Was passiert genau in einer Psychotherapie?

In einer Psychotherapie ereignet sich eine Art besonderer hilfreicher oder heilsamer Kommunikation zwischen Ihnen und Ihrem Therapeuten. Anders gesagt, im besten Fall hat diese Kommunikation, die oft in Form von Gesprächen stattfindet, eine heilende Wirkung auf Sie. Zumindest aber, wenn eine Heilung nicht oder nicht vollständig stattfinden kann, wird Ihr seelisches Leid gelindert. Ihnen wird es in der Regel mit der Zeit besser gehen. Doch das ist ein Prozess und dauert seine Zeit.

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Die Gespräche oder die therapeutische Arbeit finden in einem geschützten und vertraulichen Rahmen statt. In diesem gesamten Rahmen werden Sie Ihr Leid mit Hilfe des Therapeuten verstehen lernen. Sie finden heraus, wozu es da ist und können es  verändern. Diese positive Beziehungserfahrung entfaltet heilsame Wirkung. Das ist sozusagen die ideale Vorstellung.

Nicht immer steht die Kindheit im Mittelpunkt

Es gibt nun verschiedene Therapieverfahren – und nicht selten kommen Elemente aus dem einen oder anderen Verfahren in der Therapie mit vor. Je nach Verfahren stehen also entweder mehr die Vergangenheit im Mittelpunkt und damit oft auch Ihr Kindheitserleben.

Oder aber, Ihr Therapeut folgt der Annahme, dass Verhalten in der Regel erlernt ist und auch wieder neu oder anders gelernt werden kann. Sie betrachten genauer mit Ihrem Therapeuten, wie Sie ein Verhalten gelernt haben oder was Ihr Verhalten auslöst und warum Ihnen, salopp gesagt, immer die gleichen leidvollen Dinge widerfahren. Dabei muss eben nicht genau ergründet werden, wo Ihr Leiden seinen Ursprung hat. Es geht um die Analyse Ihres Verhaltens und um ein Umlernen oder Neulernen dieses Verhaltens.

Die Beziehung wirkt

Oder aber, der Schwerpunkt der Psychotherapie liegt auf der therapeutischen Beziehung selbst. Das heißt, die Beziehung steht im Mittelpunkt. Sie erleben durch den Therapeuten Wärme, Mitgefühl und Verständnis. Das sollte zwar in jeder Therapien spürbar sein – hier ist es jedoch das Kernelement.

Das heißt, der Therapeut folgt Ihnen und Ihrem Erleben. Für ihn gilt, Sie kennen sich selbst am besten. Sie wissen, was gerade möglich ist und was nicht. Und Sie wissen auch, was Ihnen helfen könnte. Aber sie können es ohne professionelle Hilfe nicht sehen, es ist nicht im Bewusstsein. Der Therapeut hilft Ihnen also dabei, das selbst herauszufinden.

Es können wie gesagt auch verschiedene Elemente verschiedener Verfahren in einer Therapie zusammen kommen. Der Name des Verfahrens oder die strenge Einhaltung einer einzigen Verfahrenstechnik spielen weniger eine Rolle. Entscheidend ist, dass Therapeut und Klient in einen guten und hilfreichen Kontakt, in eine gute Beziehung zueinander kommen.

Was ist der Unterschied zu Gesprächen mit Freunden oder Verwandten?

Die Gespräche in diesem Rahmen unterscheiden sich deutlich von Alltagsgesprächen oder gut gemeinten Gesprächen, wie sie Eltern mit ihren Kindern führen oder ein Freund mit dem anderen Freund, um in akuter seelischer Not zu helfen. Handelt es sich nämlich um ein andauerndes oder tiefergehendes psychisches Leid, hat Ihr Therapeut professionelle Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen, um die Gründe oder Ursachen im Gespräch gezielt und mit Ihnen zusammen zu erforschen. Dabei spielen eben auch nicht-sprachliche Ereignisse in der gemeinsamen Kommunikation eine Rolle, auf die Ihr Therapeut achtet. Zum Beispiel Gestik, Mimik oder Körperhaltung oder psychosomatische Beschwerden und Körperreaktionen.

Wie die Beziehung selbst zwischen Ihnen beiden ist, sollte ebenfalls in der einen oder andern Sitzung Gegenstand der Gespräche sein, um Verhaltensweisen oder Reaktionsweisen genauer zu verstehen und dadurch verändern zu können.

Autorin: Christa Kosmala, psychologische Beraterin (M.A. / Master of Counselling)

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