Tinnitus: Welche Medikamente verschreiben Ärzte?

Medikamente, die nachweislich gegen einen Tinnitus wirken, gibt es bis heute nicht. Allerdings kommen einige Arzneimittel zur Behandlung eines akuten Tinnitus infrage, welche die Symptome lindern können oder sogar dazu beitragen, dass das Ohrensausen wieder verschwindet.

Zur Behandlung von Ohrgeräuschen kommen hauptsächlich durchblutungsfördernde Medikamente, Cortison-Präparate und lokale Betäubungsmittel zum Einsatz. Die Wirkstoffe werden meist in Form von Infusionen (bei leichten Fällen auch in Tablettenform) verabreicht.

Die Gabe von Medikamenten bei Tinnitus verfolgt dabei folgende drei Behandlungsziele:

  • Verbesserung der Innenohrdurchblutung
  • Normalisierung der gestörten Signalverarbeitung im Innenohr und Hörnerv
  • Normalisierung der Nervenaktivität in den Hörzentren des Gehirns

Den Blutfluss verbessern

Liegen keine organischen Ursachen vor, wird in der Regel eine Infusionstherapie mit durchblutungsfördernden Medikamenten eingeleitet. Ziel ist es, die Durchblutung des Innenohres zu verbessern.

Zum Einsatz kommen dabei Wirkstoffe, die das Blutvolumen vergrößern und die Fließeigenschaften des Blutes im Innenohr fördern (sogenannte Plasmaexpander), wie auch Substanzen, die zur Erweiterung der Blutgefäße beitragen (sogenannte Vasodilatatoren). Die Infusionsbehandlungen werden dabei täglich über einen Zeitraum von bis zu 10 Tagen durchgeführt.

Hochdosiertes Cortison

Wenn die Ursache für das Ohrgeräusch unbekannt ist, kann des Weiteren auch eine Cortison-Therapie durchgeführt werden. Eine Behandlung mit Cortison kann zudem erfolgen, wenn eine Erkrankung des Innenohrs, ein Hörsturz, die Menière-Krankheit oder ein Lärm- oder Knalltrauma den Tinnitus ausgelöst hat.

Wie genau Cortison bei Tinnitus wirkt, ist nicht bekannt. Man geht davon aus, dass die Präparate eine durchblutungsfördernde und entzündungshemmende Wirkung besitzen. Zudem soll sich der Wirkstoff positiv auf die geschädigten Haarzellen im Innenohr auswirken und darüber hinaus der Bildung von Wasseransammlungen (Ödemen) entgegenwirken.

Das Cortison wird meist direkt mittels einer Injektion in die Blutbahn gespritzt oder auch per Infusion zugeführt. Dabei wird die Therapie mit einer relativ hohen Dosis (500 mg pro Tag) begonnen, die man für drei Tage aufrechterhält. Die Therapie erfolgt insgesamt 10 Tage lang, wobei die Dosis ab dem dritten Tag langsam wieder reduziert wird.

Außerdem können folgende Medikamente verwendet werden:

  • Glutamatrezeptorenblocker wie Caroverin: Glutamat ist der wichtigste Botenstoff, um Höreindrücke weiterzuleiten.
  • Lokale Betäubungsmittel wie beispielsweise Novocain oder Lidocain
  • Kalziumantagonisten zur Senkung des Blutdruckes
  • Antioxidantien wie Vitamin E Präparate: Man geht davon aus, dass die Haarzellen im Innenohr bei Tinnitus unter einem Sauerstoffmangel (oxidativem Stress) leiden.
  • Antibiotika, wenn der Tinnitus in Zusammenhang mit einer Mittelohrentzündung auftritt

Je früher die Behandlung, desto besser

Wichtig: Eine Infusionsbehandlung mit Medikamenten ist nur in den ersten zwei bis drei Monaten nach Auftreten des Tinnitus sinnvoll. Am besten ist es, wenn eine medikamentöse Therapie möglichst schnell, d.h. innerhalb von 24 Stunden, nachdem der Tinnitus zum ersten Mal aufgetreten ist, eingeleitet wird. Denn je kürzer der Tinnitus andauert, desto besser lässt er sich behandeln und verschwindet wieder.

Ein Tinnitus, der länger als drei Monate anhält, gilt als chronisch und lässt sich mit Medikamenten nicht mehr behandeln. Zur Behandlung eines chronischen Tinnitus gibt es allerdings andere Therapiemöglichkeiten. Diese zielen jedoch weniger darauf ab, die Ohrengeräusche zu beseitigen als vielmehr, sie möglichst wenig wahrzunehmen und sich von ihnen nicht beeinträchtigen zu lassen.

Autorin: Nina Schratt-Peterz

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