struktur dieser ...

Lexikon Rheuma

Weiterlesen

Arthritis

Arthritis ist der medizinische Fachausdruck für ...

Lexikon Rheuma

Weiterlesen

Spondylitis ankylosans

Spondylitis ankylosans ist die medizinische Bezeichnung für den Morbus ...

Lexikon Rheuma

Weiterlesen

TNF-Blocker

TNF-Blocker sind Arzneistoffe, die in der Behandlung von entzündlichen Erkrankungen Anwendung finden. Sie sind Hemmstoffe des Signalstoffs Tumornekrosefaktor (TNF), der an der Steuerung der Zellaktivität des Immunsystems beteiligt ist. TNF ...

Lexikon Rheuma

Weiterlesen

Rheumafaktor

Der Rheumafaktor ist ein Baustein in der Diagnose zahlreicher rheumatischer und nicht-rheumatischer Erkrankungen. Er wird im Blut, in der Regel im Serum, bestimmt. Beim Rheumafaktor handelt es sich um Autoantikörper ...

Lexikon Rheuma

Weiterlesen

Radiosynoviorthese

Die Radiosynoviorthese (von radio radioaktives Isotop, Synovialis Gelenkschleimhaut, Orthese Wiederherstellung; kurz RSO), angloamerikanisch radiation synovectomy, ist ein nuklearmedizinisches Verfahren zur Behandlung von chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen, z. B. Rheumatoide Arthritis oder aktivierte ...

Lexikon Rheuma

Weiterlesen