Gibt es rezeptfreie Medikamente gegen Tinnitus?

Ja. Im Handel werden rezeptfreie Medikamente zur Behandlung von Tinnitus angeboten. Die frei verkäuflichen Präparate setzen sich im Wesentlichen aus den Wirkstoffen Ginkgo biloba und Etilefrin zusammen. Zudem können auch Naturheilmittel wie Rosenwurz und Taigawurzel gegen Tinnitus helfen. Aber Vorsicht: Frei erhältlich heißt nicht frei von Nebenwirkungen.

Ginkgo biloba

Der Ginkgobaum ist eine uralte, ursprünglich in China beheimatete Heilpflanze, die die Durchblutung und das Gedächtnis verbessern soll. Die wirksamen Inhaltsstoffe der Pflanze befinden sich hauptsächlich in den Ginkgo-Blättern. Das daraus gewonnene Extrakt soll die Fließeigenschaft des Blutes verbessern und daher zu einer besseren Blutversorgung des Ohres beitragen, sodass der Tinnitus leiser wahrgenommen wird.

Außerdem soll sich Ginkgo aufgrund seiner Wirkung gegen Bakterien und Pilze positiv auf die Ohren auswirken und dabei helfen, eine bereits bestehende Infektion zu lindern. Ob Ginkgo bei Tinnitus aber tatsächlich helfen kann, konnte bis jetzt noch nicht eindeutig wissenschaftlich bewiesen werden.

Etilefrin

Der Arzneistoff bewirkt eine Verengung der Gefäße und regt das Herz an, kräftiger zu schlagen. Er erhöht damit den Blutdruck und kommt bei Kreislaufproblemen wie Schwindel, Schwäche, Schwarzwerden vor den Augen und Schweißausbruch zum Einsatz. Etilefrin wirkt allgemein bei Beschwerden, deren Ursache ein zu niedriger Blutdruck (Hypotonie) ist.

Rosenwurz und Taigawurzel

Der Extrakt aus der "Goldenen Wurzel", wie der Rosenwurz auch genannt wird, soll sich positiv bei körperlichen und geistigen Erschöpfungszuständen (Stress) auswirken und Zellschädigungen vorbeugen. Er beeinflusst zentrale Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin, die für unsere Stimmung und Konzentration wichtig sind.

Außerdem soll Rosenwurz die sogenannten Glückshormone befeuern, während die Ausschüttung von Stresshormonen gedämpft wird. Bei einem Tinnitus kann Rosenwurz bewirken, dass er als weniger störend empfunden wird.

Auch die Taigawurzel soll eine ähnliche Wirkung besitzen und gegen Belastungen und Stress vorbeugen. Ihr werden anregende und das Immunsystem stärkende Wirkungen nachgesagt.

Folgende rezeptfreie Medikamente können gegen Tinnitus eingesetzt werden. Die Wirkstoffe sind entweder in Form von Filmtabletten, Kapseln, Tropfen oder auch als Lösung in der Apotheke erhältlich.

  • Gingiloba
  • Craton
  • Gingium
  • Binko
  • Ginkopur
  • Kaveri
  • Rökan
  • Tebonin
  • Thomasin
  • Effortil
  • Rhodiolan
  • Taigawurzel

Fragliche Wirkung

Wichtig: Auch wenn diese Medikamente gegen Ohrensausen rezeptfrei sind, sollten Betroffene sie nicht ohne vorherige Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker einnehmen.

Denn die blutverdünnende Eigenschaft von Ginkgo-Präparaten kann sich zum Beispiel negativ in Kombination mit anderen Medikamenten (Wechselwirkungen sind möglich) auswirken. Zudem kann es wie bei jedem anderen Medikament auch zu Nebenwirkungen kommen. Außerdem sind die Präparate nicht für alle Personen (z.B. Schwangere) geeignet.

Insgesamt fehlt für sämtliche Medikamente, die bei Tinnitus eingesetzt werden, ein valider wissenschaftlicher Nachweis über deren Wirksamkeit. Das gilt auch für rezeptfreie Präparate und Nahrungsergänzungsmittel. Es sind noch viele qualitativ hochwertige und aussagekräftige Studien nötig, um bewerten zu können, was bei lästigen Ohrengeräuschen wirklich Linderung verschafft.

Autoren: Nina Schratt-Peterz, Eva Bauer (Ärztin)

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