Bisphenol A: Der Stoff, der auch aus der Konservendose kommt
Bisphenol A ist eine Chemikalie, die in vielen Dingen des täglichen Lebens steckt. Beispielsweise in Lebensmittelverpackungen, Getränkeflaschen, Babyflaschen, Zahnfüllungen, Thermopapier und DVDs. Viele sagen, dass Bisphenol A eine gefährliche Chemikalie ist, weil sie in den Körper des Menschen gelangt. Industrie und EU-Behörden wiegeln ab und sehen keine Gefahren. Eine neue Studie belegt nun, dass Bisphenol A aus den Dichtungsfolien der Konservendosen austreten und sich schnell im Körper anreichern kann.
Um das 20fache höhere Urinwerte nach Konserven-Suppe
Die Auseinandersetzung um Bisphenol A dauert schon lang. Die Gegner machen immer wieder auf die Gefahren aufmerksam. Die Chemikalie wirkt hormonaktiv und beeinflusst die Fortpflanzungsfähigkeit von Männern negativ. Außerdem soll sie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leberschäden, Diabetes sowie Veränderungen an den Gehirnzellen hervorrufen. Dagegen bewertet die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA Produkte auf Bisphenol-A-Basis für Verbraucherinnen und Verbraucher derzeit als unbedenklich.
Bisher wurde unterstellt, dass die Chemikalie schnell wieder ausgeschieden wird. Die neue US-amerikanische Studie macht jetzt deutlich, dass sich Bisphenol A dennoch schnell zu hohen Werten anreichern kann. Mitarbeiter einer Forschungeinrichtung in Boston erhielten fünf Tage lang eine Gemüsesuppe zum Mittag, die eine Hälfte von ihnen eine frisch zubereitete, die andere aus der Konservendose. Bei den Mitarbeitern, die die Dosensuppe verzehrt hatten, stieg der Bisphenol-A-Wert im Urin um das 20fache an: von einem Durchschnittswert von 1,1 auf 20,8 Mikrogramm/Liter.
Grenzwerte unklar und umstritten
Die Wissenschaftler betonen, dass sie nicht beurteilen können, welche gesundheitlichen Folgen derartige Belastungen haben. Wie unterschiedlich die Meinungen tatsächlich sind, zeigt die Situation in Deutschland. Hier existiert der Grenzwert einer Tagesdosis von 0,05 Milligramm. Das Umweltbundesamt hält diesen Wert für deutlich zu hoch, denn schon bei geringeren Mengen seien gesundheitschädliche Veränderungen zu bemerken.
WANC 25.11.2011
Quelle: JAMA, online Nov. 22, 2011; in Nov. 23/30
