Tod durch schwere Blutvergiftung?
Die schwere Blutvergiftung, medizinisch "Sepsis", fordert nach Expertenschätzungen jedes Jahr allein in Deutschland 40.000 Menschenleben.
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Sepsis ist eine dramatisch verlaufende, lebensbedrohliche Erkrankung. Sie kann jeden treffen, unabhängig von Alter oder Geschlecht. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa so viele Menschen an schwerer Sepsis wie an Brustkrebs oder Darmkrebs zusammen. Eine schwere Sepsis kann sich aus einem einfachen Erkältungsinfekt entwickeln oder als Komplikation einer Lungenentzündung oder einer größeren Operation auftreten. Innerhalb von Stunden überschwemmen dann infektiöse Keime den gesamten Organismus, das Immunsystem kann die Infektion nicht mehr kontrollieren und die Blutgerinnung gerät aus dem Gleichgewicht bis hin zum Versagen von Organen wie Niere, Lunge oder Herz, mit tödlicher Folge für den Patienten.
"Diese enorm hohe Sterblichkeit können und dürfen wir als Ärzte nicht länger hinnehmen," sagt Prof. Dr. med. Herwig Gerlach, Berlin, der europäischer Repräsentant der weltweiten „Surviving Sepsis Campaign“ ist. Diese Organisation will die Sepsis-Sterblichkeit innerhalb von fünf Jahren um ein Viertel reduzieren. Je früher die Sepsis erkannt und je früher ein Patient mit schwerer Sepsis lebensrettende Therapien erhalte, desto größer seien seine Überlebenschancen.
"Die Therapie von Patienten mit schwerer Sepsis ist sehr kompliziert," erklärt Prof. Gerlach sein Engagement in der „Surviving Sepsis Campaign“. "Wir haben Empfehlungen für eine verbesserte Therapie dieser schwer kranken Menschen erarbeitet und wollen außerdem das Bewusstsein für die Erkrankung in der Öffentlichkeit stärken." Die neuen Behandlungsleitlinien sollen die Sepsis-Behandlung weltweit vereinheitlichen, die Qualität der Versorgung anheben und sicherstellen, dass den Patienten überall dort, wo sie behandelt werden, eine optimale Versorgung und die neuesten Erkenntnisse und Therapien gegen diese tödliche Krankheit zugute kommen."
Vor wenigen Jahren noch gab es außer Antibiotika keine Therapie. Heute stehen den Ärzten auf Intensivstationen auch neue Verfahren und Medikamente zur Verfügung, die dazu beitragen, dass mehr Patienten mit schwerer Sepsis überleben. So zum Beispiel bestimmte Beatmungsstrategien, Nierenersatzverfahren, frühzeitige hämodynamische Optimierung und Insulingabe.
Seit einem Jahr gibt es außerdem ein spezielles Sepsis-Medikament, das Aktivierte Protein C, das die Überlebenschancen deutlich verbessert. Niedrig dosiertes Hydrocortison senkt ebenfalls in vielen Fällen die Sterblichkeit beim schweren septischen Schock. Die Behandlung der Sepsis ist allerdings sehr komplex, und jedes Krankenhaus oder jede Intensivstation hat derzeit noch unterschiedliche Standards für die Sepsis-Therapie.
WANC 23.10.03
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