EHEC: Super aggressiver Erreger
Die EHEC-Seuche greift weiter ungehindert um sich. Die Zahl der Infizierten steigt genauso wie die derjenigen, die an der lebensbedrohlichen HUS-Erkrankung – dem hämolytisch-urämischen Syndrom, das zu Nierenversagen und Schädigungen des Nervensystems führen kann – leiden. Den Wissenschaftlern sind erste Erfolge in der Bekämpfung des Erregers gelungen. Eine hilfreiche Therapie bedeutet das aber noch genauso wenig wie die Erkenntnis, woher der Erreger übertragen wird.
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Erbgut entschlüsselt: Neue Mutante
Die Wissenschaftler haben einen kleinen Sieg errungen. Sie haben das Erbgut des EHEC-Erregers entziffert. Und waren überrascht: Es handelt sich um einen neuartigen Bakterienstamm. Das Besondere daran ist, dass es sich nicht um einen Erreger allein, sondern um die Kombination von zweien handelt. Und das macht ihn anscheinend so agressiv.
Der Bakteriologe Holger Rohde vom Universitätsklinikum Münster meint, dass er noch nie eine solche Kombination von Genen gesehen hätte. Diese Kreuzung sorgt dafür, dass EHEC im Darm des Patienten viel mehr Gift produzieren kann. Diese Erkenntnis hilft im Kampf gegen die Infektion allein noch nicht. Aber es ist ein erster Schritt auf dem Weg zur Verhinderung der Seuche.
Die kennt derweil keine Gnade. Von 2.000 Infektionen und Verdachtsfällen in Deutschland wird derzeit berichtet. Auch im Ausland steigt die Zahl der Erkrankten. Etwa ein Viertel der mit EHEC infizierten bekommen HUS und sind damit von einer Behandlung abhängig, die eine Reinigung ihres Blutes bedeuten.
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Es fehlt an Blutplasma
Für die Blutwäsche ist Blutplasma notwendig. Die hohe Zahl der Abforderungen – derzeit werden täglich zehnmal so viel Plasmadosen verbraucht wie normal – bedeuten, dass die Vorräte langsam zur Neige gehen. Neues Plasma kann auch frühestens vier Monate nach der Spende verwendet werden.
Die Entschlüsselung der Erregergene birgt nach Hoffnung der Ärzte die Chance, neue Therapien entwickeln zu können. Das ist auch dringend notwendig. Denn bisher haben die Behörden 18 Todesfälle gezählt. Und die Experten erwarten, dass das nicht die letzten sind. Dabei ist die Suche nach der Beschaffenheit des EHEC-Bakteriums nicht die einzige Suche, die die Wissenschaftler leisten müssen. Immer noch ist auch nicht geklärt, woher der EHEC-Erreger genau kommt. Dass es wohl keine Gurken und auch keine aus Spanien sind, scheint mittlerweile sehr klar zu sein.
„Man kann derzeit gar nichts ausschließen“, warnte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) im ZDF-Morgenmagazin. Die Lieferwege müssten zurückverfolgt, Lieferlisten ausgewertet werden. Das Robert Koch Institut (RKI) geht davon aus, dass es sich um eine sogenannte Primärinfektion über ein Lebensmittel handelt. Ein bisher als unwahrscheinlich titulierter Infektionsweg wird allerdings immer wahrscheinlicher: Es gibt Hinweise, dass eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung erfolgen kann. Â
WANC 03.06.2011
Quelle: ZDF-heute, Ärztezeitung, RKI, UKE
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