Umweltbelastungen: Weniger Einkommen, mehr Lärm und Abgase

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Menschen mit niedriger Bildung oder niedrigem Einkommen leiden häufiger unter Verkehrslärm und schlechter Luft als andere Teile der Bevölkerung. Vor allem in städtischen Gebieten mit einem starken Verkehrsaufkommen sind die gesundheitlichen Belastungen durch Feinstaub und Lärm besonders hoch.

„Auch Menschen in sozial benachteiligten Vierteln brauchen ein gesundheitsförderndes Wohnumfeld. Das zu garantieren ist Aufgabe der Umweltpolitik und ihrer Kooperationspartner“, fordert der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth. Das UBA hat festgestellt, dass Umweltbelastungen in Deutschland sozial ungleich verteilt sind.

 

Je reicher, desto grüner die Umgebung

Besonders auffällig ist die Lage bei Familien mit geringem Einkommen und niedrigem Bildungsstand. Sie sind besonders häufig von Lärm und Luftverschmutzungen betroffen. In Wohngebieten mit unteren Einkommensschichten mangelt es zudem an Grünanlagen. Das zeigen Befragungen und Studien in München, Berlin und dem Ruhrgebiet.

Auswertungen der Schulanfängerstudie Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 2010 bestätigen diesen Trend. Demnach leben Magdeburger Kinder aus Familien mit hohem Sozialstatus häufiger in Wohnungen mit geringerer Exposition gegenüber Verkehrsimmissionen, zum Beispiel  Stickstoffdioxid und Feinstaub, als Familien mit niedrigem Sozialstatus.

Unterm Strich ist das alles wenig überraschend.

 

Auch ein globales Problem

Die Weltgesundheitsorganisation WHO betont, dass die auf die Gesundheit einwirkenden Umweltfaktoren, die unser Wohlbefinden negativ beeinträchtigen können, außerordentlich vielfältig sind. Umwelteinflüsse können beispielsweise für chronische und komplexe Erkrankungen wie Asthma und Allergien mit verantwortlich sein. Als Risikofaktoren bezeichnet die WHO Luftverunreinigungen, Trinkwasserqualität, Klimawandel, Chemikalien, schadstoffhaltige Produkte und Lebensmittel, Lärm, Feinstaub, Ozon, UV-Strahlung oder elektromagnetische Strahlung.

Weltweit sind jährlich 4 Millionen Tote durch Umweltschäden zu beklagen, und 24% aller Krankheiten sind durch Umweltfaktoren bedingt, die durch gezielte Vorbeugung und Programme zu vermeiden wären. Das schreibt die WHO in einem Bericht vom Juni 2006. Dabei erkranken besonders oft Kinder umweltbedingt: Jede dritte Krankheit sei bei ihnen darauf zurückzuführen.

Insgesamt sind Umweltrisiken der WHO zufolge in Entwicklungsländern größer als in Industriestaaten. In armen Ländern seien vor allem Durchfallerkrankungen und Malaria stark verbreitet, in reichen Ländern dagegen sei der Anteil der umweltbedingten Herz-Kreislauf-Erkrankungen sieben Mal höher als in Ländern der Dritten Welt.

WANC 14.07.2011
Quelle: UMID-Ausgabe „Umweltgerechtigkeit“ 2/2011

 

Share on Facebook: Das gefällt mir

Diesen Artikel zum eigenen Facebook-Profil posten. Hier einfach klicken