Risiken von Funk- und Handystrahlen: Keine einfachen Antworten

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Sind sie nun gesundheitsgefährlich oder nicht – die elektromagnetischen Felder und Strahlungen, die beispielsweise von Funkantennen oder von Mobiltelefonen ausgehen? Die Antworten auf diese Frage fallen recht unterschiedlich aus. Ein schweizrisches Forschungsprogramm hat nun festgesetellt, dass die Strahlen biologische Prozesse beeinflussen können - etwa die elektrische Hirnaktivität während des Schlafs. Doch zwischen der alltäglichen Strahlenexposition und der menschlichen Gesundheit haben sie keinen Zusammenhang festgestellt. Mit einer Ausnahme: Ungeborene Kinder sind gefährdet.

Fünf Milliarden Mobiltelefone waren letztes Jahr weltweit im Einsatz und es werden immer mehr. Doch nicht nur die Nutzung von Handys steigt, gleichzeitig steigt auch die
Benutzung weiterer Geräte und Technologien, die mit elektromagnetischen Feldern und Strahlungen einhergehen, etwa W-LAN oder drahtlose Telefone.

 

Risiken umstritten

Was das für Umwelt und menschliche Gesundheit bedeutet, ist ziemlich umstritten. Es gibt viel Studien, die die Harmlosigkeit der Strahlen nachweisen wollen. Zumindest geben sie Entwarnung, dass die elktromagnetische Strahlung keine negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Doch Zweifel bleiben bestehten. Und nicht nur, weil viele der positiven Ergebnisse aus Studien stammen, die sowohl von Netzbetreibern wie Handyherstellern finanziert werden. Immer wieder tauchen auch Untersuchungen auf, die diese Gefahrenlosigkeit nicht unterstreichen.

In der Schweiz hat ein Nationales Forschungsprogramm – das NFP 57 - nun versucht, während vier Jahren eine Klärung herbeizuführen. Allerdings: Es scheint immer noch keine einfachen Antworten zu geben. Einige Forschungsprojekte des NFP 57 haben bestätigt, dass sich nichtionisierende Strahlung nachweislich auf biologische Prozesse in Zellen und Organen auswirken. So haben Forschende zum Beispiel mit Zellkultur-Experimenten ausmachen können, dass sich Strangbrüche im Erbgut als Folge der Strahlung geringfügig häufen, ohne dass die DNA direkt geschädigt wird.

In einer Studie, in der zum ersten Mal Daten über die Mobiltelefonbenutzung und die tatsächliche Strahlenexposition der Bevölkerung erhoben wurden, konnte jedoch kein Zusammenhang zwischen der alltäglichen Strahlenexposition und Störungen der menschlichen Gesundheit gefunden werden.

 

Vorsicht während der Schwangerschaft

Insgesamt hat die Forschung des NFP 57 keine alarmierenden, neuen Tatbestände zu Tage gefördert, welche eine Anpassung der gesetzlichen Bestimmungen oder ein Eingreifen seitens der Behörden notwendig erscheinen lassen würden. Mit einer Ausnahme: Bisher wurde der erhöhten Schutzbedürftigkeit von Föten im Bauch zu wenig Beachtung geschenkt, wie eine
Modellierungsstudie gezeigt hat.

Niels Kuster und seine Kollegen von der IT’IS Stiftung haben simuliert, wie viel elektromagnetische Strahlung die ungeborenen Kinder im dritten, siebten und neunten Monat der Schwangerschaft erreicht. Dabei haben sie festgestellt, dass die Exposition eines Fötus über den für die Allgemeinbevölkerung gültigen Grenzwerten zu liegen kommt, wenn die werdende Mutter maximalen Arbeitsplatzexpositionswerten ausgesetzt ist. Um eine übermäßige Exposition der ungeborenen Kinder zu vermeiden, sollten die Produktstandards von technischen Geräten am Arbeitsplatz, insbesondere von Induktionskochherden, angepasst werden.

Das Team um Peter Achermann vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich hat festgestellt, dass sich die Hirnstromwellen im Schlaf ändern, wenn die Probanden vor dem Einschlafen der Strahlung eines halbstündigen Mobiltelefongesprächs ausgesetzt werden. Die – im Vergleich zu einer Scheinexposition im Kontrollexperiment – veränderte Hirnaktivität wirkt sich jedoch weder auf Struktur und Dauer der verschiedenen Schlafphasen aus, noch ist sie der subjektiv empfundenen Schlafqualität abträglich.

Das Team um Martin Röösli vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel hat für eine Bevölkerungsstichprobe von über 1.000 Personen aus der Region Basel auf Fragebögen Angaben zu gesundheitlichen Aspekten der Lebensqualität erhoben und diese mit der alltägliche Strahlenexposition verglichen. Dabei zeigte sich, dass die durchschnittliche Exposition von 0.21 Volt pro Meter weit unter dem in der Schweiz gültigen Grenzwert liegt, und dass es zwischen dem Gebrauch von mobilen oder drahtlosen Telefonen und
gesundheitlichen Störungen keinen Zusammenhang gibt – auch nicht für Personen, die sich selbst als sehr empfindlich gegenüber elektromagnetischen Strahlungen bezeichnen.

Noch sei nicht klar, ob die nachgewiesenen Effekte im Gehirn und in den Zellen für die menschliche Gesundheit von Bedeutung sind, sagt eine Mitteilung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Eine Formulierung, die man fast immer findet, wenn unabhängige Forschungseinrichtungen zu diesem Thema Kommentare abgeben. Das ist bei deutschen Stellen nicht anders.

WANC 17.05.2011/ Quelle: Nationales Forschungsprogramm «Nichtionisierende Strahlung – Umwelt und Gesundheit» (NFP 57)

 

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