Hautkrebs durch Sonnenlicht: Viren fördern Entstehung
Unser sonnenhungriges Freizeitverhalten wie Reisen in südliche Länder, Sonnenbaden oder ausgedehnte Outdoor-Aktivitäten fördert die Entstehung von schwarzem (Melanom) und weißem Hautkrebs (Spinaliom und Basaliom). Das sagen Experten. Doch sie bezweifeln, dass UV-Licht allein für die Krebsentstehung verantwortlich ist. Denn in den letzten Jahren hatten Ärzte beobachtet, dass Empfänger von Organtransplantaten, deren Immunsystem dauerhaft durch Medikamente gedämpft wird, bis zu hundertmal häufiger an weißem Hautkrebs erkranken als die Normalbevölkerung. Verantwortlich dafür sind bestimmte Viren – die sogenannten humanen Papillomviren.
Papillomviren auf der Haut fördern weißen Hautkrebs
Die Wissenschaftler hatten erkannt, dass bestimmte humane Papillomviren (HPV) Hautveränderungen hervorrufen, die zu weißem Hautkrebs entarten können. Außerdem wurde in weißen Hautkrebszellen das Erbgut dieser Viren entdeckt. Bei den unter Verdacht stehenden Viren handelt es sich um Erreger der so genannten „beta-HPV“-Gruppe. Es sind nahe Verwandte von HPV16 und 18, die Harald zur Hausen und seine Mitarbeiter bereits in den 1980er Jahren als Ursache für den Gebärmutterhalskrebs entdeckt hatte. Für diese Entdeckung erhielt zur Hausen 2008 den Nobelpreis für Medizin.
HPV sind außerordentlich gut erforscht. So ist es bekannt, dass die beiden Virusgene E6 und E7 dafür verantwortlich sind, dass infizierte Zellen zu Krebs entarten. Das Forscherteam fand heraus, dass die obere Hautschicht (Epidermis) bei genveränderten Mäusen stärker wucherte als die ihrer normalen Artgenossen, jedoch bildeten sich keine Tumoren. Setzten die Forscher die genveränderten Tiere jedoch UV-Strahlung aus, so bildete ihre Haut so genannte aktinische Keratosen („Lichtschwielen“), die als Vorstufen der bösartigen Plattenepithelkarzinome (Spinaliome) gelten. Nach einiger Zeit entstand bei einem Teil der Mäuse aus den Vorstufen tatsächlich weißer Hautkrebs. Kontrolltiere dagegen zeigten bei der gleichen UV-Dosis keinerlei Hautveränderungen.
Viren-Impfung gegen Hautkrebs?
„Offensichtlich machen die beta-Papillomviren die Hautzellen anfälliger für schädliche UV-Strahlung und sind damit ursächlich an der Krebsentstehung beteiligt“, erklärt der Virologe Lutz Gissmann aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum. „Mit diesem Wissen können wir nun überlegen, ob besonders gefährdete Personengruppen wie etwa Empfänger von Organtransplantaten durch eine Impfung gegen beta-Papillomviren vor Hautkrebs geschützt werden können. Aus den bisherigen Erfahrungen mit dieser Vakzine wissen wir, dass die Impfung gegen Infektionen mit Papillomviren schützt. So könnte auch ein Impfstoff gegen die beta-Papillomviren weißem Hautkrebs vorbeugen.“
WANC 20.07.2011
Quelle: Daniele Viarisio, Karin Mueller-Decker, Ulrich Kloz, Birgit Aengeneyndt, Annette Kopp-Schneider, Hermann-Josef Gröne, Tarik Gheit, Christa Flechtenmacher, Lutz Gissmann and Massimo Tommasino: E6 and E7 from beta HPV38 cooperate with ultraviolet light in the development of actinic keratosis-like lesions and squamous cell carcinoma in mice. PLoS Pathogen 2011.
