Krebs: Warum tun wir so wenig, ihn zu vermeiden?
Obwohl Krebs nach wie vor die Erkrankung ist, vor der wir uns am meisten fürchten, nutzen nur 40% der Deutschen die Möglichkeiten der Krebsvorsorge. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Forsa-Umfrage. Demnach geben 73% der Bundesbürger an, Angst vor Krebs zu haben.
Dass dann trotzdem nur so wenige Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen wahrnehmen, ist in gewisser Weise paradox. Aber wahrscheinlich ist es genau diese Angst, die uns mehrheitlich davon abhält, uns mit einer Vorsorge-Untersuchung auf Krebs (und der subtilen, lauernden Gefahr einer Krebsdiagnose) zu befassen. Dabei kann eine frühe Entdeckung eines Tumors im Ernstfall durchaus Leben retten.
Die Angst vor Krebs bleibt ohne Konsequenz
Auch sonst tun die meisten von uns relativ wenig, um Krebs zu verhindern. Gesunde Ernährung, viel Bewegung, nicht rauchen, Alkohol nur in moderaten Mengen - daran halten sich gesamthaft die Wenigsten. Übrigens: Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist jede vierte Krebserkrankung letztlich auf Bewegungsmangel zurückzuführen.
Das Statistische Bundesamt hat unlängst die aktuellen Daten zur Krebshäufigkeit aus dem Jahre 2009 veröffentlicht. Demnach bleibt der Lungenkrebs die häufigste krebsbedingte Todesursache in Deutschland. Es folgen Brustkrebs und Prostatakrebs. Betrachtet man die Frauen separat, führt Brustkrebs noch häufiger zum Tod als Lungenkrebs.
Autoren: WANC/Dr. med. Jörg Zorn 04.02.11
Quelle: Destatis, DAK
Die meisten Deutschen fürchten eine Krebserkrankung. Doch obwohl Krebs der 2.häufigste Grund für das Sterben ist, nehmen nur knapp die Hälfte Vorsorgeuntersuchungen wahr. Aus Angst vor der Untersuchung oder aus Angst vor dem Ergebnis. Dabei ist Früherkennung oft der beste Schutz. Und viele Erkrankungen ließen sich auch vermeiden, wenn die Menschen ihren Lebensstil verändern würden: also sich gesund ernähren, ausreichend bewegen, auf das Gewicht achten, nicht Rauchen, zu viel Sonne vermeiden.
In Deutschland starben im Jahr 2009 insgesamt 216.128 Personen an einer Krebserkrankung (bösartige Neubildung), davon 116.711 Männer und 99.417 Frauen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Weltkrebstag am 4. Februar 2011 weiter mitteilt, war damit jeder vierte Todesfall auf eine Krebserkrankung zurückzuführen. Lungen- und Bronchialkrebs war mit 42.221 Fällen die insgesamt am häufigsten aufgetretene Krebsart mit Todesfolge.
Bei den Männern war in 29.133 Fällen (7,2% aller Sterbefälle) eine bösartige Neubildung der Lunge und Bronchien ursächlich für deren Tod, gefolgt von einer Krebserkrankung der Prostata in 12.217 Fällen (3,0%). Bei Frauen war die häufigste Krebstodesursache Brustkrebs mit 17.066 Fällen (3,8%), die zweithäufigste war Lungen- und Bronchialkrebs mit 13.088 Fällen (2,9%).
Ein Viertel aller an Krebs verstorbenen Personen war jünger als 65 Jahre. In der Altersgruppe der 45- bis 65-Jährigen war die Krebserkrankung mit einem Anteil von 41% an allen Sterbefällen die bedeutendste Todesursache. Das durchschnittliche Sterbealter der an Krebs Erkrankten lag bei 73,6 Jahren und damit 6,7 Jahre unter dem allgemeinen Sterbealter.
Im Jahr 2009 wurden bundesweit 1.496.089 an Krebs erkrankte Patientinnen (682.361) und Patienten (813.728) im Krankenhaus behandelt und entlassen. 39,3% dieser Patientinnen und Patienten waren zwischen 25 und 65 Jahre alt. Die häufigste Diagnose bei den Frauen war Brustkrebs mit 147.452 Fällen. Bei den Männern war der häufigste Grund für einen stationären Krankenhausaufenthalt die bösartige Neubildung von Bronchien und Lunge mit 128.058 Fällen.
Doch obwohl Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Deutschland ist, gehen 40 Prozent der Deutschen nicht zu Krebs-Früherkennungsuntersuchungen. Die Zahlen einer Forsa-Studie im Auftrag der DAK aus dem Jahr 2010 ergaben noch etwas anderes: Krebs macht den Deutschen am meisten Angst. Obwohl schwere Herzkrankheiten mit Abstand die häufigste Todesursache sind, werden bösartige Tumore viel mehr gefürchtet. 73 Prozent der Bundesbürger Angst vor einer Krebserkrankung.
„Krebs ist nicht immer eine Schicksalskrankheit“, sagt DAK-Ärztin Elisabeth Thomas. „Jeder entscheidet selbst, ob er raucht oder stundenlang ungeschützt in der Sonne brät. Bestimmte Krebsarten lassen sich durch gesunde Lebensgewohnheiten vermeiden.“ Als Hauptursachen für eine Krebserkrankung gelten: Rauchen, erhöhter Alkoholkonsum, gravierendes Übergewicht und zu hohe Sonnenbelastung.
So sieht das auch das Netzwerk des World Cancer Research Fund (WCRF). Seinen Schätzungen zufolge kann eine bewusste Umstellung der Lebensgewohnheiten wie die Beibehaltung eines gesunden Körpergewichts, einer gesunden Ernährung und einer regelmässigen körperlichen Bewegung in vielen Ländern das Risiko der häufigsten Krebsarten um bis zu einem Drittel senken.Und nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ist für 21 bis 25 Prozent der weltweiten Brustkrebs- und Dickdarmfälle Bewegungsmangel verantwortlich.
„Menschen aller Altersgruppen wird eine körperliche Betätigung empfohlen, um so die Gefahr gewisser Krebsarten und anderer, nicht übertragbarer Krankheiten zu senken", so Dr. Tim Armstrong von der WHO-Abteilung für chronische Krankheiten und Gesundheitsförderung. „Um ihren allgemeinen Gesundheitszustand zu verbessern und Krankheiten zu vermeiden, sollten sich Erwachsene mindestens 150 Minuten pro Woche mässig körperlich betätigen. Dies lässt sich beispielsweise mit einem 30-minütigen schnellen Gehen an fünf Wochentagen oder durch tägliches Fahrradfahren zur Arbeit erreichen."
WANC 04.02.11, Quelle: Destatis, DAK
