Medikamente: Der Fluch der Nebenwirkungen
Die meisten Medikamente haben über 70 mögliche Nebenwirkungen. Zu den Medikamenten mit den meisten Nebenwirkungen gehören Mittel gegen Depressionen und Infektionen. Mediziner der Indiana University analysierten dazu die Angaben auf den Beipackzetteln von 5.600 Medikamenten.
“Die Zahl der angeführten Nebenwirkungen ist in den vergangenen Jahren eindeutig gewachsen", berichtet Johannes Pleiner-Duxneuner, Leiter des Koordinierungszentrums für Klinische Studien der Medizinischen Universität Wien. Je nach Medikamententyp variiert die Anzahl der möglichen Nebenwirkungen enorm. Liegt es bei den geläufigsten Mitteln noch knapp unter 100, so reicht es in Extrembeispielen sogar auf 525. Tendenziell die meisten Nebenwirkungen lösen Antidepressiva, antivirale Medikamente, Parkinson-Mittel und neue Behandlungsformen für das "Restless-Legs"-Syndrom aus. Bei von Haut- und Augenärzten verschriebenen Medikamenten sind die Folgen hingegen weniger komplex.
Viele Nebenwirkungen im Beipackzettel bedeuten nicht, dass man welche bekommt
Eine hohe Zahl von Nebenwirkungen deuten allerdings nicht automatisch darauf, dass die Einnahme des Medikaments gefährlicher ist, betont Studienautor Jon Duke. "Eine lange Liste hat weniger mit echter Toxizität zu tun als mit Schutz der Hersteller vor möglichen Klagen." Pleiner-Duxneuner bestätigt dies. "Bei so gut wie jeder Arznei sind als Nebenwirkungen Kopfweh, Übelkeit und Schwindel angeführt. Oft dürfte das jedoch auch auf die Studiensituation zurückgehen, die die Probanden oft als neu und unheimlich erleben. Die Erwartungshaltung, ein experimentelles Mittel einzunehmen, sorgt auch für Plazebo-Effekte."
Neben dem Bestreben der Pharmaindustrie zu vollständigen Angaben habe auch die Sensibilisierung der Ärzte zu dieser Entwicklung geführt. Die Dokumentation und Meldung von auftretenden unerwünschten Wirkungen im Spitalsbereich habe sich deutlich gebessert, wenngleich es im niedergelassenen Bereich noch Rückstände gibt. "Insgesamt sind dadurch die Zulassungskriterien viel schärfer geworden. Ältere Medikamente würden teils den Weg auf den Markt gar nicht mehr schaffen, wie etwa Aspirin, das bei manchen Patienten zu Magenblutungen führt", räumt Pleiner-Duxneuner ein.
WANC 17.06.2011
Quelle: Archives of Internal Medicine, pte
