Körpereigener Entzündungshemmer entdeckt
Im Körper des Menschen kommt es bei verschiedenen Erkrankungen, beispielsweise bei schweren Autoimmunerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis, zu Entzündungsreaktionen. Diese können auch das Krebswachstum fördern. Wissenschaftler haben nun ein Protein entdeckt, das Entzündungen verhindert. Möglicherweise eröffnen sich dadurch neue Wege der Therapie.
Tumornekrosefaktor (TNF) – diesen Namen trägt ein Botenstoff des Immunsystems aufgrund früherer Beobachtungen. Dabei hatte man geglaubt, das Protein könnte in der Krebstherapie eingesetzt werden. Mittlerweile weiß man jedoch, dass TNF sich nur selten gegen den Tumor richtet und dort nicht die Krebszellen selbst abtötet, sondern die Blutgefäßzellen, die den Tumor versorgen.
Tatsächlich ist TNF an Entzündungen in einer Vielzahl von Geweben verantwortlich. Chronische TNF-bedingte Entzündungen fördern sogar, dass Krebs sich ausbreiten kann. Der Botenstoff weckt die Wanderbereitschaft der Tumorzellen und erhöht so die Metastasierungsfähigkeit bestimmter Krebsarten. Andererseits kommt TNF auch bei schweren Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Psoriasis oder Morbus Crohn eine zentrale Rolle zu. Wirkstoffe, die TNF hemmen, lindern erfolgreich die Symptome dieser Krankheiten.
Die Wissenschaftler um Professor Dr. Henning Walczak, Deutsches Krebsforschungszentrum, entdeckten gemeinsam mit dem Team von Professor Dr. John Silke, La Trobe University, Melbourne, dass ein Protein namens Sharpin die Entstehung TNF-bedingter Entzündungen verhindert: Mäusen, denen aufgrund einer natürlich vorkommenden Erbgutveränderung Sharpin fehlt, leiden an schweren Entzündungen der Haut und der inneren Organe. Schalteten die Forscher in diesen Tieren zusätzlich TNF aus, so traten keinerlei Entzündungssymptome mehr auf.
Damit zeigten die Forscher, dass TNF in Abwesenheit von Sharpin für die Entzündungen verantwortlich ist. Sharpin unterdrückt also unter natürlichen Bedingungen die entzündungsfördernde Wirkung von TNF. Mit weiteren Experimenten belegten die Forscher, dass Sharpin dies erreicht, indem es TNF daran hindert, den entzündungsfördernden Zelltod auszulösen.
„Chronisch entzündliche Autoimmunerkrankungen sind weit verbreitet. Viele darunter bedeuten für die Betroffenen enormes Leiden und sind heute oft nur unzureichend zu behandeln. Je besser wir die Signalwege verstehen, die solche Entzündungsprozesse auslösen, desto gezielter können wir mit Medikamenten eingreifen. Die Entdeckung, dass Sharpin den Ausbruch TNF-bedingter Entzündungen verhindert, kann der Therapieentwicklung neue Wege weisen“, erläutert Walczak.
WANC 11.04.2011
Quelle: Nature; DOI: 10.1038/nature09816
