Handystrahlung: Kann Lernprozesse behindern

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Ob Handystrahlung schädlich ist oder nicht, dazu gibt es nicht nur unterschiedliche Meinungen, sondern auch erhebliche Unterschiede in den Ergebnissen von Studien. Wissenschaftler der Ruhr Universität Bochum (RUB) haben die Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder, wie sie von Mobiltelefonen freigesetzt werden, auf die geistige Leistungsfähigkeit untersucht. Sie konnten nachweisen, dass starke Handy-Strahlung im Versuch tatsächlich Lernprozesse im Gehirn behindert, unabhängig von möglichen anderen Einflussfaktoren wie Stress.

 

Handys erwärmen das Gehirn - wenn auch nur leicht

Hochfrequente elektromagnetische Felder (HEF) werden nicht nur vom Mobilfunk, sondern auch von anderen Kommunikationssystemen wie Hörfunk, Fernsehen oder Schnurlostelefonen genutzt. Handys der sogenannten dritten Generation nutzen die UMTS-Technik (Universal Mobile Telecommunication System) mit 2100 MHz und relativ schwachen Feldstärken (3,8–4,8 V/m). HEFs erzeugen mit zunehmender Stärke im Körper Wärme, Experten nennen das den thermischen Effekt.

Schätzungen zufolge lösen Handys eine schwache, lokale Erwärmung des Gehirngewebes von weniger als 0,1°C aus. Ihre Auswirkungen auf Funktion und Struktur des Gehirns bei Langzeitanwendung (z.B. >30 min.) ist jedoch nicht geklärt, räumen die RUB-Wissenschaftler ein.

Darüber hinaus gibt es unklare und widersprüchliche Aussagen zu den sogenannten nicht-thermischen Effekten von Handyfeldern. Dazu gehört zum Beispiel eine stärkere Durchlässigkeit der Zellwände, was zu Veränderungen des Ionenkanaleinbaus und der Stoffwechselprozesse führen kann, auch wenn keine Temperaturänderung messbar ist. Daraus könnten Beeinträchtigungen bei Lernprozessen im Gehirn entstehen. Bisherige Experimente konnten aber nur unzureichend klären, ob es sich bei diesen Ergebnissen um die Effekte nicht-thermischer HEF-Wirkung oder um die Auswirkungen von Stress handelt, der z.B. durch Umsetzen von Versuchstieren in eine ungewohnte Umgebung entsteht.

 

Gefahr für Personal in Sicherheitsdiensten?

In dem Versuch führte allein schon der experimentelle Ablauf trotz Trainings und ungezwungener Vertrautmachung der Tiere mit der Expositionsanlage zu messbarem Stress. Dieser beeinflusst deutlich synaptisches Lernen und Gedächtnisbildung im Gehirn der Ratte. Starke elektromagnetische Felder (SAR 10 W/kg) beeinflussen ebenfalls das Lernen und die Gedächtnisbildung. Dagegen führen schwache elektromagnetische Felder (SAR 0 und 2 W/kg) zu keiner messbaren Beeinträchtigung.

„Diese Ergebnisse kann man zwar nicht ohne Weiteres auf Menschen übertragen“, sagt Dr. Nora Prochnow (Medizinische Fakultät der RUB). „Aber sie zeigen am Tiermodell, dass elektromagnetische Felder im Prinzip Lernprozesse im Gehirn beeinträchtigen können. Sorgen braucht man sich trotzdem nicht zu machen: Menschen sind beim Telefonieren nicht ausreichend starken Feldern ausgesetzt. Anders sieht es in speziellen berufsbedingten Situationen aus, wie z.B. bei der Nutzung von körperassoziierten Antennen, wie sie in Sicherheitsdiensten und zu militärischen Zwecken verwendet werden. Dabei werden die höheren für Arbeiter definierten Expositionsgrenzwerte schneller erreicht und müssen kontrolliert werden.“

WANC 23.06.2011
Quelle: PLoS ONE 6(5): e19437. doi:10.1371/journal.pone.0019437

 

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